Die Eltern der Kita Eichenstraße in Junkersdorf schlagen Alarm. Immer öfter werden ihre Kinder in der Einrichtung nur eingeschränkt oder gar nicht betreut.
Kita-Chaos in Köln„Für berufstätige Eltern ist die Situation ein Alptraum“

Kinder balancieren auf dem Spielplatz einer Kita auf einem Brett. (Symbolbild)
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Sie müssen die Kinder früher abholen oder können sie morgens erst später bringen und oft gibt es für die Kinder der Junkersdorfer Kita Eichenstraße überhaupt kein Betreuungsangebot. „Seit mehreren Jahren befinden wir uns mit unserer Kita in einer dauerhaften Notbetriebssituation“, sagt Isabella Dauth, Mutter der fünfjährigen Emilia, die die Junkersdorfer Einrichtung besucht. „Das bedeutet, dass ein bis manchmal mehrmals in der Woche und aktuell jede Woche das Kind nicht betreut werden kann“, so Dauth. Teilweise erfahre man erst am Sonntag, dass das Kind am Montag nicht betreut werden kann, sagt eine andere Mutter, die namentlich nicht genannt werden will. In der Regel sogar erst am Tag selbst, wenn man das Kind hinbringt. „Es ist schockierend, wir regen uns nur noch auf.“
Einmal in der Woche fällt die Kita aus
Mutter Ariane Bischoff berichtet, dass ihr sechsjähriger Sohn schon das Wort „Handlungsleitfaden“ aussprechen könne, weil das Wort so oft fiele. Mit dem Handlungsleifaden ist das Notfallkonzept gemeint, mit dem die Stadt unter anderem die Öffnungszeiten bei Personalmangel handhabt. Ihr Kind müsse seit geraumer Zeit oft zu Hause bleiben, in diesem Jahr sei es besonders schlimm“, sagt sie. „Einmal in der Woche fällt die Kita aus.“ Dann könnten eben nur ein Teil der Kinder in die Einrichtung – die anderen Eltern müssten sehen, wie sie die Betreuung handhabten.
Es ist eine Geschichte, wie sie sich in vielen Kitas in Köln so oder ähnlich zuträgt. In einem Drittel aller städtischen Kindertagesstätten kann der Betrieb derzeit nur eingeschränkt aufrechterhalten werden (wir berichteten). Wie die Stadt auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ mitteilte, mussten von den 211 städtischen Kitas 70 ihr Angebot Mitte Dezember reduzieren. „Die derzeit angespannte Personalsituation betrifft viele Kindertageseinrichtungen“, sagt eine Stadtsprecherin. „Das ist für Familien, Kinder und Mitarbeitende eine große Herausforderung.“

Die Kita an der Eichenstraße in Junkersdorf
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Die Ursache seien fehlende Fachkräfte, die aufgrund des klammen Arbeitsmarktes auch nicht schnell nachbesetzt werden könnten. Die betroffenen Kitas müssten daher in Abstimmung mit den Eltern entweder ihre Betreuungszeiten oder die Zahl der betreuten Kinder reduzieren.
Auch in der Kita Eichenstraße haben die Ausfälle viel mit dem mangelnden Personal zu tun. Die Leiterin sei seit mehreren Wochen krank, die stellvertretende Leiterin sei in eine andere Einrichtung gewechselt, so dass nun eine erst kürzlich eingesetzte Interimsleitung die Kita führen müsse, sagt Dauth. „Das Personal, das noch da ist, kann nicht mehr.“ Ein Teufelskreis: Weil es zu wenig Mitarbeitende gebe, werde das übrige Personal schneller krank. In der Kita Eichenstraße würden daher immer mehr Vollzeitkräfte die Einrichtung verlassen.
Es ist richtig, dass die Kita in den letzten Wochen aufgrund des Personalmangels nicht im Regelbetrieb laufen konnte
Die verbleibenden Erzieherinnen und Erzieher leisteten, was in ihrer Macht stünde, kämen aber mit der Arbeit nicht mehr hinterher, sagt eine Mutter. Der Betreuungsschlüssel sei derart knapp bemessen, dass jeder Ausfall eines Erziehenden zu einer Notbetreuung führe. „Es gibt weder Ersatzpersonal noch Springer, um das auszugleichen.“ Die Stadt räumt Probleme auf Anfrage ein: „Es ist richtig, dass die Kita in den letzten Wochen aufgrund des Personalmangels nicht im Regelbetrieb laufen konnte“, sagt die Sprecherin. Die Kommune spricht von „Betreuungsengpässen“, nicht aber von einer „dauerhaften Notbetriebssituation“.
„Für uns ist die Situation ein Alptraum“, sagt Dauth. „Viele sind am Rande ihrer Kräfte.“ „Die Gesellschaft baut unter anderem auf einer guten Betreuung auf.“ In der Regel müssten es dann die Mütter ausbaden, wenn die Kita nicht richtig funktioniere. Denn Frauen hätten es im Berufsleben schwerer, wenn Arbeitgeber vermuteten, dass sie wegen der schlechten Betreuungssituation unpünktlich zur Arbeit kämen. „Die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann geht auf diese Weise zurück. Eigentlich heißt das: Frauen kehrt an den Herd zurück.“
Unsere Elternvertreterin wurde nahegelegt, doch einfach die Großeltern mal um Hilfe zu bitten
Auch die Kinder litten unter den Problemen, sagt Bischoff. Frühkindliche Bildung könne unter diesen Bedingungen kaum stattfinden, Ausflügen würden gestrichen, die Kinder vermissten ihre Freundinnen und Freunde. Mal weinten Kinder, weil sie wieder die Gruppe wechseln müssten, mal werde ein kleineres Kind nicht gewickelt, weil eine gruppenfremde Betreuungsperson davon nicht wusste.
Von der Stadt fühlt sich Dauth nicht ernstgenommen: Sowohl die Eltern als auch das pädagogische Team hätten mehrfach Hilfe bei der Kommune gesucht - ohne Erfolg. „Unsere Elternvertreterin wurde nahegelegt, doch einfach die Großeltern mal um Hilfe zu bitten.“ Dagegen würden Ideen – etwa einen Elternpool für Notfällen auszubauen, mehr Alltagshelfer einzustellen oder Erzieherinnen aus benachbarten Kitas zu holen – bleiben ohne Resonanz.
Die Verwaltung betont dagegen, dass sie bereits eingegriffen habe, um den Mangel beheben. So habe die Kommune zur Unterstützung der Kita Eichenstraße eine Mitarbeiterin aus einer anderen Kita abgestellt. „Die Stelle der stellvertretenden Leitung wurde bereits ausgeschrieben. Und bis zur erfolgreichen Stellenbesetzung beziehungsweise bis zur Rückkehr der Leitung werde ab sofort eine stellvertretende Leitung aus einer anderen Einrichtung die Leitungsfunktion zwischenzeitlich übernehmen, teilt die Stadt weiter mit. „Es werden stets alle infrage kommenden Maßnahmen geprüft, um eine verlässliche und weiterhin qualitativ hochwertige Kindertagesbetreuung zu gewährleisten und die Mitarbeitenden vor Ort zu unterstützen.“
