Abo

Navigation

KStA PLUS abonnieren

Abo-Angebote

Artikel teilen

Schriftgröße ändern

Artikel zur Merkliste hinzugefügt

Rückgangig

Artikel von der Merkliste entfernt

Sie folgen nun

Rückgangig

Sie folgen

Jung & Alt zesamme Wohnprojekt sucht noch Grundstück in Köln-Deutz

Wohnen4

Hildegard Tiede (l.) und Johanna Buschmann möchten sich in das generationenübergreifende Wohnprojekt einbringen.

Köln-Deutz – „Ich wohne schon über 25 Jahre hier im Veedel. Einen Umzug in andere Kölner Stadtteile kann ich gar nicht mehr vorstellen. Doch mit dem Alter kommen Veränderungen, die ich vielleicht nicht alleine bewältigen kann. Ich bin heute hier, um mich darüber zu informieren, wie ältere und jüngere Menschen zusammen leben“, sagt Johanna Buschmann.

Mehrgenerationen-Wohnprojekt in Köln-Deutz

Die 80-jährige Rentnerin folgte dem Aufruf des Gebrüder-Coblenz-Stift e.V. zur Veranstaltung ins Bürgerzentrum Deutz, um sich auf den aktuellen Stand des Mehrgenerationen-Wohnprojekts „Jung & Alt zesamme“ bringen zu lassen. Rund 50 Interessierte folgten der Einladung zum Informations- und Diskussionsabend, dem weitere Veranstaltungen folgen sollen. Grundgedanke des generationenübergreifenden Konzepts ist ein lebenslanges bezahlbares Wohnen im vertrauten Quartier inklusive einer Pflege-WG. Erste Aktivitäten zur Umsetzung der Idee für Singles, Paare und Familien erfolgten bereits vor fünf Jahren.

Passendes Grundstück in Köln-Deutz fehlt noch

Daraus hervor gingen Arbeitsgruppen, die sich mit Themenbereichen wie „Selbstbestimmung“ und „Pflege“ aber auch „Gemeinschaftliches Arbeiten“ auseinandersetzten. Zudem wurden erste Netzwerke aufgebaut, etwa mit der Polizei, dem Bürgerzentrum Deutz sowie Sanitätshäusern, Apotheken aus dem Umfeld und Ehrenamtshilfen. 

Gebrüder-Coblenz-Stift

Wohnen5

Anne Dellgrün (r.) und Heinz Preuß vom Gebrüder-Coblenz-Stift 

Der gemeinnützige Verein bezieht sich auf die Tabakfabrikanten Josef und Franz Heinrich Heribert Coblenz. Sie hinterließen der Stadt Köln ein Vermögen von 2,2 Millionen Goldmark, „um ein Asyl für altersschwache Personen beiderlei Geschlecht und jeder Confession aus Deutz zu errichten und zu unterhalten“ (Quelle: Broschüre „Rundgang mit Tiefgang: Deutz“, Stadt Köln, 2019).

1968 wurde das Seniorenzentrum „Gebrüder-Coblenz-Stift e.V.“ eröffnet. 2011 musste das Haus aufgrund baulicher Defizite jedoch geschlossen werden. Ein Großteil der Bewohner wurde in das neu errichtete Pflegeheim der Sozial-Betriebe-Köln (SBK) in Buchforst übernommen. Telefonische Auskünfte unter 0221/63069828. Weitere Informationen über den gemeinnützigen Verein bietet die Onlinepräsenz.

Bis dato fehlt es den Initiatoren an einem passenden Grundstück. „Wir wünschen uns ein Deutzer Areal, auf dem mindestens 20 Wohneinheiten unter Nachhaltigkeitskriterien entstehen können. Wir sind aber noch in der Akquise“, berichtet Anne Dellgrün. Eine Umsetzung des Vorhabens ist demnach mit frei finanzierten Mitteln oder im Zuge des sozialen Wohnungsbaus vorstellbar, so die Projektleiterin. Die zukünftigen Domizile seien grundsätzlich für alle Deutzer Bürgerinnen und Bürger zugänglich, die jedoch Auflagen erfüllen müssten: „Für uns ist vor allem der Gemeinschaftsaspekt wichtig. Wer hier einzieht, bekennt sich verbindlich zur Nachbarschaftshilfe“, betont Dellgrün.

Wohnen2

Rund 50 Personen nahmen an der Info-Veranstaltung teil.

Dies könne beispielsweise in Form von Einkäufen für Mitbewohnerinnen und Mitbewohner oder in der Betreuung von Kindern geschehen.
Für Johanna Buschmann klingt das Konzept vielversprechend: „Das Modell gefällt mir. Ich fühle mich noch jung und fit und hätte viel Spaß daran, den Kindern als gute Märchenfee Geschichten vorzulesen, wenn die Eltern keine Zeit dafür haben. Gerne erledige ich auch die Einkäufe für Leute, die nicht mehr so gut unterwegs sind. Der Gedanke an ein Altersheim ist mir total fremd“, sagt die 80-Jährige. 

Auch Hildegard Tiede ist interessiert. Sie wäre gerne eine der Bewohnerinnen in spe. Die einstige kaufmännische Angestellte wünscht sich eine lebhafte Nachbarschaft, die sich nicht nur auf den Morgen- oder Abendgruß beschränkt und niemanden alleine lasse, wenn es drauf ankommt. Interesse weckte die Veranstaltung auch bei Constantin. Der 23-jährige Lehramtsstudent befürwortet das gemeinschaftliche Miteinander, für das er sich Tätigkeiten im Rahmen der Personen-Pflege vorstellen kann.

Im Zuge der Projekt-Realisierung richtet das Bürgerzentrum Deutz, Tempelstraße 41-43, ab dem 7. September jeweils am ersten Mittwoch des Monats zwischen 18 bis 19.30 Uhr einen Stammtisch ein.
www.buergerzentrum-deutz.de