30.08.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Weinkolumne: Feiner Schaumwein mit zartem Aroma
23. July 2013
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Weinkolumne: Feiner Schaumwein mit zartem Aroma

Wenn die Sonne die Weinberge beglückt...

Wenn die Sonne die Weinberge beglückt...

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Symbolbild: dpa

Wer die Obermosel – oder südliche Weinmosel, wie die Region heute genannt wird – in alten Weinbüchern sucht, findet einen weißen Fleck. In der Gegend an der Grenze zu Frankreich und Luxemburg gab es bis vor 20 Jahren kaum Weingüter, die ihre Weine selbst abfüllten.

Hier ist der Elbling zu Hause. Eine antike weiße Rebsorte, die einst die Römer mitbrachten und an der Mosel verbreiteten. Als im Jahre 1786 der Trierer Kurfürst Clemens Wenzeslaus die Umstellung auf Riesling anordnete, blieb nur in dieser kleinen Enklave der Elbling erhalten, weil sie nicht zu seinem Machtbereich gehörte.

Dass sich die Rebsorte im modernen Weinbau nicht durchgesetzt hat, liegt an ihrer neutralen Art, der hohen Säure sowie dem moderaten Alkoholgehalt – so konnte der Elbling nie die Nachfrage nach kräftigen Weinen bedienen. Dass die Winzer trotzdem gut leben konnten, lag daran, dass sie massenhaft erzeugte Fassware an große Sekthersteller verkauften. Die waren wiederum dankbar für einen säurereichen und alkoholarmen Verschnittpartner, der die müden importierten spanischen Sektgrundweine aufpeppte.

Großes Potenzial als Schaumwein

Winzern wie Stephan Steinmetz war das zu wenig. Steinmetz erkannte schnell, dass der Elbling als Schaumwein großes Potenzial hat: Die dezenten Rebsortenaromen stören die delikaten Hefenoten nicht, die sich durch ein langes Hefelager bei der Flaschengärung ausbilden.

Auch wenn der Elbling relativ einfach im Geschmack ist, ist die Sorte anspruchsvoll im Weinberg. Wenn sie zur Reife gelangt, haben die Beeren eine sehr dünne Haut, die schnell aufplatzt. Der austretende Saft kann oxidieren und von Essigbakterien befallen werden. Besonders behutsam müssen die Trauben daher geerntet und verarbeitet werden, denn jedes dumpfe Aroma durch einen Weinfehler schlägt sich im Bouquet der neutralen Rebsorte sofort nieder.

Steinmetz und sein kleines Familienteam ernten daher die Trauben in kleinen Boxen und verarbeiten sie schonend. Nach der Gärung in der Flasche bleibt der Schaumwein mindestens zwölf Monate auf der Hefe liegen, um feine Kohlensäureperlen zu entwickeln und sich geschmacklich abzurunden. Deshalb nennt Steinmetz sein Produkt Crémant, denn „Sekt“ kann auch Schaumweine bezeichnen, die in der einfacheren Tankgärmethode hergestellt werden.

Eine Freude ist schon die Farbe, die zart limonengelb im Glas funkelt. Der Schaumwein verströmt ein delikat zartes Aroma von grünem Apfel, Grapefruit und frischen Mandeln. Am Gaumen überzeugt er mit fein eingebundener Perlage, einer angenehm frischen Säure und einem eleganten Hefeton im Finish. Stephan Steinmetz’ Elbling sorgt so mit einigen Crémants aus dem benachbarten Luxemburg dafür, dass die Obermosel kein weißer Fleck mehr auf der Landkarte ist.