30.08.2016
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Kölner Stadt-Anzeiger | Kölsche Bands erobern die Charts: Paveier stoßen Helene Fischer mit „Leev Marie“ vom Charts-Thron
27. January 2016
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Kölsche Bands erobern die Charts: Paveier stoßen Helene Fischer mit „Leev Marie“ vom Charts-Thron

Bubi Brühl von den Paveiern zeigt stolz die Hitliste auf seinem Smartphone – mit „Leev Marie“ an der Spitze.

Bubi Brühl von den Paveiern zeigt stolz die Hitliste auf seinem Smartphone – mit „Leev Marie“ an der Spitze.

Foto:

Worring

Einmal auf dem ersten Platz einer Hitliste stehen – darauf haben die Paveier 33 Jahre warten müssen. Doch in diesen Tagen haben sie es geschafft. Ihr aktuelles Sessions-Lied „Leev Marie“ zog an Helene Fischer und Florian Silbereisen (mit seinem Projekt Klubbb 3) vorbei und eroberte bundesweit die Spitzenposition in den iTunes-Charts – in der Kategorie Schlager.

Gitarrist und Sänger Bubi Brühl ließ sich die Liste sogleich aufs Handy schicken und zog damit an seinem eigentlich freien Montagabend mit einem Siegerlächeln durch die Brauhäuser der Altstadt.

Kölsche Bands dominieren die Top 10

Acht Tage vor Weiberfastnacht steigt die Nachfrage nach kölscher Musik und aktuellen Fastelovendsliedern – so in den großen Fachgeschäften wie Saturn, Media-Markt und Co, aber vor allem auch bei Online-Diensten im Internet wie iTunes. Bei diesem Marktführer im Download-Bereich dominieren derzeit einige kölschen Bands die Top Ten.

Brings sind mit „Jeck Yeah“ schon Stammgäste auf dem dritten Platz in der Kategorie Rock. Cat Ballou werden mal bei Schlager, mal bei Pop, Kasalla sowohl bei Schlager als auch bei Rock geführt.

Spitzenposition bei „Loss mer Singe“

Diese vier Bands teilen sich auch die Spitzenpositionen bei den „Loss mer singe“-Veranstaltungen in den Kneipen zwischen Köln und Berlin. Im Wettstreit um den Gesamtsieg mischen auch noch die fünf Jungs von Miljö („Sulang die Leechter noch brenne“) mit. Doch gegenwärtig haben die Paveier die Nase vorn. Das klingt ja schon fast nach dem Hit der Session.

„Ich freue mich, dass die Paveier so eine starke Nummer am Start haben. Die arbeiten viel, die haben es verdient“, sagt auch Stephan Brings. „»Leev Marie« ist eine Punktlandung.“ Auch musikalisch ist das „verdammt gut gemacht“.

Klingt es nicht so, als seien einzelne Teile von überallher zusammengeklaut? „Sind sie aber nicht“, erklärt Paveier-Keyboarder Detlef Vorholt und lacht. „Wir haben in unserem Probenraum in Mülheim zusammen gesessen und gejammt. Dann die Melodie immer wieder gespielt und verfeinert.“

Lesen Sie im nächsten Abschnitt: Wie „Leev marie“ entstanden ist - und wie der Hit eigentlich heißen sollte.

Hoffentlich nicht Ballermann-tauglich

Zuerst lief das Lied unter dem Arbeitstitel „Crash Bum Bang“, einen Text gab es noch nicht. Vorholt: „Aus Blödeleien und ernsthaften Gesprächen sind Zeilen entstanden, die zur Musik passten.“ Und die kommen an in den Sälen.

Spätestens beim zweiten Refrain singen alle mit. Und es sind nicht nur Frauen, die sichtlich Spaß an den süffisanten Textzeilen über die Suche nach der großen Liebe haben. „Solch einen Wunsch kann man doch nachvollziehen“, sagt Vorholt. „In das Lied kann jeder für sich etwas reininterpretierten.“ Das macht halt einen guten Schlager aus. Und mit dem kölsch-hochdeutschen Text funktioniert das auch außerhalb Kölns.

Ist der Song auch Ballermann-tauglich? Vorholt: „Das will ich nicht hoffen. Damit haben wir nun wirklich nicht viel zu tun.“

Moderner Sound, traditioneller Text

Eine andere Sehnsucht drückt sich im Brings-Song „Jeck Yeah“ aus – die nach Verbrüderung und Wir-Gefühl. Zeilen wie „Denn mir sin all, all, all nur Minsche“ treffen in diesen Tagen voll den Zeitgeist. Da springen die Jecken auf die Stühle und grölen lauthals mit.

„Da sind wir Kölner ja fast alle einer Meinung. Auch wenn es momentan schwer ist, die Fahne hoch zu halten“, sagt Stephan Brings. Er hat sich die einzelnen Strophen ausgedacht („Ich bin jot, ich bin schläch. Ich bin fies un jeräch. Ich bin brav, ich bin frech un steck alles in de Täsch“), Bruder Peter Brings hat den Refrain beigesteuert. „Herausgekommen ist dann ein Satz, den jeder mitsingt und hinter dem man sich für ein paar Minuten verstecken kann.“

Auch Cat Ballou und Kasalla sind in dieser Session in der Spitzengruppe der kölschen Bands und in den Sitzungs-Programmen der großen Gesellschaften angekommen. Diese jungen Bands begeistern nicht nur mit ihrer im Vergleich zum Vorjahr verbesserten Bühnen-Show, sondern gehen musikalisch mal ausgefallene und ungewohntere Wege.

„Wir haben einen modernen Sound mit einem traditionellen Text kombiniert“ sagt Dominik Schönenborn von Cat Ballou. „Wir haben zwar viel Text, aber der geht recht gut ins Ohr.“ (NR)

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