Leserbriefe zu Anne SpiegelVerantwortung sieht anders aus

Die frühere Umweltministerin von Rheinland-Pfalz und heutige Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen) vor ihrer Anhörung im Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe im Ahrtal.
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Verantwortung sieht anders aus
Die Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 war für viele Menschen an Ahr, Erft, Rhein und Wupper die folgenschwerste ihres Lebens. Viele verloren wegen eines Hochwassers kaum gekannter Dimension ihr Zuhause, ihre Arbeit, und, noch viel schlimmer, ihre Liebsten oder ihr Leben. Wenn ich Revue passieren lasse, was in den Monaten seitdem an privatem Einsatz, an Hilfe untereinander, an Zuspruch, Geld- und Sachspenden, an Organisation geleistet wurde von Freunden, Nachbarn, Ehrenamtlichen, BürgermeisterInnen, Fremden, die die Not linderten, bin ich zutiefst bewegt und verneige mein Haupt voller Demut.
Wenn ich jedoch Revue passieren lasse, was in den Monaten seitdem an öffentlichem und Verwaltungs-Versagen aufgedeckt wurde, wird mir schlecht. Der bisherige Gipfel wurde erreicht durch Anne Spiegel, die damals zuständige Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz, die in der besagten Nacht offenbar nichts Besseres zu tun hatte, als um ihr „Wording“ zu bangen und relativ handlungsfrei zu bleiben. Frau Spiegel hat es in das Amt der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geschafft.
Die Kollegin von Frau Spiegel aus NRW, dort Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, zog es vor, in der besagten Zeit im Homeoffice auf Mallorca zu arbeiten. Leider benötigte sie zur akuten Flutzeit wohl auch noch drei Tage, um ihre 15-jährige Tochter von der Insel Richtung Heimat zu zerren. Ich empfehle Frau Heinen-Esser aus tiefstem Herzen, sich aus der Politik zu entfernen. Sie möge Frau Spiegel gleich mitnehmen. Verantwortung sieht anders aus. Barbara Neumann-Denkler Nettersheim
Wann gehen Anne Spiegel und ihre Entourage?
Wann gehen Anne Spiegel und ihre Entourage? Die Details zu diesem Vertuschungs- und Desinformations-Skandal sind nun hinreichend bekannt. Es ist ein erschreckendes Bild, das Frau Spiegel und ihre leitenden Mitarbeiter da abgeben. Was diese Politiker geboten haben, ist wirklich kein Grund, sie weiter in politisch wichtigen Positionen zu belassen. Vielleicht haben sie ja die Größe, freiwillig zurückzutreten. Dann könnte man wenigstens von einem Rest an Anstand reden. Jürgen Jordan Köln
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Gewissenloses Verhalten
Wenn der geschildete Sachverhalt stimmt, bleibt einem Politiker, der noch einen Funken an Gewissen hat, nur, sich gänzlich aus der Politik zurückzuziehen. Nicht so Frau Anne Spiegel von den Grünen, zurzeit der Flutkatastrophe im Ahrtal Umweltministerin in Rheinland-Pfalz, die offensichtlich ausschließlich ihre Karriere im Blick hat und keinen Gedanken an die Flutopfer verschwendet.
Ihr einziges Bestreben ist, sich von jeglicher Schuld reinzuwaschen, was ihr augenscheinlich unter Zuhilfenahme ihres kruden Denglischs auch gelungen ist und sie auf den Ministersessel des Bundesfamilienministeriums geführt hat. Wenn sie von selbst nicht auf die Idee kommt zurückzutreten, sollte das Führungspersonal der Grünen die notwendigen Maßnahmen ergreifen, wenn es sich nicht dem Vorwurf aussetzen will, ebenso gewissenlos zu sein. Ergänzend drängt sich mir die Frage auf, ob nicht die Staatsanwaltschaft Frau Spiegel wegen unterlassener Hilfeleistung ins Visier nehmen sollte. Axel Jochum Köln

Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) ist zurückgetreten.
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Verantwortungslosigkeit und Dilettantismus
Es hat nicht nur Fehler gegeben, das war schlichtweg totales Versagen. Es sind Menschen in ihren Kellern und Tiefgaragen ertrunken. Mit einer entsprechenden Vorwarnzeit wäre das vermeidbar gewesen. Wenn die NRW-Umweltministerin kurz nach der Flut behauptet, der deutsche Wetterdienst hätte zu spät gewarnt, ist das eine gezielte Falschmeldung. Diese Institution ist vermutlich die einzige, die ihren Job gemacht hat. Es wurde Tage vorher sehr präzise gewarnt.
Verantwortliche Verbandsvertreter, Ministerium, Fachbehörden und Krisenstäbe haben die Warnung aber offensichtlich vollständig ignoriert. Dass der Erftverbandschef nach der Flut behauptet, es hätte sich um ein 1000-jährliches Hochwasser gehandelt, entbehrt jeder fachlichen Grundlage und muss wohl als Ablenkungsmanöver für eigene Fehler gewertet werden. Wenn der Betreiber der Steinbachtalsperre nach der Flut feststellt, dass er nur für die Brauchwasserversorgung zuständig sei und nicht für den Hochwasserschutz, ist das geradezu abwegig.
Es bleibt zu hoffen, dass zumindest die Staatsanwaltschaft das Fehlverhalten aufklärt. Das sind wir den Toten und ihren Angehörigen schuldig. Allein es fehlt der Glaube. Dass Verantwortungslosigkeit und Dilettantismus in Rheinland-Pfalz nicht weniger gravierend waren, macht es nicht besser. Dass jetzt Maßnahmen ergriffen werden, die uns in Zukunft besser schützen, bleibt zu hoffen. Das Vertrauen darauf ist nicht hoch entwickelt.Wolfgang Adenau Weilerswist
Vertrauensverlust
Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer ist die „Unschuldigste“ im ganzen Land? Du liebe Anne, Du bist die „Unschuldigste“. Du hast diniert und hast geschlafen. Du musstest nicht durchs Wasser waten. Die andern, die die Flut erfasst, die haben halt nicht aufgepasst! Der Landrat hätte handeln müssen. Du hast getan, was Minister und Ministerinnen tun. Verantwortung verschieben, dann lässt sich gut ruhen. Ein höheres Amt – wie kommt es bloß? – fällt Dir dann auch noch in den Schoß. Als Bürger erfasst mich ein Grauen, kann ich solchen Ministern und Ministerinnen noch trauen?Helmut Schulz Kürten


