29.09.2016
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Hin und Weg: Spitzbergen: An der nördlichsten Uni der Welt

Auf Spitzbergen gibt es Eisbären. Deswegen darf Clara Burgard, die hier ein Semester studiert, niemals ohne Gewehr wandern gehe

Auf Spitzbergen gibt es Eisbären. Deswegen darf Clara Burgard, die hier ein Semester studiert, niemals ohne Gewehr wandern gehen.

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privat

Dieses Semester studiere ich an der nördlichsten Uni der Welt, am University Centre in Svalbard. Svalbard ist der norwegische Name für Spitzbergen. Ich liebe Schnee und Gletscher und interessiere mich sehr für den Klimawandel, deswegen wollte ich unbedingt hierher. Die Uni ist eine Austauschuni, man kann also nicht sein ganzes Studium hier absolvieren. Die eine Hälfte der Studenten kommt aus Norwegen – Spitzbergen gehört zu Norwegen – die andere aus der ganzen Welt.

Bevor ich herkam, habe ich an meiner Heimatuni in Köln zwei Semester Norwegisch belegt, das hilft sehr beim Einkaufen, aber die Kurse an der Uni sind alle auf Englisch. Ich habe zwei Kurse in arktische Geophysik belegt, in Köln studiere ich im fünften Semester Geophysik und Meteorologie. Das Studium hier ist viel praxisbezogener als in Köln, so habe ich an einer einwöchigen Exkursion mit einem Messungsschiff teilgenommen, auf der wir charakteristische Werte im Ozean rund um Spitzbergen gemessen haben.

Rentiere, Polarfüchse, Wale, Robben

Spitzbergen ist einfach synonym für Abenteuer. Wenn man hier durch die Schneelandschaft wandern geht, muss man immer ein Gewehr dabei haben, weil einem Eisbären begegnen können. Leider habe ich noch keinen gesehen, ich hoffe, dass passiert noch. Denn seit ich das Buch „Der Goldene Kompass“ gelesen habe, war es mein Traum nach Spitzbergen zu kommen, denn dort ist das „Reich des Eisbären“. Dafür habe ich aber schon Rentiere, Polarfüchse, Wale und Robben gesichtet.

Die Menschen sind sehr nett und aufgeschlossen und jeder kennt jeden. Schließlich wohnen nur ca. 2000 Menschen in Longyearbyen, der größten Siedlung auf Spitzbergen. Vor allem jetzt im Winter kann man aber nicht mehr viel unternehmen. Jeden Mittag auf dem fast einstündigen Fußmarsch von der Uni nach Hause gehe ich in den Supermarkt, aber hier ist alles sehr teuer. Und es fehlt mir, einfach mal ins Kino, in günstige Restaurants oder Klamottenläden gehen zu können. Dafür unternimmt man dann mehr mit seinen Mitmenschen.

Im Sommer herrscht hier ewige Sonne, im Winter ewige Nacht. Zurzeit haben wir ungefähr minus zehn Grad, mein Kälterekord liegt aber bei minus 30 Grad gefühlter Temperatur (mit dem Wind) am 23. November. Da will man dann gar nicht mehr aus dem Bett raus. Die Nordlichter sind zwar ein unglaubliches Erlebnis, aber ich glaube auf Dauer könnte ich hier nicht leben. Aber falls sich später die Möglichkeit ergibt, für meinen Beruf nach Spitzbergen zu reisen, komme ich natürlich sehr gerne zurück.

Unbedingt machen: mit dem Gewehr wandern gehen; eine Bootsfahrt zu der noch bewohnten Siedlung Barentsburg (russisch), zum verlassenen Ort Pyramiden (russisch) oder zur nördlichsten ganzjahrbewohnten Siedlung der Welt Ny Ålesund (norwegisch); Nordlichter beobachten

Unbedingt lassen: ohne Gewehr wandern gehen, das ist nämlich lebensgefährlich; ohne winddichte Kleider rumlaufen

Aufgezeichnet von Angela Sommersberg


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