29.07.2016
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Katholische Krankenhäuser: Neue Vorwürfe gegen Kliniken

St. Franziskus-Hospital. (Symbolbild)

St. Franziskus-Hospital. (Symbolbild)

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Peter Rakoczy

Ehrenfeld -

Auch im Ehrenfelder St. Franziskus-Hospital ist ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer nicht behandelt worden. Träger der Klinik ist – wie bei den beiden anderen Häusern, in denen vergewaltigten Frauen nicht geholfen worden war – die Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria.

Der Kölner Unternehmer Michael K. und seine Kollegin Valentina G. (Namen sind der Redaktion bekannt), berichteten dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass sie am frühen Morgen des 7. April 2012, des Samstags vor Ostern, am Rudolfplatz vor einem Fastfood-Restaurant eine Frau von Anfang 20 auflasen, die augenscheinlich traumatisiert und ohne Erinnerung war. Ihr Gürtel war zerrissen, weswegen K. und G. eine vorangegangene Vergewaltigung vermuteten. Sie brachten die unentwegt weinende Frau gegen 5.30 Uhr in die Notfall-Ambulanz des Franziskus-Hospitals.

Der dort Zuständige lehnte eine Behandlung mit den Worten ab, er wisse nicht, was er da jetzt machen solle. Weitere Kollegen, die aufgrund eines lautstark geführten Wortwechsels hinzukamen, blieben ebenfalls untätig. „Die haben schulterzuckend vor uns gestanden und uns plump wieder weggeschickt“, sagte G. In ihrer Verunsicherung wandten sich K. und G. an die Polizei, die ihnen riet, ein anderes Krankenhaus aufzusuchen. Im Nippeser St.-Vinzenz-Hospital, ebenfalls von der Cellitinnen-Stiftung betrieben, sei die Patientin dann untersucht und stationär aufgenommen worden.

Wie G. weiter berichtete, rief eine Polizistin sie später eigens zurück, um sich den Vorfall noch einmal eingehend schildern zu lassen. „Die hat gemeint, das ist ein Unding.“ Michael K. betonte, auch er habe sofort gesagt, „das ist doch unterlassene Hilfeleistung“.

Cellitinnen-Sprecher Christoph Leiden widersprach der Darstellung. Die Mitarbeiter der Notfall-Ambulanz hätten K. und G. erklärt, dass die junge Frau, die äußerlich keine Spuren von Gewalteinwirkung aufgewiesen habe, in einer gynäkologischen Fachabteilung untersucht werden müsse, die es im Franziskus-Hospital nicht gibt. K. und G. seien alkoholisiert gewesen. Ihnen sei empfohlen worden, sich mit der jungen Frau in ihrer Begleitung an die Uniklinik oder das St.-Vinzenz-Hospital in Nippes zu wenden. Genau das wiederum bestreiten sowohl K. als auch G. energisch. „Die wissen schon, warum sie das jetzt sagen“, so K. Die Information über alternative Behandlungsorte sei ebenso unterblieben wie das Angebot eines Krankentransports oder andere Unterstützung. „Wir sind einfach auf Verdacht per Taxi ins nächstbeste Krankenhaus weitergefahren“, sagte G..

„Die Verlogenheit der Kirche ist unerträglich“

Von einer unerträglichen Grauzone, die bei den Ärzten in katholischen Kliniken zu einer erheblichen Verunsicherung führe, spricht Bernd von Tongelen. Im Erzbistum Köln sei das wegen der „rigiden Haltung des Kardinals“ besonders problematisch. Der 54-Jährige hat vor 15 Jahren im Heilig-Geist-Krankenhaus in Longerich als Oberarzt gearbeitet. Bei seiner späteren Tätigkeit als Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe im St.-Antonius-Hospital in Kleve „war ich nicht mehr bereit, diese Grauzone zu akzeptieren.“ Er habe die Trägergesellschaft um eine klare Stellungnahme gebeten, wie man sich im Falle eines Beratungsgesprächs und der „Pille danach“ zu verhalten habe: „Ich wollte nicht ständig Gefahr laufen, meinen Arbeitsplatz zu riskieren.“

Diese Stellungnahme sei wie erwartet eindeutig ausgefallen. „Wir durften sie nicht verschreiben und haben die Patientinnen nach Emmerich-Rees verwiesen. Am dortigen St.-Willibrord-Spital sei den betroffenen Frauen „damals noch geholfen worden“. Von Tongelen arbeitet inzwischen an einer Klinik in Rotterdam. „Die Verlogenheit der Kirche ist unerträglich“, sagt er. „So lange niemand genau nachfragt, wird das Thema nicht angerührt. Im Zweifel wird dem Arzt gekündigt.“

Vor allem in ländlichen Gebieten, in denen es ausschließlich Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft gebe, „haben Frauen keine Wahlmöglichkeit“. An Wochenenden, wenn die Praxen geschlossen sind, sei es nahezu aussichtslos, an die „Pille danach“ zu kommen“. „Meiner Meinung darf es keine Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft mehr geben.“