27.07.2016
Aktuelle Nachrichten aus Köln und der ganzen Welt

Gladbacherin liebt Holzarbeit: Entspannung beim Laubsägen

Klein, aber mit allem ausgestattet, was Kathrin Brandherm-Engels für ihr Hobby so braucht, ist die Werkstatt in der heimischen Garage.

Klein, aber mit allem ausgestattet, was Kathrin Brandherm-Engels für ihr Hobby so braucht, ist die Werkstatt in der heimischen Garage.

Foto:

Alle Bilder: Christopher Arlinghaus

Bergisch Gladbach -

Kathrin Brandherm-Engels hat sich das Eckchen für ihr Hobby in der Garage unter dem Wohnhaus hart erkämpft. „Meine Männer waren anfangs gar nicht begeistert, als ich meine Dekupiersäge dort aufbauen wollte“, erinnert sich die 39-Jährige. Bis aus ihrer kindlichen Leidenschaft fürs Laubsägen ein Hobby wurde, war die Garage Männerrevier. Sie wurde als Stellplatz für den historischen Traktor, den ihr Mann Bodo besitzt, und als Abstellraum genutzt.

Bis heute muss, wer in Kathrin Brandherm-Engels „Hobbyraum“ will, zuerst an Traktor, Kisten, Schränken und allerlei Krempel vorbei. Die Werkzeuge und Maschinen für die Holzbearbeitung zwängen sich am hintersten Ende der großen Garagen in ein Regal. Aber das ist der Blondine mit dem festen Handgriff egal: „Hauptsache, ich habe einen Platz, wo ich für mich sein kann.“

Inzwischen hält das Holz allerdings auch Ehemann Bodo und Sohn Noah auf Trab. „Die Männer müssen mir mit dem Traktor immer die Birkenstämme abholen“, schmunzelt die geborene Sanderin.

Sie lebt mit ihrer Familie in ihrem Elternhaus und hat so auch jeden Tag ihre erste Holzarbeit vor Augen. „Als ich etwa zehn Jahre alt war, animierte mich mein Opa, mit ihm Laubsägearbeiten zu machen, dabei entstand das Rambo-Schild“, erinnert sie sich. Das Holzschild in Form einer Katze ist nach ihrem damaligen Perser-Kater Rambo benannt. Wenn dieser in der Garage war, warnte das Schild alle Hausbewohner, die Tür nur vorsichtig zu öffnen, damit das Tier nicht auf die Straße lief.

Inzwischen ist Rambo lange tot, die Katzenliebe ist Kathrin Brandherm aber geblieben, ein Main-Coon-Kater und ein Bengale stromern heute durch den Garten. Und so sägt sie Katzen, aber auch viel jahreszeitliche Dekos aus Erlen- Nusbaum- oder Zebranoholz. „Hauptsache, die Maserung des Holzes gefällt mir.“ Denn ihre Arbeiten werden nicht bemalt, es sei denn, ein Käufer wünscht es unbedingt.

So musste ein riesiger Storch als Aufsteller farbig werden, damit er den Vorstellungen der stolzen Großmutter, die ihn bestellt hatte, entsprach. Auch ein Teelicht mit Erwin, dem Maskottchen des Fußballvereins Schalke 04, benötigte das typische Blau. Die zum Herbst passenden Pilze, Wildschweine, Geister, Brezen oder Seppelhüte bleiben aber schlicht, sie wirken allein durch das Material. „Ich sollte mir vor ein paar Jahren ein Hobby suchen, bei dem ich entspannen kann, da erinnerte ich mich an meine Laubsägearbeiten mit dem Opa und habe mir die erste Dekupiersäge gekauft.“ Inzwischen ist diese einem Profigerät gewichen.

Verkauf zum Selbstkostenpreis

Wenn ihr Mann mit seinem historischen Traktor an Traktortreffen oder an Umzügen teilnimmt, schmückt Ehefrau Kathrin den alten Deutz immer liebevoll mit ihren Holzarbeiten. Mini-Holztraktoren gibt es natürlich auch, von Mann und Sohn mit Original-Traktorlack bemalt. „Meine Männer sind gleichzeitig auch meine besten Kritiker. Wenn sie begeistert sind, weiß ich, dass mir etwas gut gelungen ist“, berichtet die Mitarbeiterin der Familienkasse bei der Agentur für Arbeit. Von ihren Holzarbeiten leben will sie nicht, das sei ein Hobby, bei dem der Kopf frei werde. Ihre Anhänger, Aufsteller und Teelichter verkauft sie zum Selbstkostenpreis. „Das Geld geht dann für neues Holz wieder drauf“, sagt Brandherm-Engels. Nicht immer gelingt ihr ein neues Stück auf Anhieb, an den fein verzweigten Miniatur-Bäumen, an deren Ästen Schmuck oder Dekoanhänger baumeln können, verzweifelt sie so manches Mal, geht so manches Sägeblatt drauf.

Besucher der Rievkochekirmes in Herrenstrunden kennen ihre Arbeiten genauso wie die Kunden des Edeka-Marktes von Markus Hetzenegger. Dort kann sie ihre Dekoartikel in einer Vitrine ausstellen. „Die wohl kurioseste Arbeit, die wir jemals gemacht haben, wird dort Weihnachten wieder zu sehen sein: die Heilige Familie. Den Auftrag dazu bekam ich im Hochsommer, wir haben dann alle zusammen auf der Terrasse gestanden und daran gearbeitet und gleichzeitig gegrillt, das war schon lustig“, erinnert sie sich. Auch Sohn Noah unterstützt seine Mutter bei deren Hobby.

Nicht so ganz uneigennützig: Der 14-Jährige ist BVB-Fan und für ihn hat seine Mutter eigens einen Teelichthalter im Dortmund-Design aus dem Holz gesägt.

Wahrscheinlich wird Kathrin Brandherm-Engels das nächste Mal auf dem kleinen Weihnachtsmarkt am Odenthaler Kreisel ihre Holzarbeiten ausstellen. Mehr Informationen über ihre Holzdeko gibt es im Internet (hier klicken).