28.07.2016
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Stadtentwicklung in Köln: Die Schäl Sick wird schick

Die große Freitreppe am Deutzer Rheinufer soll 2015 fertig sein und mehreren tausend Menschen Platz bieten.

Die große Freitreppe am Deutzer Rheinufer soll 2015 fertig sein und mehreren tausend Menschen Platz bieten.

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Stefan Worring

Köln -

Jahrelang herrscht auf der sogenannten Schäl Sick in Sachen Stadtentwicklung nahezu Stillstand. Mit dem Bau des LVR-Turms, dem Messeumbau und Einzug von RTL und Talanx in die ehemaligen Rheinhallen sowie der Ansiedlung von Lanxess erlebt die rechte Rheinseite nun seit einiger Zeit einen enormen Aufschwung. Die große Freitreppe am Deutzer Ufer, das Kernstück des mehr als 20 Millionen Euro teuren Rheinboulevards, nimmt Gestalt an. 2015 soll das Projekt fertig sein und die Treppe rund 10 000 Menschen Platz bieten. Auch mit dem geplanten Bau der Messecity, des Euroforum Nord, dem Betrieb des Musicaltheaters im Staatenhaus sowie dem Ausbau des Mülheimer Hafens/Mülheim Süd wird die rechte Rheinseite weiter an Attraktivität gewinnen.

Mehrere tausend Menschen werden künftig zusätzlich in Deutz und im südlichen Mülheim leben und arbeiten. Allerdings dürfte es damit auf der rechten Rheinseite verkehrstechnisch ziemlich eng werden. Derzeit arbeitet die Stadt noch an einem umfassenden Konzept, wie die enormen Verkehrsströme ohne endlos lange Staus bewältigt werden können. Verkehrsexperten glauben allerdings, dass die derzeitigen Pläne noch nicht ausreichen. Wie fragil die Situation ist, zeigt sich bereits jetzt im Zuge der Sperrung der Leverkusener Brücke für Lkw, der Einschränkung der Zufahrten über die Zoobrücke sowie der Sanierung des Kalker Autobahntunnels. Der Verkehr muss im weiten Umkreis anders geführt werden, was erhebliche Staus zur Folge hat.

Ein Blick darauf, wie sich die rechte Rheinseite in den kommenden Jahren verändern wird.

Messecity

Auf dem Areal des früheren Barmer Viertels zwischen Deutzer Bahnhof und der Messe soll ab dem kommenden Jahr mit dem Bau der Messecity begonnen werden. Auf insgesamt 5,4 Hektar werden künftig bis zu 5000 Menschen in sechs neuen Bürogebäuden arbeiten. Rund 500 Millionen Euro wird der gesamte Komplex kosten.

Herzstück wird der zentrale Messebalkon als Verbindungsbauwerk zum Eingang Süd der Kölner Messe. Im Jahr 2017 sollen die ersten Bauten stehen, 2020 die gesamte Messecity. Laut den Investoren Strabag und ECE wird in der zweiten Jahreshälfte der Architektenwettbewerb für die Fassaden der Gebäude abgeschlossen sein. Zudem sollen in der Messecity auf rund 1500 Quadratmetern Gastronomie sowie Einzelhandel angesiedelt werden. „Darüber hinaus führen wir zurzeit Gespräche mit Hotelbetreibern und den Anbietern eines Multiplexkinos, das in dem neuen Quartiert eröffnet werden soll“, sagt Rainer Maria Schäfer von der Strabag. Wer in die Gebäude einziehen soll, ist derzeit noch unklar.

Staatenhaus

Das ehemalige Staatenhaus der Messe im Rheinpark soll zu einem Musicaltheater mit rund 1800 Plätzen umgebaut werden. Das Musical hat derzeit keine Spielstätte mehr, seit die Oper während des Umbaus in das blaue Zelt am Hauptbahnhof gezogen ist. Ursprünglich war die Eröffnung Mitte 2016 geplant. Allerdings verzögert sich der Umbau voraussichtlich um etwa ein halbes Jahr, denn die Stadt verhandelt noch mit zwei Betreibern.

Euroforum Nord/Mülheimer Süden

Mit dem Euroforum Nord auf dem ehemaligen Gelände von Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD), das von der Zoobrücke, der Deutz-Mülheimer Straße und der ICE-Strecke eingegrenzt wird, soll künftig ein neues Wohngebiet sowie Gewerbe entstehen. Verwaltung und Politik entwickeln derzeit einen Bebauungsplan für das etwa zehn Hektar große Grundstück. So sollen an der Deutz-Mülheimer Straße drei Wohnblöcke mit Innenhöfen, einem großen Platz und rund 350 Wohnungen entstehen. Entlang der ICE-Gleise soll sich Gewerbe ansiedeln. Die nördliche Spitze ist für den Einzelhandel vorgesehen. Baubeginn könnte 2015 sein. Der preisgekrönte Musik-Club Gebäude 9 darf bleiben. Allerdings steht ein Lärmschutzgutachten noch aus.

Rhein-Estate, eine Tochter der Sparkasse Köln-Bonn, hat das Grundstück mittlerweile an eine Investorengruppe verkauft. „Wir machen aber nach wie vor die Planung“, sagt Helmut Raßfeld, Geschäftsführer von Rhein-Estate.

Das Euroforum Nord ist das erste Projekt des Mülheimer Südens, das verwirklich wird. Für den Rest des Areals wurde im Februar ein Werkstattverfahren beendet. Bis zu 2000 Wohnungen sollen auf dem 70 Hektar großen Areal mit dem Hafen entstehen – Platz für rund 5000 Menschen. Zwei Planungsteams aus Münster und Köln haben zwei unterschiedliche Konzepte zur Erschließung des Areals entworfen.

Die Entwürfe des Münsteraner Teams sehen zahlreiche öffentlichen Freiräume wie Wege- und Platzflächen sowie Grünzüge vor, die das Areal mit der Stegerwaldsiedlung verbinden. Geplant ist zudem ein großer zentraler Platz an den alten KHD-Gießereihallen, dort könnten ein Markt, Gastronomie angesiedelt werden oder die Flächen könnten zum Parken neu genutzt werden.

Das Kölner Team hat das Areal in acht Korridore eingeteilt, die grüne Verbindungen zwischen Rhein und Deutz-Mülheimer Straße schaffen. Zudem soll die Höhe der Häuser variieren, in Richtung Zoobrücke sollen sie höher werden, um dem neuen Quartier eine Skyline zu geben.

Bis die Ideen der Architekten umgesetzt werden, dürfte es noch etwas dauern, denn die Vorhaben müssen noch eine Bauleitplanung durchlaufen.

Deutzer Hafen

Auch der gut 100 Jahre alte Industriehafen in Deutz soll umgestaltet werden. Dabei hat die Stadt bereits mehrere Nutzungskonzepte untersucht: vom vollständigen Umbau bis hin zum Erhalt als Industriehafen. Die Variante, die derzeit als Favorit gilt: Nur die Ellmühle, deren Verlagerung einen dreistelligen Millionenbetrag kosten dürfte, soll erhalten bleiben; für alle anderen Flächen ist eine Mischung von Wohnungen für 3000 Menschen, Büros und Dienstleistung vorgesehen. Derzeit ist allerdings die Frage des Hochwasserschutzes noch nicht geklärt.

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