25.08.2016
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Mit Instagram gegen Essstörungen: Der Kampf gegen Magersucht mit #Recovery

Die Gesellschaft hat großen Einfluss auf Krankheiten wie Magersucht und Bulimie.

Die Gesellschaft hat großen Einfluss auf Krankheiten wie Magersucht und Bulimie.

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erdbeersüchtig/photocase.de

Marie und Britta sind seit zwei Jahren in einer sehr innigen Beziehung, dabei mag Marie Britta nicht besonders. Mehr noch: Es ist Hass, Hass auf alles, was Britta ausmacht und wofür sie steht. Marie kommt aus der Nähe von Osnabrück, ist 18 Jahre jung, hat ein hübsches Gesicht, trägt eine modische schwarze Hornbrille und dunkelblonde, schulterlange Haare. Britta hat Marie aber nicht den Freund ausgespannt oder Ähnliches. Britta ist der Name für die Krankheit, mit der Marie kämpft und wegen der sie schon zweimal in eine psychiatrische Klinik musste. Es ist die Magersucht.

Die Krankheit heißt „Britta“

„Es ist schwierig gegen einen Feind anzukämpfen, der unsichtbar ist“, sagt Marie. Sie gab der Krankheit deshalb den Namen Britta. „Und immer, wenn Britta mir einredet, dass ich schlecht bin, schreie ich zurück: Du bist scheiße, Britta, lass mich in Ruhe! Das hilft einfach, und man weiß, wogegen man ankämpft.“ Maries Kampf kann man im Internet verfolgen, denn sie dokumentiert die Auseinandersetzung beim Fotonetzwerk Instagram. Wie viele andere Betroffene betreibt die Schülerin dort ein Profil unter dem Hashtag #Recovery: Darin zeigt Marie ihr Leben mit der Magersucht, vor allem aber den Weg aus dieser Sucht heraus. Marie lädt hauptsächlich Fotos ihrer Mahlzeiten hoch, die sie mit viel Liebe und besonders fürs Auge zubereitet: Farfalle mit Spinat, einen bunten Obstsalat oder ein kleines Stück Schokolade. Für Außenstehende mag das banal wirken, für die junge Frau aber ist jeder Bissen und jede Mahlzeit ein wichtiger Schritt auf dem Weg zurück in ein normales Leben – und ein Sieg über Britta.

Sich selbst wieder lieben können

Magersucht, lateinisch Anorexie oder von Betroffenen nur „Ana“ genannt, ist laut dem Statistik-Portal Statista vor Bulimie und Binge-Eating die in Deutschland am weitesten verbreitete Form der Essstörung. 2013 mussten laut einer Studie der Kaufmännischen Krankenkasse Hamburg 140 000 Personen in Deutschland wegen Magersucht oder Bulimie behandelt werden. In 95 Prozent der Fälle waren Frauen betroffen.

„Das habe ich in der Klinik gelernt.“

Durch das enorme Untergewicht sind das Fettgewebe und die Energiereserven des Körpers irgendwann verbraucht und wichtige Organe nicht mehr geschützt. Die Krankheit kann tödlich enden. Unabhängig davon verlieren viele Betroffene völlig das Selbstbewusstsein und die Lebensfreude. Das ging auch Marie so. Früher. „Jetzt traue ich mich wieder, ich selbst zu sein. Das habe ich in der Klinik gelernt.“ Vorher hatte sie sich nur über Kilogramm, Kalorien und den Body-Mass-Index definiert. „Die größte Errungenschaft ist, sich selbst wieder lieben zu können, mit allen Ecken und Kanten.“

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