Kunsthalle Köln-Lindenthal20 Künstler bei der Internationalen Kunstmesse

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Ein breites Spektrum zeigten Asuman Hasircioglu und ihr Sohn in der Kunsthalle Lindenthal.

Lindenthal –  „Die Fotografien vom Dom sind mein Dankeschön an Köln“, sagte Gülüzar Cicek. Sie gehörte zu den 20 Kunstschaffenden, die bei der Internationalen Kunstmesse in der Kunsthalle Lindenthal neben dem Bezirksrathaus an der Aachener Straße ihre Werke ausstellten. „Tor zum Frieden“ war der Titel, und dieses Tor hatte die Künstlerin Asuman Hasircioglu zum siebten Mal geöffnet. Eine Liebeserklärung an ihre Wahlheimat seit 41 Jahren, aber auch an ihr Herkunftsland Türkei sind die Fotos von Gülüzar Cicek aus Porz. „Stairs of Heaven“ nennt sie deshalb eine Ansicht von einem Teil der Fassade rechts neben dem Hauptportal des Kölner Doms. „Ich wollte die Endlosigkeit darstellen“, erklärte sie die Perspektive von unten entlang der gen Himmel strebenden Architektur. Das Foto ließ sie auf Acrylglas drucken, so dass sich ungewöhnliche Lichtreflexe ergeben. Unweit davon zeigte sie Gesichter aus ihrem Geburtsland, deren Ausdruck das Leben wie ein Bildhauer gemeißelt hat.

Wie die meisten Kunstschaffenden, die Asuman Hasircioglu für ihre Kunstmesse auswählte, ist die aus Mazedonien stammende Irena Paskali in der Welt herumgekommen. Als sie bei Ausgrabungen an der Römerstraße in Bonn als Zeichnerin beschäftigt war, sammelte sie alles, was für die Archäologen wertlos war. Holzkohle zum Beispiel, und damit komponierte sie ungewöhnlich formatierte Bilder von 210 mal 54 Zentimetern. Auf Holzbrettern, die sie ebenfalls irgendwo fand.

Bei den eingearbeiteten Metallstücken wie den Hufeisen kam ihr der Zufall zur Hilfe. Bei einem Besuch in Argentinien stieß sie wiederum auf Archäologen, und auch die hatten etwas für die Kölner Künstlerin übrig.

Ebenso angetan von Köln-Motiven ist Barbara Ruf aus Longerich. Sie verwendete Kopien von Fotos der Kranhäuser, des Doms und der Silvester-Lichtinstallation 2016 am Kölner Wahrzeichen und entwickelte das Reale ins Surrealistische durch gemalte Arrangements von farbigen Motivausschnitten und plastischen Gestaltungselementen.

Krieg, Flucht und Vertreibung ist das Thema von Bettina Ballendat. In ihrer Installation hat sie Briefe, Notizen und Suchkarten aus dem Zweiten Weltkrieg an eine Wand geheftet und davor Stelen mit Kästchen und kleinen ramponierten Figuren gestellt.

Monika von Starck aus Rodenkirchen setzt sich in einem Tableau mit den Weltreligionen auseinander. „Alle Vertreter habe ich an einem Tisch versammelt, und dazu eine moderne Frau mit Handy, die auf die fast 5000 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra deutet“, erklärte die Künstlerin.

Einerseits will sie damit kritisieren, dass Frauen als Religionsführer keine Rolle spielen. Andererseits drückt sie aus, dass alle gleichermaßen auf derselben Suche nach dem Paradies sind.

Heiter geht es dagegen auf der „Himmelsleiter“ von Sabine Claßen zu. Senioren steigen in einer Polonaise über bunte geometrische Flächen nach oben auf. In ähnliche Landschaften von Streifen, Dreiecken und Rechtecken platziert sie eine Familie beim Ausflug und ein altes Paar, das sich auf einer Bank voneinander abwendet. Renate Rüter-Nork hat Marmormehl, Champagnerkreide, Asche und Paste mit Glasperlen für ihre Strukturbilder verwendet. „Sie sind alle ohne Titel, der Betrachter soll selbst entscheiden, was er sieht – für mich ist es die Erde von oben“, sagte die Künstlerin aus Bergisch Gladbach.

Marmorierungen auf Holzteilen, Querschnitte von unregelmäßigen Ablagerungsringen und Tapeten mit verschiedenen Kreiselementen sind die Spezialität der Kunstmessen-Veranstalterin.

Ihr Sohn Insel Hasircioglu ist ein Meister der Fotografie mit verfremdender Tiefenschärfe. So entdeckte er etwa eine rote „Teufelshöhle“ und hielt sie mit der Kamera fest.

Und eine alte halb verfallene Steingasse mit Rinnsal in der Mitte nahm er so auf, dass der Blick ins Unendliche geht, um den Gedanken auszudrücken: „Vergangenheit und Heute sind wie ein schmaler Fluss miteinander verbunden“.

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