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Gut LeidenhausenStudenten üben sich in Holzbearbeitung wie in alten Zeiten

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Im Innenhof eines Gutshofs arbeiten junge Leute an einem Baumstamm.

Studierende der TH Köln übten auf Gut Leidenhausen traditionelle Holzbearbeitungsverfahren.

Studierende lernten beim Workshop „Vom Baum zur Bank“ traditionelle Handwerkstechniken, die fürs Restaurieren von Möbeln und Kunstschätzen hohen Wert haben.

Aus dicken Brettern eine komfortable Sitzbank zu bauen, das trauen sich viele Menschen zu, die handwerklich einigermaßen begabt sind. Bretter vom Baumarkt und Verbindungselemente holen, elektrische Werkzeuge bereitstellen, eine Anleitung aus dem Internet hochladen. Und schon kann es losgehen. Was aber, wenn das Material für die Bank nicht im Baumarkt, sondern noch im Wald steht und kein elektrisches Werkzeug, sondern einzig althergebrachte Werkzeuge zur Verarbeitung genutzt werden sollen? Beim Workshop „Vom Baum zur Bank“ auf Gut Leidenhausen erfuhren jetzt Studierende des  Instituts für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der TH Köln, wie Holzverarbeitung in vorindustriellen Zeiten funktionierte. Und wie schweißtreibend und vielfältig der Umgang mit frischem Holz ist.

Workshop lehrt fachgerechtes Restaurieren von Möbeln

Die jungen Frauen und Männer werden an der Fakultät Kulturwissenschaften auf Berufe vorbereitet, in denen sie immer wieder mit alten Schätzen zu tun haben werden, die in reiner Handwerkskunst geschaffen worden sind. Um solche Möbel und Gegenstände dann  fachgerecht erhalten zu können, erfahren sie beim eigenhändigen Umgang mit althergebrachten Werkzeugen, welche Spuren die Bearbeitung mit bestimmten Hilfsmitteln im Holz hinterlässt und was man beim fachgerechten Restaurieren aus den Spuren lernen kann. Unter Anleitung ihres Dozenten Andreas Krupa zerteilten die Studierenden einen frisch gefällten Baum, den Mitarbeiter des Forstbetriebs aus dem Wald in den Innenhof von Gut Leidenhausen transportiert hatten. Zum Zersägen des massiven Stamms nutzten  die jungen Leute  eine eigens dafür gebaute, imposante  Rahmensäge, deren Bedienung kräftezehrend ist und große Umsicht erfordert.

Es folgten das Herausarbeiten einer Sitz- und einer Rückenfläche sowie der Wangen für das stabile Sitzmöbel. Dies geschah mit einer Vielzahl heute kaum noch gebräuchlicher Werkzeuge und war eine eindrucksvolle Erfahrung, werden doch die einst anstrengenden und etliche Tage dauernden Verfahren  zur Holzbearbeitung heutzutage weitgehend maschinell geleistet. Andreas Krupa legt aber Wert darauf, dass die Studierenden die unterschiedliche Wirkung alter Werkzeuge selbst ausprobieren. Schon in den wenigen Workshop-Tagen erfuhren die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie ihre Sicherheit und Geschicklichkeit mit jeder weiteren Übung wuchs. Spaltwerkzeuge, Schrotsäge, Holzhammer, unterschiedliche Beile oder Feilen lehrten die Studierenden einen noch höheren Respekt vor der Handarbeit früherer Generationen.

Auch das Zusammenfügen der Bankteile erfolgte dann so, wie es einst üblich war. Also ohne Dübel oder Akkuschrauber, sondern durch das Verzahnen selbst gestemmter Zinken und Zapfenlöcher. Die im aufwändigen Lernprozess entstandene Bank wird im Innenhof der Technischen Hochschule zum Ausruhen einladen und an die Anstrengungen alter Handwerkskunst gemahnen. Der Workshop wurde möglich durch Unterstützung der Kölner Forstverwaltung, des Freundeskreises Haus des Waldes und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Sie schätzen die praktische Exkursion der Hochschule und sind überzeugt, dass die tagelange Arbeit mit dem natürlichen Baustoff Holz auf Gut Leidenhausen die Achtung der Studierenden vor den Ressourcen des Waldes noch steigert.