Der Südstadtzug jagt den nächsten Rekord: Hatte er 2025 die Schallmauer von 4000 Teilnehmenden durchbrochen, waren es in diesem Jahr noch einmal 200 mehr.
DienstagszugMit Trommeln und bunten Kostümen durch die Südstadt

Man wird ja noch träumen dürfen - so wie hier der Stammdesch Südstadtjecke.
Copyright: Marius Fuhrmann
Und wieder waren es Fußgruppen von Schulen, Kitas, Parteien, Initiativen, Theatern und Chören, die das Bild des größten Veedelszugs bestimmten.
Die Teilnehmenden hatten ein Herz für die Jecken am Straßenrand und tröteten für ein paar Seniorinnen „Mer schenken der Ahl en paar Blömcher“, durch Absperrpylonen. Feinstes Herzchenrosa trugen die Frauen der „Brausen“ auf, während die Maria Sybilla Merian-Grundschule jede Menge Waldmeister, Kobolde und Robin Hoods mitbrachte: Hauptsache Grün eben.

Die Jecken vom Johanneshaus waren ebenfalls im Südstadtzug dabei.
Copyright: Marius Fuhrmann
Allein die KGS Mainzer Straße war mit rund 600 Menschen dabei, die Maria Sybilla Merian-Grundschule mit etwa 450, die Gemeinschaftsgrundschule Loreleystraße hatte 500 Teilnehmer. Erstmals mit im Zug ist das Gymnasium Neustadt-Nord, das derzeit im alten Rautenstrauch-Joest-Museum Quartier gefunden hat.
Trachten aus Lateinamerika in Köln
Das geflügelte Wort „Karneval der Kulturen“ übernahm „Wasi Kölle“, eine Gruppe Jecke aus Lateinamerika, die zum zweiten Mal am Südstadtzug teilnahm. Frauen und Männer tanzten in verschiedenen traditionellen Gewändern, die sie aus der Heimat mitgebracht haben. Wer sich in Süd- und Mittelamerika ein bisschen auskennt, konnte gar die regionalen Unterschiede der Kleidung herauslesen.
„Man wird ja noch träumen dürfen“, dachte sich der „Stammdesch Südstadtjecke“, der riesige, knallbunte Traumfänger gebastelt hatte und auf den Rücken trug. Die Jecken formulierten Wünsche, manche wie „Die Oper wird fertig“ und „Orte ohne Konsumzwang“ weniger abwegig, andere wie „Dom ohne Gerüst“ und „Der FC wird Meister“, dagegen reinste Utopie.
So mancher Zug klagt über zu wenig Live-Musik, in der Südstadt ist das ganz anders. Die Zugleiter Hans Mörtter und Ralf Rohrmoser-von Glasow müssen die lautstarken Trommler-Ensembles gut verteilen im Zuglauf. Ende der 90er-Jahre gab es eine Pause beim Südstadtzug, die Veranstalter hatten sich zurückgezogen. Josef Schnelle und Günter Ottemeier, Mitglied des Ensembles der Stunksitzung, mochten das nicht hinnehmen und stießen den Neustart an. Die Band bildet stets den Prinzenwagen am Ende des Zugs und spielt live, wenn er durch die Torburg rollt.
