25.09.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Restaurant "Zur Tant": Zeitreise in die Tradition
16. July 2013
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Restaurant "Zur Tant": Zeitreise in die Tradition

Schnörkel zum Marillenknödel.

Schnörkel zum Marillenknödel.

Foto:

Henn

Köln -

Porz-Langel liegt rechtsrheinisch und so weit südlich, dass manch Kölner sich fast schon in Bayern wähnt. Erst 1975 kam Porz zu Köln, hier ist es noch sehr ländlich, vielleicht nicht Bayern, aber eine eigene Welt. Auch das Restaurant „Zur Tant“ ist ein Kosmos für sich. Ursprünglich wurde das 1849 eröffnete Restaurant von einer alleinstehenden Dame geführt – daher der Name. Seit 1976 ist Franz Hütter Inhaber und Küchenchef. Seine Gerichte sind nicht einfach Gerichte, sie sind Lebenswerke. Einige stehen seit Jahrzehnten auf der Karte. Die Zeit ist in der „Tant“ ohnehin stehengeblieben – auch was die Deko betrifft, die nur noch zur Ü-70-Party taugt. Zeitlos schön dagegen der Blick auf den Rhein von der Terrasse Richtung Wesseling.

Hütter ist einer der Küchengranden, die seit einer gefühlten Ewigkeit ein Pfeiler der rheinischen Spitzenküche sind. Sie präsentieren ihre Lebensleistung, so wie Bands ihre „Greatest Hits“ spielen – warum auch nicht? Das Publikum hört sowieso nichts lieber. Deshalb bringt es nichts, in der „Tant“ nach Innovationen zu suchen. In Hütters Küche geht es um klassischen Wohlgeschmack, um Harmonie, manchmal mit österreichischen Einsprengseln, aber dezenten.

Es ist trotz Hütters Herkunft keine österreichische Hochküche, sondern eine auf der französischen Klassik fußende. Die Gänselebertorte ist an Schmelz nicht zu übertreffen, der Garzeitpunkt beim Lammkarree mit Aromaten nicht besser zu treffen. Das ist souveräne Kunst! Und die Saucen! Man möchte drin baden: die Albufeirasauce (unter anderem durch Koch-Legende Escoffier im Buch „Le Guide culinaire“ bekannt) oder die intensiv reduzierte Sauce mit Zweigelt, nicht zu vergessen die

Zwiebellauchbuttersauce, die zeigt, wie fein Zwiebelgeschmack sein kann. Sind anderswo die Speisen wie kleine Kunstwerke angerichtet, gönnt man sich hier nur beim Dessert ein wenig Schnörkel, ansonsten auch hier Tradition, sprich Geometrie. Da liegen Fleischstücke ordentlich nebeneinander oder drei Komponenten im Dreieck.

Österreichischer Mehlspeisenhimmel

Ohne Dessert darf man die „Tant“ nicht verlassen. Patissier Jürgen Caspari befördert den Gast mit Marillenknödel in den österreichischen Mehlspeisenhimmel. Und die Weinauswahl von Mario Fitz bietet viele Entdeckungen aus Österreich – die man in der angeschlossenen Weinhandlung auch gleich zu günstigen Preisen erstehen kann. Das Essen ist dagegen sehr selbstbewusst bepreist. Günstiger geht es eine Etage tiefer im Bistro „Hütter’s Piccolo“ zu, wo auch die legendäre Spanferkelsülze serviert wird. Die Terrasse lohnt auch für einen Fahrradausflug. Heutzutage bleiben in der „Tant“ auch mal ein paar Plätze leer. Aber wenn Hütter irgendwann nicht mehr kocht, werden sicher viel sagen: Ach, könnten wir doch noch mal in der „Tant“ essen gehen. Da hat es uns immer so gut geschmeckt. Spektakulär ist woanders, modern auch, aber lecker ist hier. Klassisch lecker.

Zur Tant
Rheinbergstraße 49
0 22 03/8 18 83
Fr–Mi 12–14.30 und 18–22 Uhr
www.zurtant.de

Fazit: Hingehen, solange Hütter noch kocht. Klassische Küche mit göttlichen Saucen.

Bewertung: vier von sechs Sternen