29.07.2016
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Kölner Band Stereobite: Alternative-Rock in Hymnenform

Sind seit 2013 eine Band (v. l.): Die Musiker Uli Rath, Markus Spiller, Milan Kappe und Natalie Warner von Stereobite.

Sind seit 2013 eine Band (v. l.): Die Musiker Uli Rath, Markus Spiller, Milan Kappe und Natalie Warner von Stereobite.

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Michael Bause

Köln -

Manche Bands wollen gar nicht ungewöhnlich sein – und sind gerade deshalb ungewöhnlich charmant. Das Kölner Quartett Stereobite ist so eine Formation. „Bei uns geht es um den Groove und nicht darum, um jeden Preis etwas Abgedrehtes zu versuchen“, sagt Gitarrist und Songschreiber Markus Spiller. „Ehrlich ist doch, das rauszulassen, was rauskommt.“ Ungeschminkt hymnischer, enthusiastisch zelebrierter Alternative-Rock nämlich. Da herrscht Bauchgefühl statt Kopflast.

Bauchgefühl

So könnte generell das Motto von Stereobite lauten, denn das Bauchgefühl hat seit der Gründung Anfang 2013 die Bandgeschichte geprägt: Kaum zehn Monate alt, hat man bereits professionelle Aufnahmen unter Produzent Jon Caffery machen lassen, der bereits für Einstürzende Neubauten, Die Toten Hosen und für die Post-Punk-Ikonen Joy Division an den Reglern saß. In einer „Nacht- und Nebelaktion“ hatte Spiller dem gefragten Produzenten Rohfassungen einiger Songs per E-Mail geschickt. Ob er seine Band nicht aufnehmen wolle, fragte der Gitarrist darin. Caffery, der Spiller noch aus seiner Zeit bei House of Suffering kannte – in den 90er Jahren die Kölner Vorzeige-Band in Sachen Crossover – antwortete gleich am nächsten Morgen. „Er bezeichnete unsere Sachen als „very great pop music“ (sehr großartige Popmusik)“, so Spiller. „Caffery hat von Anbeginn an unseren Sound geglaubt.“

In einem Kölner und einem Berliner Tonstudio wurden diverse Songs eingespielt, darunter die bereits als Single veröffentlichte Indie-Pop-Nummer „How High“: Mit leichtfüßigem Beat, geschmeidigen Gesangsharmonien und schwungvoller Inszenierung bitten Stereobite hier ausgelassen zum Tanz.

Stellvertretend für den saftigen Sound der Formation ist der Song allerdings nur bedingt. Denn Stereobite sind vor allem roh rockende Gesellen. Das beweißt der Vierer mit einem im Proberaum aufgenommenen und bei der Internetplattform Youtube veröffentlichten Live-Video.

Zu hören gibt es sieben Songs, die nicht nur einen Vorgeschmack auf das noch für dieses Jahr geplante Album geben, sondern laut Spiller auch zeigen sollen, „dass das, was wir machen, nichts Gekünsteltes ist“. Nach Retorte klingen weder das mit kantigen Gitarrenriffs, furiosem Schlagzeugspiel und pumpenden Basslinien druckvoll aufbereitete „Everyday“, noch die auf Hochgeschwindigkeits-Melancholie getunte, von Frontfrau Natalie Warners entfesselter Stimme beseelte Rockweise „Little Round Round“. Darin singt die gebürtige Britin: „Turn around, brace yourself, face the truth.“ (Dreh Dich um, bereite Dich vor, sieh der Wahrheit ins Gesicht).

Unverblümte Worte

„Im Stück geht es um Pseudokommunikation in der Geschäftswelt wie in der Gefühlswelt“, sagt Warner. „Ich kreide den Menschen an, dass sie nicht ehrlich genug sind, zu sagen, was sie denken und fühlen.“ An Direktheit mangelt es den Songtexten der Sängerin nicht: Ihren Missmut fasst sie in unverblümte Worte. „Das ist wie bei der Sensationspresse“, findet Warner. „Viele meiner Texte sind bewusst plakativ, weil ich glaube, dass sie so am ehesten bei den Leuten ankommen.“ Angekommen sind auch Stereobite – beim Deutschen Rock & Pop Preis 2014.

Aus mehr als 1000 Teilnehmern wurde das Quartett in das Finale gewählt, bei der Preisverleihung belegten Stereobite den 3. Platz der Kategorie „Beste Pop-Band“. So irreführend die Bezeichnung Pop-Band sein mag, völlig unpassend ist sie nicht: Stereobite besitzen trotz ihres rauen Rocksounds genug Pop-Appeal, um auch Freunde hochmelodiösen Liedguts zu beglücken.