01.07.2016
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Bayer 04: Schmidt: „Trennung war kein Thema“

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Bayer-Coach Roger Schmidt

Foto:

Bongarts/Getty Images

Leverkusen -

Nach dem 1:0-Sieg gegen den Hamburger SV hat Roger Schmidt über seine Situation als Trainer von Bayer 04 Leverkusen und die Chancen seiner Mannschaft im Saisonfinale gesprochen. Er sieht sich trotz des Skandals im Spiel gegen Dortmund, der zu einer Drei-Spiele-Sperre führte, trotz des drohenden Ausscheidens aus der Europa League und eines möglichen Verpassens des internationalen Wettbewerbs nicht in Frage gestellt.

Roger Schmidt über seinen Vertrag bis 2019 und die Gefahr einer vorzeitigen Trennung

Das war bei uns intern nie ein Thema, darüber wurde nicht gesprochen. Wir haben uns bewusst für eine solch lange Laufzeit entschieden. Es gab ja letztes Jahr keine Not, den Vertrag so lange zu verlängern, dahinter steckte eine Absicht. Wir wollen etwas aufbauen. Die derzeitige Situation sollte nicht dazu führen, das in Frage zu stellen, auch wenn die Ansprüche sehr hoch sind. Selbst wenn man den Europapokal verpasst, kann man der Meinung sein, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht.

Über die Angst vor dem Ausverkauf im Sommer, falls das Ziel Europapokal verfehlt wird

Davor habe ich überhaupt keine Angst. Wir haben so viele junge Talente im Kader. Natürlich wird immer mal wieder ein guter Spieler Bayer 04 bei einem entsprechenden Angebot verlassen. Das wird auch diesen Sommer passieren. Aber ich sehe nicht, dass wir sieben Spieler für 35 Millionen Euro verkaufen werden.

Über den drohenden Verlust von Chicharito, der ein Bekenntnis zu Bayer 04 bewusst vermeidet

Darüber habe ich mir jetzt noch gar keine Gedanken gemacht. Er hat bis 2018 unterschrieben. Es ist ja für beide Seiten eine sehr gute Situation entstanden. Chicharito hat sich sportlich sehr schnell zurechtgefunden und uns geholfen. Andererseits hat er bei uns die Chance bekommen, dauerhaft Teil einer Mannschaft zu sein. Obwohl er kein Deutsch spricht, ist er gut integriert. Er ist trotzdem gewissermaßen ein Spezialfall. Er hat vorher bei Real Madrid gespielt und Manchester United, das sind ganz andere Vereine als Bayer 04, wo es etwas enger und familiärer zugeht. Aber wenn das so sein sollte, dass er uns irgendwann verlässt, sollte man darauf vorbereitet sein und in der Lage sein, das zu kompensieren.

Über die extreme Verletzungsproblematik bei Bayer 04

Sehr wichtig für eine Mannschaft ist die zentrale Achse, vor allem Innenverteidiger und defensive Mittelfeldspieler. Gerade hier sind uns immer wieder die wichtigsten Spieler weggebrochen. Ich habe nicht zufällig Lars Bender und Ömer Toprak zu unseren Kapitänen bestimmt. Beide sind sehr starke Führungspersönlichkeiten. Seit ich in Leverkusen bin, hat es 80 Pflichtspiele gegeben, 80 Möglichkeiten für beide, zusammen in unserer Mannschaft zu spielen. Sie waren nur in 33 Spielen gemeinsam auf dem Platz. Und in dieser Saison noch keine einzige Sekunde. Das muss man bedenken.

Über mögliche Verstärkungen im Sommer

Gegen den Hamburger SV hatten wir die jüngste Mannschaft, die je für Bayer Leverkusen in der Bundesliga gespielt hat. Im Durchschnitt 21 Jahre. Wir sind uns in der Kaderplanung einig, dass uns gestandene, erfahrene Spieler mit Profil im Kader gut tun würden für unsere Stabilität. Wir hatten, was Erfahrung betrifft, im Sommer einen großen Aderlass mit den Abgängen von Simon Rolfes, Stefan Reinartz, Emir Spahic und Gonzalo Castro.

Über  eine mögliche Nationalmannschafts-Berufung des gerade 20-jährigen Jonathan Tah

Dass ein solch junger Spieler über so eine lange Zeit so hervorragende Leistungen auf diesem Niveau zeigt, ist außergewöhnlich. Wenn er zweimal gegen Barcelona und zweimal gegen den FC Bayern auf so einem Niveau spielt, gegen Mannschaften, die sich vor keiner Nationalmannschaft verstecken müssen, warum sollte er dann nicht auch in der Nationalmannschaft spielen können?

Zu seiner persönlichen Situation während der Sperre durch den DFB

Ich habe die Sperre in der täglichen Arbeit total ausgeblendet. Wem hätte es etwas gebracht, wenn ich mich pausenlos damit beschäftigt hätte? Ich habe einen Fehler gemacht, bin bestraft worden, und dazu stehe ich. Gegenüber der Mannschaft kann man sich als Trainer sowieso nicht gehen lassen. Wenn nach Niederlagen alle niedergeschlagen sind, kann man das als Trainer nicht auch noch sein.

Über die Situation vor den Spielen gegen Villareal  und Stuttgart mit einer Mannschaft, die nach dem 1:0-Sieg über den HSV  kaputt und entkräftet wirkte

Wenn man am Morgen danach in die Gesichter der Spieler blickt, glaubt man nicht, dass noch einmal zwei Spiele innerhalb einer Woche möglich sind. Aber irgendwie geht das dann doch immer wieder mit der Regeneration. Danach ist erst einmal Länderspielpause. Möglicherweise ist der eine oder andere Verletzte dann wieder fit. Wir hoffen, dann einen Endspurt in der Bundesliga hinlegen zu können.