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„Wenn so gebaut wird, sehe ich die Sonne nie wieder“Nachbarn fürchten Neubaupläne im Wohnpark Bayenthal

Lesezeit 4 Minuten
Ein Teich mit Springbrunnen in einer Parkanlage vor einem mehrstöckigen Gebäude ist zu sehen.

Der Wohnpark Bayenthal umfasst neben mehr als 600 Wohnungen auch eine Grünanlage mit Teich.

Die Eigentümerin des Wohnparks Bayenthal möchte weitere Wohnungen bauen. Nachbarn fürchten, dass der Park dem Vorhaben zum Opfer fallen könnte.

Alte Bäume, Büsche, Hecken, Wiesen und ein Teich bieten Lebensraum für Igel, Eichhörnchen, Blau- und Kohlmeisen, Zaunkönige, Buntspechte, für Karpfen, Enten, Teichhühner und Schildkröten. Die Grünanlage im Wohnpark Bayenthal, in der auch ein Spielplatz liegt, ist ein wahres Kleinod und wird nicht nur von den Anwohnern viel und gerne genutzt. Nun aber fürchten Nachbarn, der Bürgerverein Bayenthal-Marienburg und Lokalpolitiker um die grüne Oase, denn die Eigentümerin des Wohnparks, die Deutsche Invest Immobilien AG (d.i.i.), will hier weitere Wohnungen errichten. 

Das will sie im Rahmen einer Innenverdichtung nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches tun. Bei „34“ ist kein Bebauungsplan erforderlich, ein Vorhaben kann wesentlich schneller umgesetzt und Öffentlichkeit und Politik müssen nicht beteiligt werden. Die Stadt muss ein solches Vorhaben allerdings genehmigen. Um das zu verhindern, stellten die Fraktionen der Grünen, SPD und CDU in der vergangenen Sitzung der Rodenkirchener Lokalpolitiker einen Dringlichkeitsantrag.

Verdichtung im Wohnpark in Köln-Bayenthal

 „Es sind 360 neue Wohnungen geplant. Wir brauchen Wohnraum, und wir sind keineswegs gegen Verdichtung, aber sie muss in einem moderaten Rahmen geschehen. Wird in der geplanten Weise gebaut, geht die Parkstruktur völlig verloren. Bei einem so großen Projekt muss die Bevölkerung beteiligt werden, und das geht nur mit einem Bebauungsplan“, erklärte Jörg Klusemann, SPD. Das verzögere das Bauprojekt vielleicht um zwei Jahre. „Aber bei einer so wertvollen Fläche lohnt es sich zu warten“, sagte er.

Der Wohnpark sei eine preisgekrönte Bebauung und für eine heute anzustrebende Art der Bebauung, sozial, ökologisch und klimapolitisch optimal, begründen die Antragsteller ihre Forderung. Zudem verweisen sie darauf, dass Bayenthal ohnehin nur über wenige öffentliche Grünflächen verfüge. Der Park sei ein beliebter Treffpunkt für Familien, Büroangestellte und Senioren aus ganz Bayenthal, führen sie aus.

Park in Köln-Bayenthal ist Ausgleich für massive Wohnbebauung

Auch die Bedeutung für das Stadtklima und den ökologischen Wert unterstreichen sie. „Die derzeit lockere Bebauung stellt eine Winddurchlässigkeit her und somit wird ein Hitzeschutz gewährleistet. Eine weitere Verdichtung in Bayenthal wird diese Funktion erheblich beeinträchtigen“, heißt es im Antrag. Die Freifläche sei zudem als Kompensation für die Hochhausbebauung zu sehen. „In den vergangenen Jahren wurde in unmittelbarer Nachbarschaft mehrfach nachverdichtet“, sagte Klusemann. Die geplante Verdichtung im Wohnpark soll teils durch Aufstocken, Anbauten und neue Hochhäuser erreicht werden.

„Bei einer Größenordnung wie hier angestrebt, brauchen die Bürger aber Mitspracherecht“, meinte Christoph Schykowski, CDU. „Wir sehen wohl Raum für Nachverdichtung, auch für Neubebauung, aber nicht in dem Rahmen, den der Investor vorschlägt. Ein Bauvorhaben hier geht nur mit Bebauungsplan“, betonte auch Oliver Ismail, Grüne. Dass die d.i.i. im Rahmen der geplanten neuen Wohnungen auch 30 Prozent geförderten Wohnraum bauen will, begrüßen die Bezirksvertreter.

Die FDP folgte der Forderung nach einer Bürgerbeteiligung nicht und beantragte die Vertagung des Antrags bis zur nächsten Sitzung und eine Stellungnahme der Verwaltung zum Vorhaben. Mehrheitlich stellten die Lokalpolitiker den Antrag bis September zurück.

Bürgerverein Bayenthal-Marienburg fordert Informationen 

Dass die große Mehrheit der Bezirksvertreter sich für einen Bebauungsplan einsetzt, wird die Anwohner im Wohnpark sehr erleichtern. An einige wenige waren schon Anfang Juli inoffiziell Informationen über Baupläne durchgesickert und hatten für Entsetzen gesorgt. Der Bürgerverein Bayenthal-Marienburg, der sich wie Anwohner vergeblich um offizielle Informationen bei der Eigentümerin bemüht hatte, verfasste ein Positionspapier für den Erhalt des Parks und forderte einen Bebauungsplan. 

„Seither hängen dicke Gewitterwolken über dem Park, wir sind alle besorgt“, beschreibt Andreas Stengel die aktuelle Gefühlslage. Er lebt seit 20 Jahren in einer Erdgeschosswohnung im Klerschweg. „Wenn so gebaut wird, wie man hört, sehe ich die Sonne von meiner Wohnung aus nie wieder. Aber es geht nicht nur darum, sondern um den ganzen Park, die Bäume, die Tiere, um die Menschen, die hier Erholung finden“, sagt Stengel. Zumindest die Bezirksvertreter wissen die Anwohner jetzt an ihrer Seite.

Die d.i.i. übernahm den Wohnpark Anfang 2022 von der Vonovia. Zum Bauvorhaben erklärte das Unternehmen, dass es derzeit mit der Stadt Köln Überlegungen anstelle, wie und in welchem Umfang zusätzlicher Wohnraum im Wohnpark geschaffen werden könne. Man strebe in enger Kooperation mit der Verwaltung eine behutsame Erweiterung der Bebauung an, um vor allem das parkähnliche Ensemble der Wohnanlage zu bewahren.


Das Unternehmen Deutsche Invest Immobilien AG (d.i.i) wurde 2006 gegründet und hat derzeit mehr als 300 Mitarbeiter. Hauptsitz ist Wiesbaden. Inzwischen hat das Unternehmen nach eigener Aussage in mehr als 65 Standorte investiert und verwaltet einen Bestand von 13.000 Wohnungen mit einem Volumen von rund 4,6 Milliarden Euro.

Der Wohnpark Bayenthal mit rund 620 Wohnungen wurde in den 70er-Jahren auf dem 490.000 Quadratmeter großen Gelände einer abgerissenen Maschinenfabrik gebaut. Die beiden Hochhäuser sind 61 Meter hoch und haben jeweils 21 Etagen. Sieben weitere Häuserkomplexe weisen bis zu zwölf Etagen auf. Im Zentrum des Wohnparks findet sich eine stattliche Parkfläche mit altem Baumbestand, Spielplatz und einem großen Teich mit Fontäne. Der Wohnpark liegt zwischen Goltsteinstraße und Alteburger Straße.

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