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Idyll im Totalzusammenbruch

Lesezeit 3 Minuten

Alles scheint in Ordnung zu sein in der Ehe von Meredith und André, die nun schon 35 Jahre hält. Die Liebe, auch die körperliche, ist nicht erloschen in dieser langen Zeit. André ist zu jungenhaften Späßen aufgelegt, Meredith lacht entzückt darüber: Zumindest innerlich wirkt das Paar nicht älter als die beiden Töchter, die ihre Eltern bereits zu Großeltern gemacht haben. Im Gegenteil: Das Alter scheint Christine Reponds Hauptfiguren eine Gelassenheit und Ruhe zu bescheren, die sie das Leben in vollen Zügen genießen lassen – zumal sie auch materiell bestens gestellt sind und im Schweizer Voralpenland ein luxuriöses Haus mit verschwenderisch großem Garten bewohnen. Auch seiner Arbeit in einem renommierten Architekturbüro geht André noch mit Elan nach.

Mitten in die Vorbereitungen zur Feier des Hochzeittages aber platzt eine Nachricht, die das Idyll jäh an sein Ende bringt. Bei einer Blutspende kommt heraus, dass Meredith HIV-positiv ist. Ein Irrtum? Eine Verwechslung? Als sie sich in detektivischer Manier auf die Spuren ihres Mannes begibt, wird ihr klar, dass die ärztliche Diagnose leider nicht auf einem Fehler beruht.

„Vakuum“ ist der Film der Barbara Auer, die unter Reponds Regie zu einer Form aufläuft, wie sie die Schauspielerin vielleicht noch nie in einem Kinofilm gezeigt hat – in Köln feiert er am kommenden Mittwoch in der Außenspielstätte des Schauspiels am Offenbachplatz Deutschlandpremiere. Auer hat keine Scheu, auch physisch in die Vollen zu gehen – sich mit ihren Tennispartnerinnen splitternackt unter der Dusche zu zeigen, mit Robert Hunger-Bühler als André ins Liebesbett zu hüpfen und nach der Erkenntnis der Wahrheit alle Anzeichen eines Totalzusammenbruchs zu erleiden. Und wieder auf die Beine zu kommen.

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„Vakuum“ ist fraglos ein Film über das Älterwerden und über die Frage, wie dies mit Anstand und Würde geht. Sensibel beobachtet die Schweizer Regisseurin aber darüber hinaus, was mit zwei Menschen geschieht, die von heute auf morgen ihr gewohntes Leben verlieren. Auch Hunger-Bühler zeigt eine große Leistung, wenn das Bild des liebenden Ehemannes, Vaters und Großvaters plötzlich Risse bekommt und am Ende nichts mehr bleibt als Scham.

Trotz aller Abgründe, die sich in diesen Szenen einer Ehe auftun, wahrt Depond stets die Distanz. Sie, die zahlreiche Dokumentarfilme gedreht hat, besteht auf emotionalem Abstand zu ihren Figuren, zu deren Motiven und Handlungen. Es ist jedoch just dieser Forscherblick, der dem Geschehen seine Wucht und den Charakteren ihre Tiefe verleiht.

KÖLNER PREMIERE

Am Mittwoch, 13. März, feiert „Vakuum“ um 20 Uhr Deutschlandpremiere – in der Außenspielstätte von Schauspiel Köln am Offenbachplatz in Zusammenarbeit mit der Filmpalette. Regisseurin Christine Repond und Hauptdarstellerin Barbara Auer sind anwesend.

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