SerieEin Londoner Taxi in Köln

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Einst in London im Dienst, nun im Kölner Ruhestand: Das Taxi von Karsten Quaschnig.

Köln – Früher waren die Straßen Londons das Revier des „Black Cab“ von Karsten Quaschnig. Mindestens bis in die frühen 1970er Jahre hinein leistete der voluminöse Wagen Schwerstarbeit als Taxi. Man kann es sich gut vorstellen, wie der Fahrer – eingerahmt von Glasscheiben, das Gepäck im offenen Abteil links neben ihm – rauchende Edeldamen und feine Geschäftsleute mit Hut durch vernebelte Gassen chauffierte. Das ist lange vorbei, das London-Taxi befindet sich nun im Kölner Ruhestand. Hier schart der stattliche Austin regelmäßig Fans um sich: Als Quaschnig (www.austin-oldtimer-koeln.de) an diesem Tag an der Hohenzollernbrücke Halt macht, wollen die Kölntouristen nur eins: Ein Foto von diesem „nice car“.

Deshalb habe ich ihn:

Karsten Quaschnig: Ich habe die Begeisterung für London-Taxis quasi geerbt. Mein Schwager hatte mal einen FX 4 Fairway, jenes London-Taxi, das bis 1997 gebaut wurde. Diesen Wagen habe ich von ihm übernommen und genutzt, bis mir jemand reingefahren ist und dann auch noch die Diskussion um die Umweltplaketten in Köln aufkam. Denn es war ein Diesel ohne Partikelfilter und außerdem kein Oldtimer, weshalb ich in der Umweltzone nicht mehr hätte fahren dürfen. Ein Jahr später habe ich durch Zufall in Köln dieses „Black Cab“ gefunden, das das erste Nachkriegstaxi in London war. Ich fand den total klasse, weil der viel ursprünglicher ist als seine Nachfolger und den Stil der 1930er Jahre verströmt. Weil es ein H-Kennzeichen hat und damit offiziell als Oldtimer anerkannt ist, ist auch die Umweltzone keine Problemzone mehr für mich.

Das kann er:

Quaschnig: Er hat einen sehr kleinen Wendekreis, damit er in London auch in den kleineren Gassen gut wenden konnte. Auf einer normal breiten Straße kann er locker in einem Zug drehen. Der Wagen ist inklusive des „For Hire“-Schilds auf dem Dach 1,87 Meter hoch. Oft wird behauptet, das habe damit zu tun, dass die Herren ihren Zylinder nicht absetzen mussten. So weit ich weiß, ging es aber nur um das komfortablere Einsteigen. Ansonsten ist er ein Raumwunder im hinteren Teil. Offiziell durften dort vier Leute Platz nehmen, egal, ob mit oder ohne Zylinder.

Das kann er nicht:

Quaschnig: Er ist kein Sprinter. Ich fahre maximal 60 Stundenkilometer. Das Fahren ist zudem recht gewöhnungsbedürftig. Es gibt keine Servolenkung, aber immerhin drei synchronisierte Gänge. Fahrwerk und Bremsen sind technisch auf dem Stand der 1930er Jahre. Das Taxifahren war damals offensichtlich körperlich sehr anstrengend, mal abgesehen von dem enormen Geräuschpegel des Dieselmotors, der quasi ungedämmt beim Fahrer ankommt. Ich höre vorne nichts, wenn sich hinten jemand unterhält.

Das habe ich für ihn getan:

Quaschnig: Als ich das Auto gekauft habe, war es nur teilrestauriert. Der Innenraum war komplett marode. Ich habe den Dachhimmel erneuern lassen und außerdem die Sitzbank, Klappsitze und alle Verkleidungsteile neu angefertigt. Ich habe versucht, den Innenraum originalgetreu herzurichten – inklusive der alten Gebührentafel, dem Versicherungsbeleg und dem Taxameter. Der Motor – übrigens noch der erste – musste ans Laufen gebracht werden. Ich musste auch erstmal lernen, das Auto überhaupt zu starten und zu stoppen. Weil sich einem das nicht direkt erschließt, habe ich keine Angst, dass jemand das Auto klaut. Reparieren lasse ich den Wagen in der Werkstatt Friedhelm Heimerl an der Bonner Straße, die können sich noch reindenken in die alte Technik.

Das haben wir erlebt:

Quaschnig: Auf der Fahrt zu einem London-Taxi-Treffen in Holland ist erst mein Kumpel mit seinem FX 4-Taxi von 1978 mit einem Motorschaden liegen geblieben. Als ich dann routinemäßig meinen Motor kontrollierte, musste ich feststellen, dass auch mein Taxi defekt war: Wegen einer abgebrochenen Spritleitung spritzte der Diesel durch den Motorraum. Von dem Treffen haben wir beide kaum etwas mitbekommen. Wir hatten genug damit zu tun, mit Abschleppwagen wieder nach Hause zu kommen. Meinem Kumpel gelang das noch am selben Tag, mir aber erst nach einer zwangsweisen Übernachtung in einem überteuerten Motel.

Das haben wir vor:

Quaschnig: Ich würde natürlich gern mit dem Wagen nach London fahren. Aber ich weiß nicht, wann ich die Zeit dazu haben werde, mit maximal 40 Sachen über Landstraßen auf die Insel zu kommen. Vielleicht nehme ich mir dafür mal drei Wochen Urlaub.

Aufgezeichnet von Tobias Christ

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