29.09.2016
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Videoüberwachung in Köln: Unter ständiger Beobachtung der Kameras

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Michael Bause

Im Parkhaus

In der Vorweihnachtszeit ist die Kölner Innenstadt besonders gut besucht. Wir stellen unser Auto im Parkhaus am Breslauer Platz ab. Stellplatz 394 auf der unteren Ebene. Schon beim Einparken erfassen Kameras den Wagen, das Ein- und Aussteigen. Auch der Weg durchs Treppenhaus bleibt nicht unbeobachtet. „Wir haben hier 41 Kameras, davon sind neun mit Zoom-Objektiven ausgestattet“, sagt der Contipark-Mitarbeiter. Die Flachbildschirme am Ausgang muss er nicht im Blick behalten. „Wir zeichnen das Geschehen auf Festplatte auf. Nach einem Monat werden die Daten automatisch überspielt.“

In der U-Bahn

Die U-Bahn-Station Breslauer Platz ist wie alle U-Bahnhöfe und die großen oberirdischen Stationen videoüberwacht. Gleiches gilt für die 370 Stadtbahnen und alle 260 Busse der Kölner Verkehrs-Betriebe. Die Aufzeichnungen werden nach 48 Stunden automatisch gelöscht. Der Tod eines Obdachlosen, der nach einer Prügelei im Mai 2011 im U-Bahnhof Appellhofplatz wenig später an seinen Verletzungen starb, hatte bei der KVB zu einem Umdenken in Sachen Videotechnik geführt.

Im Hauptbahnhof

Wir verlassen die U-Bahn und erreichen den Hauptbahnhof über die B-Passage. 280 000 Menschen nutzen an einem ganz normalen Werktag den Kölner Hauptbahnhof. Ein Blick unter der Glasdach verrät noch vor Betreten des Bahnhofs den nächsten stillen Beobachter. Wie viele Kameras das Geschehen überwachen, wollen weder Bundespolizei noch Bahn aus Sicherheitsgründen verraten. „Es handelt sich um vertrauliche Informationen, zu denen sich die Bundespolizei nicht im Detail äußert“, lautet die Antwort auf unsere schriftliche Anfrage. Die Bahn gibt lediglich bundesweite Zahlen heraus. In 640 Bahnhöfen sind insgesamt 4800 Kameras installiert. Rund 80 davon dürften nach Schätzungen allein im Kölner Hauptbahnhof hängen.

„Ein Teil dient lediglich der Beobachtung des betrieblichen Geschehens“, sagt eine Bahnsprecherin. „Sind alle Türen am Zug geschlossen? Steht irgendwo ein herrenloser Koffer herum?“ Die Bilder dieser Kameras können von Bahnmitarbeitern nur live auf Monitoren verfolgt werden. „Aufgezeichnet wird nur, wenn wir einen Auftrag von der Bundespolizei bekommen. Das wird von Fall zu Fall entschieden. Wenn innerhalb von 48 Stunden keine Strafanzeige erstattet wird, müssen die Aufzeichnungen gelöscht werden.“ Der Kölner Hauptbahnhof zählt zu den zehn Bahnhöfen in Deutschland, die ab 2015 mit neuen Videoanlagen ausgerüstet werden sollen. Deutschlands große Bahnhöfe zählen zu den Kriminalitätsschwerpunkten. Zudem sei die Terrorgefahr potenziell sehr hoch. Noch gut in Erinnerung ist der Fall der beiden Kofferbomber aus dem Libanon, die am 31. Juli 2006 im Hauptbahnhof zwei Sprengsätze in zwei Regionalzügen deponiert hatten, die aber nicht explodiert waren. Beamte der Sonderkommission „Trolley“ waren damals bei der Sichtung des Materials aus den Überwachungskameras auf eine Bildsequenz gestoßen, die zeigt, wie einer der Täter den Bahnsteig zwischen den Gleisen zwei und drei entlangschlendert.

Nahezu jede S-Bahn und jeder Regionalexpress ist inzwischen mit Kameras ausgerüstet. „Wir erfassen in Köln mittlerweile 80 Prozent der Fahrgastströme. Natürlich werden nicht alle aufgezeichnet“, sagt die Bahnsprecherin. Bundesweit sind das 18 000 Videokameras, deren Daten je nach Bundesland bis zu 72 Stunden gespeichert werden. „Die Verkehrsverbände haben ein großes Interesse daran, weil sich das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste deutlich erhöht.“

Beim Einkaufen

Geld am Bankautomaten abheben, in einem der zahlreichen Geschäfte in den Colonaden einkaufen – auch das geschieht unter ständiger Beobachtung. Im Eingang der Parfümerie Douglas neben dem Abgang zur U-Bahn wird das Kamerabild gleich live auf einem Monitor übertragen. Es zeigt nicht nur den Geschäftseingang, sondern auch einen Teil des öffentlichen Raumes. „Mit dieser Kamera zeichnen wir aber nicht auf“, sagt die Filialleiterin. „Das ist lediglich unser deutlicher Hinweis, dass unser Geschäft wie die meisten hier videoüberwacht wird, um Ladendiebe abzuschrecken. Die Aufzeichnungen werden wie gefordert nach 48 Stunden gelöscht.“

Im öffentlichen Raum

Nebenan, am Abgang zur U-Bahn, überwacht der nächste stille Beobachter das Geschehen. Das gilt auch für große Teile des Bahnhofsvorplatzes. Wir wenden uns der Freitreppe Richtung Dom zu. Keine Kamera in Sichtweite. Unter städtischer Regie gibt es lediglich 21 Kameras, die der Verkehrsüberwachung und Stauprognosen dienen. „Diese Kameras liefern lediglich Standbilder. Es dürfen keinerlei Personen oder gar Autokennzeichen erkennbar sein.“ Eine städtische Videoüberwachung im Sinne der Sicherheit gebe es in Köln nicht. „Wir reagieren mit den Verkehrskameras nur, wenn die Polizei uns dazu auffordert. Dann können einzelne Kameras ganz abgeschaltet oder die Standbilder im Internet gesperrt werden.“

Private Kameras

Die Domplatte unbeobachtet zu passieren, ist tagsüber dennoch nahezu unmöglich. Während sich das belgische Touristenpärchen selbst vor der Kathedrale filmt, laufen im Hintergrund etliche Menschen durchs Bild. Im Zweifel könnten diese privaten Aufzeichnungen hilfreich sein oder zum Problem werden. Wenn es darauf ankommt, dass die Polizei bei der Aufklärung einer Straftat darum bittet, diese Aufnahmen zur Verfügung zu stellen. Wir hinterlassen überall unsere Bildspuren – und merken das in den wenigsten Fällen.