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Zwiebeln, Hunde, PfannenDas bedeuten die Vereinsnamen im Karneval im Kreis Euskirchen

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In einem mit Girlanden dekorierten Saal sind Karnevalisten mit roten Jacketts und Narrenkappen unscharf zu sehen.

Herrlich bunt, herrlich jeck: Im Kreis Euskirchen gibt es bei den Karnevalsvereinen schon den einen oder interessanten Namen.

Der Karneval im Kreis Euskirchen führt teilweise lustige, teilweise kreative, teilweise geschichtlich verwurzelte Vereinsnamen zutage.

In Zülpich wird Karneval traditionell mit besonderem Pfiff gefeiert – und manchmal auch mit Zwiebeln gewürzt. 1910 vereinten sich die drei Zülpicher Karnevalsgesellschaften zu den Zöllecher Öllege, deren Wurzeln bis ins Jahr 1879 zurückreichen. Warum ein Verein ausgerechnet den Namen eines Gemüses wählte, das in Gesellschaft eher Stirnrunzeln hervorrufen kann? Ein alter Zülpicher Spruch gibt die Antwort: „Zöllecher Öllege un Botzebad han Kaiser Karl jesund jemaat.“

Der Legende nach litt Kaiser Karl nämlich bei einem Aufenthalt in der Römerstadt unter Magenbeschwerden, die ihm Zwiebeln erleichterten. Noch heute erinnern die Metall-Zwiebeln an der Präsidentenkette von Günter Esser daran. Früher trug der Elferrat kleine Säckchen mit Zwiebeln um den Hals – eine würzige Tradition, die man so schnell nicht vergisst.

Doch nicht nur ein kranker Kaiser führt zu den teils ausgefallenen Namen der Karnevalsvereine im Kreis, die sich auf deutlich mehr als die Farbgebung beziehen. Etwa im nur wenige Kilometer von Zülpich entfernten Ülpenich, wo man sich in einem Reim wiederfindet: „En Ül ben ich us Ülpenich.“ Dies erklärt den ersten Teil des Namens der „Ülekrade“. Die Eule im Wappen symbolisiert den Ortsbezug, während Krade verdeutlicht, dass die Ülpenicher Jecken gerne feiern.

Vernich geht voran und in Mönste wird zuerst mal gebubbelt

Die Vernicher Gesellschaft „Mer gon vör“ nimmt ihren Namen wörtlich – und das mit gutem Grund. Im Jahr 1900 gründete sich aus dem Sparverein Kleinvernich die Karnevalsgesellschaft. Kurz darauf entstand in Großvernich ein weiterer Verein aus dem Theaterverein. 1904 einigten sich beide auf einen gemeinsamen Karnevalszug. Doch darüber, wer den Zug anführen durfte, war man uneins. Ein Los entschied – und die Kleinvernicher gewannen. Voller Freude riefen sie in ihr Dorf: „Mer gon vör!“

Auch rund um Bad Münstereifel finden sich Karnevalsvereine mit ungewöhnlichen Namen – oder besser gesagt fanden. Der kurstädtische KVM Bubbelsbröder etwa. Gegründet im September 1967 von Gottfried Schlierf und seinen Mitstreitern, suchten sie einen Namen für ihren Verein. Da sie sich seit April regelmäßig trafen, um die Vereinsgründung zu besprechen und dabei ausgiebig bubbelten – also plauderten –, lag der Name nahe.

Übrigens sind, oder besser waren, die Bubbelsbröder nicht allein: In Ollheim gibt es die KG Ollemer Bubbelsbröder. In Bad Münstereifel sind die plaudernden Brüder allerdings seit sechs Jahren Geschichte. Der Karneval wird seitdem von der Interessengemeinschaft „Rettet den Karneval“ organisiert.

Wie Eicherscheid und Roitzheim zu Stange und Pfanne kamen

Etwas höher, im waldumgebenen Nöthen und Gilsdorf, sind die Löstige Breddemänn karnevalistisch zu Hause. Früher zogen die Holztransporteure durch den Ort, um ihre Bretter nach Köln zu bringen, erklärt Geschäftsführerin Sandra Fahl. Damals gab es in Nöthen neben Schreinereien ein oder zwei Sägewerke.

Auch die Nachbarn in Eicherscheid leiteten den Namen ihrer Karnevalsgesellschaft von Holz ab: Die Rohmedräje haben nichts mit Milchrahm zu tun. Ein Rohm ist hier eine Holzstange, die die Eicherscheider während des Krieges aus dem Wald trugen, um sie als Heizmaterial zu nutzen.

1972 wurden in Roitzheim die Rözeme Pannejecke gegründet. Doch was haben die Karnevalisten mit Pfannen zu tun? „Das ist ganz einfach“, erklärt Christina Baum, Schriftführerin des Vereins. Lange vor der offiziellen Vereinsgründung wurden die Roitzheimer so genannt, denn ihr Ort war bekannt für seine Ziegelei auf dem Gelände des heutigen Rewe-Markts am Narzissenweg. Der Name hat nichts mit Küchengeräten zu tun, sondern leitet sich von der Dachpfanne ab. Auch die jüngsten Mitglieder, die Pänz, tragen den Bezug in ihrem Namen: Ihre Tanzgarde heißt treffend Pännche.

In Nettersheim ging es mit den Hunden schonmal hoch her

In Nettersheim heißt die Karnevalsgesellschaft Löstige Höndche – Lustige Hunde. Gräbt man tief in der Vereinshistorie, stößt man so vor 80 Jahren auf die Nettersheimer Bluthunde. So wurden vor allem die Männer aus dem Eifelort genannt, weil ihnen ein zweifelhafter Ruf vorauseilte. „Die haben sich wohl gerne mal auf den Kirmessen geprügelt und die jeweilige Dorfjugend aufgemischt“, sagt André Knips, in der Session 2022/23 Tollität der Höndche. Als Gegenpol nannte sich die KG bei ihrer Gründung dann Löstige Höndche. Übrigens: Keine Sitzung der Karnevalsgesellschaft darf ohne das Ober-Höndche stattfinden.

Der einstige Stab des Herolds im Karneval ist seit inzwischen mehr als 60 Jahren immer auf einem Ehrenplatz, einem Stehtisch auf der Bühne, mit dabei. Er ist eben der gute Geist des Neddeschemer Karnevals. Altgediente KG-Jecken glauben, dass er schon bei der Gründung des Karnevalsvereins im Jahr 1928 in Gebrauch gewesen sein dürfte. Traditionell wird der Stab mit den Krawatten der Tollitäten behangen, mittlerweile ist so ein dickes Bündel an Bindern entstanden. Doch der handgeschnitzte Hundekopf, das Höndche, schaut noch oben heraus.

Die Karnevalsgesellschaft Süetenicher Schlipse wurde im Jahr 1951 gegründet. Laut Überlieferung verfügten die Sötenicher in der ansonsten strukturschwachen, landwirtschaftlich geprägten Eifelregion aufgrund gut bezahlter Arbeitsstellen im örtlichen Zementwerk über ein Einkommen, das auch eine entsprechende Sonntagskleidung mit Krawatte, dem Schlips, erlaubte. Daher wurden die Sötenicher als Schlipse bezeichnet, was den Ausschlag für den Vereinsnamen gab – daran hat sich bis heute nichts geändert.


Mehr als nur Alaaf

Alaaf und Helau, Wauwau und nicht zuletzt Alaaf, Alaaf, de Hals eraf: Wenn in der Gemeinde Nettersheim die Karnevalisten zusammenkommen, ist Konzentration angesagt. Denn von den fünf Vereinen und Gesellschaften, die es in der Kommune gibt, haben sich nur zwei, die Zengsemer Klevbotze und die Löstig Jonge Marmagen, für das traditionelle kölsche Alaaf entschieden.

Von den anderen verwendet Engelgau das Helau, während die Neddescheme Höndche mit ihrem „Wauwau“ und Grün-Weiß Tondorf mit der Variante „Alaaf, Alaaf, de Hals eraf“ Sonderkreationen pflegen.

Alaaf-Ausnahmen gibt's auch an der Ahr. In Lommersdorf wird Helau gerufen. In Blankenheim ist es das traditionelle „Juh-Jah“, das untrennbar mit dem Geisterzug und dessen Hymne verbunden ist. „Juh-Jah Kribbel in dr Botz, wer dat net hät, der es nix notz. Juh-Jah Kribbel en dr Botz, de Fassenaach es do! Ne richtige Fastelovendsjeck, dä freut sich övver jede Dreck. Juh-Jah Kribbel en dr Botz, de Fassenaach es do“ wird am Karnevalssamstag ohne Unterlass gesungen.