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Schnupperkurs in Rodenkirchen
Intuitives Bogenschießen als meditative Übung

Lesezeit 3 Minuten
Gar nicht so leicht, alle Vorgaben zu erfüllen, sich zu konzentrieren, zu zielen und dem Pfeil die nötige Geschwindigkeit zu geben.

Gar nicht so leicht, alle Vorgaben zu erfüllen, sich zu konzentrieren, zu zielen und dem Pfeil die nötige Geschwindigkeit zu geben.

Rodenkirchen – Ab und zu fährt ein Auto vorbei, die Vögel zwitschern, sonst ist es ruhig auf der Wiese beim Alten Fort nahe der Kreuzung Militärring/Konrad-Adenauer-Straße. 20 Frauen und Männer unterschiedlichen Alters stehen im Kreis. Die Atmosphäre ist entspannt. „Wir schalten jetzt das Denken aus“, sagt Steffi Bullack. Sie ist Bogensportleiterin und führt zusammen mit ihrem Kollegen Michael Koser einen Schnupperkurs im „intuitiven“, also im historischen Bogenschießen durch. Technische Hilfsmittel oder Zieleinrichtungen wie beim olympischen Sportbogenschießen braucht man dafür nicht. „Die Sportart kommt aus der Jagd und ist wahrscheinlich 16 000 Jahre alt“, erklärt Steffi Bullack.

Konzentration gefragt

Für die Teilnehmer liegen Pfeile bereit und beachtlich große Bögen, die im unaufgespannten Zustand rund 1,80 Meter lang sind. Bevor es ans Schießen geht, ist Konzentration angesagt – fest auf der Erde stehen mit gekreuzten Beinen und geschlossenen Augen, dann wieder auslockern, klatschen im Rhythmus, Blickkontakt üben, stille Post in schnellem Tempo in die Runde schicken.

„Die Übungen am Anfang sind hilfreich“, sagt die 26-jährige Laura und ist davon überzeugt, dass das Bogenschießen insgesamt die Konzentration fördert. Auf der mittelalterlichen Burg Satzvey habe sie das Bogenschießen vor ein paar Jahren gesehen und wollte es seitdem unbedingt einmal ausprobieren. Ute ist über 60 und interessiert sich fürs spirituelle Bogenschießen und wollte vorab ausprobieren, ob der Sport für sie geeignet sei.

„In den Händen braucht man schon Kraft“, findet sie. Franco hatte sich angemeldet, weil er demnächst eine Tour mit Einheimischen durch den Dschungel in Sri Lanka unternimmt. „Vielleicht ist ein wenig Kenntnis im Schießen mit Pfeil und Bogen hilfreich“, meint er augenzwinkernd. Vielleicht müsse er ja mal jagen. Nach den kontemplativen „Aufwärmübungen“ und einer Einweisung greifen die Teilnehmer zu Pfeil und Bogen.

Wieder ist Konzentration angesagt: Tief durchatmen, abschalten, Kräfte bündeln, loslassen. Leichter gesagt als getan. Die Pfeile zischen durch die Luft. Nach den ersten weniger erfolgreichen Versuchen landen sie ziemlich bald in der Mitte der Zielscheibe.

„Das Schießen mit Pfeil und Bogen ist im Menschen drin“, glaubt die 41-jährige Sandra. Sie ist überrascht und hatte eigentlich nicht damit gerechnet, dass so viele Abläufe zu koordinieren sind. Die 25-jährige Nora schmunzelt. Sie hat ein gutes Gefühl, denn sie erinnere sich ans Indianer spielen in der Kindheit. Uwe hatte Mitte der 80er Jahre in Lüdenscheid mit einem Freund regelmäßig im Wald geschossen. Hier in der Stadt sei das unmöglich, man könne ja nicht einfach so auf jeder Wiese mit Pfeil und Bogen hantieren.

Meditative Fitnessübung

Aus verschiedenen Gründen interessierten sich die Teilnehmer für die uralte Sportart, sagt Steffi Bullack von der Firma Bogenlust. Es seien keine besonderen Voraussetzungen notwendig, die Teilnehmer sähen schnell Erfolge, Bogenschießen sei auch gut geeignet fürs Teamtraining. Der Sport werde schon seit Jahrzehnten als meditative Fitnessübung für Körper und Geist genutzt.

Der Schnupperkurs war eine Sonderveranstaltung der Bürgervereinigung Rodenkirchen, sie hatte ihn zum 50-jährigen Bestehen des Vereins organisiert. Bogenlust führt Kurse unter anderem in Köln, der Eifel und in Brühl durch.

www.bogenlust.de