30.07.2016
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Frauenhotel: Kölns allererste Frauenzimmer

Sabine Gabus (l.) und Ulrike Steil im Gäste-Wohnzimmer

Sabine Gabus (l.) und Ulrike Steil im Gäste-Wohnzimmer

Foto:

Bause

Köln-Nippes -

In Köln gibt es aktuell etwa 30.000 Hotelbetten, allerdings keine ausgewiesenen Frauenzimmer. Das ändert sich an diesem Wochenende, da in Nippes nun erstmals ein Hotel eröffnet, das ausschließlich weiblichen Gästen (und deren Kindern) offensteht. Mit seinen lediglich drei Zimmern wird es zwar nicht merklich an der Bettenstatistik rütteln, dafür kann es für sich reklamieren, gleichermaßen Rückzugsort wie Kommunikationsstätte zu sein. Den Betreiberinnen geht es vor allem darum, dass sich ihre Gäste nicht wie in einer Fremdenpension, sondern eher wie in einer Wohnung von umsorgenden Freunden fühlen.

Zwei Jahre brauchten Sabine Gabus und Ulrike Steil, um ihre eigene, auf zwei Etagen angelegte Wohnung in ein Gästedomizil umzuwandeln und das Dachgeschoss zur Eigennutzung auszubauen. Dass die beiden Frauen bei ihrem Vorhaben weniger auf architektonische Hürden als auf bürokratische Willkür stießen, rückt angesichts des nun sichtbaren Ergebnisses zunehmend in den Hintergrund. Dennoch lässt ihre Erfahrung keinen Zweifel daran, dass Frauen, die etwas wagen und die Dinge in die Hand nehmen, nicht einfach durchgewunken werden.

Störfaktoren in anderen Hotels ausgemacht

„Man darf sich nicht ins Bockshorn jagen lassen, sondern muss dranbleiben“, lautet ihr Fazit. Sabine Gabus, die lange einen Kölner Kostümfundus geleitet hat, und die Ärztin Ulrike Steil haben sich bei der Planung ihres Projekts von der Frage leiten lassen, was sie selber auf Reisen in Hotels am meisten stört. Die Antworten lauteten: Die Teppichböden in den Zimmern, Möbelbezugsstoffe in Schmutz kaschierenden Farben, muffig riechende Schrankinnenräume, Bäder ohne Tageslicht und die fehlende persönliche Ansprache.

Bei der Realisierung des Hotels Frauenzimmer berücksichtigten sie, dass die reisende Geschäftsfrau am Abend vielleicht gerne ihre Ruhe haben möchte, wie daheim auf der Couch die Beine hochlegen, zu einem Roman aus der Bücherregel greifen und sich weder im Schlafzimmer eingesperrt noch allein an einer Bar sitzend angebaggert werden möchte. „Uns ist bewusst, dass es unendlich viele Übernachtungsmöglichkeiten in Köln gibt“, betonen die Frauen. „Wir wollten einfach eine Wahlmöglichkeit schaffen.“

Gabus und Steil lieben Köln und möchten keine anonymen Gastgeber sein, sondern ihren Gästen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit bieten und zur Verfügung stehen, wenn Ansprache oder Ideen gewünscht werden. Sie wollen, dass Besucher von außerhalb auch die Seiten Kölns kennenlernen, „die in keinem Reiseführer stehen“.

Der Köln-Bezug der beiden Hoteliersfrauen drückt sich zum einen auf Fotos und Bildern aus. Darüber hinaus ist das Mobiliar vom Gartenzimmer, vom Erkerzimmer und dem dritten Raum namens Twin von der Kölner Firma Stadtwaldholz entworfen und hergestellt worden. Die Gäste ruhen sozusagen auf heimischen Bäumen. Zu jedem Zimmer gehört ein geräumiges Bad (eines hat zudem Balkon) und sogar ein Bademantel. Außer dem einladenden Wohnraum und der Küche, in der auch gefrühstückt wird, steht den Gästen ein Wintergarten und ein kleiner Garten offen.

„Wir sind total gespannt, wie es angenommen wird“, sagt Sabine Gabus. „Und wir freuen uns auf unsere Gäste.“