Wissenschaftler haben erhebliche Zweifel daran, dass junge Menschen heute schneller erwachsen werden.
Reuls VorstoßKinder gehören nicht in den Knast


Die CSU will die Strafmündigkeit von Kindern auf zwölf Jahre herabsetzen. Wissenschaftler sehen das kritisch.Foto:dpa
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Nein. Eine Absenkung der Strafmündigkeit von 14 auf zwölf12 Jahre ist der falsche Weg. Stellen wir zunächst klar, welche Konsequenzen das nach dem deutschen Strafrecht hätte. Kinder ab zwölf Jahren könnten inhaftiert werden. Genau das sieht die Wissenschaft äußerst kritisch. Und das beileibe nicht nur die Kinder- und Jugendpsychiatrie, sondern auch die kriminologische Forschung.
Wie müsste eine Jugendstrafanstalt aussehen, in die sich ein zwölfjähriges Kind altersangemessen entwickeln kann? Unter Inhaftierten, die in der Regel zwischen 18 und 25, also deutlich älter sind?
Auch wenn die Polizei bei ihren Einsätzen immer das Phänomen beschreibt, dass es Zwölfjährige gibt, die sich wie 16-jährige verhalten und deren vermeintlich frühere Reife damit erklären, Kinder seien durch die digitalen Medien schutzlos gewaltverherrlichenden Darstellungen ausgesetzt, was zu ihrer Verrohung beitrage – wissenschaftliche Belege gibt es dafür nicht.
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Einen Antrag von fünf Bundesländern, das wissenschaftlich zu untersuchen, fand im Juni 2024 keine Mehrheit. Es ist höchste Zeit, dass die Bundesregierung eine solche Studie auf den Weg bringt. Solange bleibt es vorerst bei der Behauptung, der Neurologen entgegnen, dass die sich die Reifung des Gehirns – zum Beispiel, unter anderem die Impulskontrolle und Risikobereitschaft – seit Jahrzehnten nicht verändert habe.
Nein. Kinder, die schwere Straftaten begehen, gehören nicht in den Knast, sondern in Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Selbst dort ist es schon schwer genug, ihr oft aggressives und antisoziales Verhalten zu verändern. Bei ihnen geht es darum, die Ursachen zu ergründen. Und darum, ein junges Leben zu retten, das anders nicht zu retten ist.

