31.07.2016
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Weihnachtsrezepte: Russische Hörnchen selbst gemacht

Jana Bril und ihre Großmutter Sinaida Orlova stellen ihr Rezept für russische Hörnchen vor.

Jana Bril und ihre Großmutter Sinaida Orlova stellen ihr Rezept für russische Hörnchen vor.

Foto:

Nadine Carstens

Finkenberg -

Eigentlich sind ihre Backrezepte ein streng gehütetes Geheimnis, das Sinaida Orlova nur innerhalb ihrer Familie preisgibt. Doch bei den russischen Hörnchen, Rogaliki genannt, macht die agile 83-Jährige eine Ausnahme. Bereits ihre Mutter hat das Rezept der mit Rosinen und Walnüssen gefüllten Hörnchen entwickelt und ihr weitergereicht. "Da meine Mutter nicht gerne backt, hat meine Großmutter das Rezept wiederum mir gegeben", schildert ihre Enkelin Jana Bril. Sie hilft ihrer Großmutter bei der Übersetzung. Während sie fließend Deutsch mit einem ganz leichten, russischen Akzent spricht, hat Sinaida Orlova größere Verständigungsschwierigkeiten.

Als sie 1995 mit meinem Großvater nach Köln kam, wurde ihr kein Deutschkurs zugewiesen", erklärt Jana Bril. "Angeblich sei sie dafür mit 66 Jahren zu alt gewesen." Die fehlenden Deutschkenntnisse bereiten ihr allerdings keine Probleme im Alltag. "Die ganze Familie lebt in Porz und sie hat zudem viele russischsprachige Bekannte, die ihr helfen." Auch mit 83 Jahren macht die Seniorin mit ihren strahlenden Augen einen überaus aufgeweckten und dynamischen Eindruck. "Sie besitzt viel Lebensfreude und verbringt ganz viel Zeit damit, Verwandte zu besuchen", sagt Jana Bril, die selbst nur einen Steinwurf entfernt von Sinaida Orlova in Finkenberg wohnt. Doch verlasse ihre Großmutter nie das Haus, ohne sich vorher roten Lippenstift aufgelegt und die Nägel rot lackiert zu haben, verrät ihre Enkelin.

Skeptisch bei gekauftem Essen

Wenn die Großmutter sich zu Besuchen aufmacht, bringt sie gerne Leckereien aus der eigenen Küche mit. "Meine Großmutter isst auch nur das, was die Familie zubereitet hat - bei gekauftem Essen ist sie immer skeptisch und schmeckt zum Beispiel in jedem Teig das Backpulver heraus." Denn das habe es in Russland früher nicht gegeben.

An Feiertagen begleitet Sinaida Orlova ihre Familie auch in das Begegnungszentrum der Synagogengemeinde, wo Jana Bril ehrenamtlich Eltern-Kind-Kurse für russischsprachige Kinder gibt. Die Klavierlehrerin und Musikpädagogin hilft Kleinkindern mit Spielen und Liedern bei der Sprachentwicklung. Zudem berät sie Eltern in Themen wie Erziehung und Ernährung.

1993 waren Jana Brils Eltern mit ihr und ihrem Bruder aus der Ukraine ausgewandert. Zwei Jahre später folgte ihnen Sinaida Orlova. "Die Nähe zur Familie war ihr immer sehr wichtig", sagt Jana Bril. "Obwohl wir früher weit voneinander entfernt wohnten, kam sie zweimal pro Woche zu uns und wir besuchten sie an jedem Wochenende", so Jana Bril. "Ob Schachspielen, Stricken, Malen, Backen oder Kartenspielen - alles habe ich von ihr gelernt."