30.07.2016
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Flüchtlinge: NRW nimmt keine weiteren Marokkaner auf

Flüchtlinge 16022016

Symbolbild.

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imago/Eibner Europa

Düsseldorf -

Nordrhein-Westfalen wird keine weiteren Asylbewerber aus Marokko aufnehmen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) habe einem Zuweisungsstopp zugestimmt, berichtete Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Dienstag. Weil die BAMF-Außenstellen in Nordrhein-Westfalen auf nordafrikanische Herkunftsländer spezialisiert sind, hatte NRW zuletzt 80 Prozent aller marokkanischen Asylbewerber in Deutschland aufgenommen. Mit alleinreisenden Männern aus Nordafrika gebe es besonders häufig Probleme, sagt Jäger. „Sie haben sich oft schon mehrere Jahre in Frankreich oder Spanien durchgeschlagen“, so der Innenminister. Auch die Täter aus der Kölner Silvesternacht sollen zu einem Großteil aus Nordafrika stammen.

Kaum jemand darf bleiben

Die Entlastung sei nötig, sagt Jäger, weil die Zahlen von Zuwanderern aus Nordafrika zuletzt deutlich gestiegen seien. 2015 hatte NRW 6450 marokkanische Asylbewerber registriert. Allein im Januar dieses Jahres nahm das Land bereits 1360 Menschen aus Marokko auf. Ihre Anerkennungsquoten liegen unter zwei Prozent. Das Innenministerium will marokkanische Asylbewerber zudem nicht mehr in die Kommunen überweisen. Sie sollen bis zum Ende ihres Asylverfahrens in Landeseinrichtungen bleiben. Das BAMF habe zugesagt, so Jäger, über die Asylanträge von Nordafrikanern meist innerhalb von zwei bis drei Monaten zu entscheiden.

Birgit Naujoks vom Flüchtlingsrat NRW kritisiert die Entscheidung. Es sei „schwierig, wenn das Land über eine bestimmte Gruppe von Flüchtlingen ausschließt und sagt, die wollen wir jetzt nicht“. Dass nordafrikanische Asylbewerber besonders häufig an Auseinandersetzungen beteiligt seien, liege daran, dass aus den Maghreb-Staaten vor allem junge Männer nach Deutschland kämen.

Stark gestiegen ist auch die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in NRW. Sie hat sich seit Ende 2014 auf 13000 vervierfacht. 600 Jugendliche gelten inzwischen als vermisst.