Das Gebäudeenergiegesetz verunsichert und erbost Hausbesitzer. Seine zeitnahe Umsetzung erscheint unrealistisch.
Leserbriefe zum HeizungskompromissFurcht vor immensen Kosten

Ab 2024 dürfen in Neubauten nur noch Heizungen eingebaut werden, die zu 65 Prozent mit nicht-fossiler Energie betrieben werden.
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Heizungskompromiss: Desaster für Immobilienbesitzer
Wir haben die Corona-Zeit bisher gut überstanden, viele von uns – nicht alle – haben sich mit den hohen Energiepreisen arrangieren können, wozu die finanziellen Leistungen der Politik beitragen, viele haben sich mit den Preissteigerungen arrangiert, indem sie Verzicht üben. Allzu viele Menschen wissen aber finanziell immer noch nicht ein und aus. In dieser Situation möchte Robert Habeck ab 2024 den Einbau von neuen Gas- und Ölheizungen verbieten, wenn eine in die Jahre gekommene Heizung ihren Dienst versagt.
Aus Sicht des Klimaschutzes verständlich, aber bei Betrachtung der Realität der Immobilienbesitzer ein Desaster, das Angst und Schrecken verbreitet. Wer vor 20 oder gar 40 Jahren seine Immobilie gebaut hat, muss damit rechnen, dass die Heizung bald erneuert werden muss. Wenn das jedoch damit einhergeht, dass teure Wärmedämmmaßnahmen realisiert werden müssen, um Wärmepumpen einbauen und wirtschaftlich und möglichst klimaneutral betreiben zu können, müssen Kosten verkraftet werden, die je nach Gebäudesubstanz sechsstellig sein können.
Der Strom, den Wärmepumpen benötigen, wird noch viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, zu einem großen Anteil mit konventioneller Kraftwerkstechnik erzeugt werden müssen. Für Neubauten ab 2025 sind Wärmepumpen Stand der Technik; sie für bestehende Gebäude im Falle der Notwendigkeit einer neuen Heizung per Gesetz vorzuschreiben, kann bei Altbaubesitzern den Geruch einer grünen Enteignung entstehen lassen. Hans-Joachim Wächter Troisdorf
„Muss ich mein Häuschen verkaufen, um es künftig warm zu haben?“
Im energetisch schlecht sanierten Bestand funktioniert eine Wärmepumpe kaum als Heizung. Woher soll ein Rentnerhaushalt die Mittel nehmen, um Fassadendämmung, Dachdämmung und den Einbau einer Fußbodenheizung zu bezahlen? Da würde auch eine Subventionierung der Wärmepumpe selbst nicht helfen. Muss ich mein Häuschen verkaufen und in eine Mietwohnung ziehen, um es künftig warm zu haben? Christopher Hoppen Köln
Gebäudeenergiegesetz auf Kosten der „kleinen Leute“
Die „Wärmewende“ ist ein Politskandal auf Kosten vor allem der „kleinen Leute“. Dieselben Politiker, die im April die letzten drei klimaneutralen Kernkraftwerke abschalten und durch klimaschädliche Gas- und Kohlekraftwerke ersetzen, wollen die Bürger zwingen, ab 2024 kaputte Gas- und Ölheizungen durch Wärmemittel zu ersetzen, die in der Anschaffung erheblich teurer und angeblich klimaneutral sind, aber mit Strom betrieben werden. Der kommt bis auf Weiteres auch aus Gaskraftwerken und besonders klimaschädlichen Kohlekraftwerken. Heinz-Jürgen Wurm Siegburg
Wärmewende: Mehr Augenmaß wäre angebracht
Was treibt diese Ampel um? Der Heizungskompromiss ist wieder einmal mehr als faul. Er lässt vieles offen, verunsichert und schafft Unmut. Die Grünen bekommen ihre Heizungswende. Die Gelben ihre Technologieoffenheit. Die Roten reden von sozialer Ausgewogenheit: Keiner wird alleine gelassen. Ach ja, die Alten ab 80 dürfen weiter mit Gas heizen. Wieso ab 80? Wieso nicht ab 70 oder 90? Dies alles und noch viel mehr ist unausgegoren und purer parteipolitischer Aktionismus.
Das Thema verdient mehr Sachlichkeit jenseits der politischen Farbenlehre. Vor allem aber: Wieso redet niemand über Maßnahmen, die sehr viel einfacher, sehr viel schneller und effektiver einen Beitrag zur CO₂-Reduzierung leisten könnten? Tempo 100 auf Autobahnen, Besteuerung von Flugbenzin und manches mehr. Hier gäbe es sogar noch eine Reihe positiver Nebenwirkungen. Weniger Unfallopfer oder höhere Steuereinnahmen. Scheinbar überhaupt keine Themen mehr.
Und ganz allgemein: Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden. Was hilft das dem Weltklima? Deutschland hat einen Anteil von rund 1,8 Prozent am CO₂-Ausstoß weltweit. Diese Tatsache soll nicht dazu führen, sich einfach zurückzulehnen und nichts zu tun. Sie sollte allerdings dazu führen, etwas mehr Augenmaß walten zu lassen und weniger Verwirrung zu stiften. Kurz gesagt: die Kirche im Dorf lassen! Prof. Edmund Fischer Pulheim
Wie praktikabel ist der Heizungskompromiss?
Ich nehme an, die Bundesregierung stellt die notwendigen Geräte für neue Heizsysteme und auch die Arbeiter, die sie installieren können, zur Verfügung? Allerdings habe ich da so meine Bedenken. Helga Eickmann Köln
Gebäudeenergiegesetz: Verstörende Maßnahmen
Schön, dass jetzt der Häuslebauer mit der Heizungszwangsumstellung die CO₂-Reduzierung erreichen soll, die Herr Wissing in seinem Ministerium nicht bereit ist zu erreichen. Klara Geywitz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, scheint da wohl eine Art Gedönsministerium zu leiten. Wird wohl jetzt nicht mehr lange dauern, bis die Grünen den Blockwart installieren, der das dann alles überwacht. Schöne neue Welt. Kommt mir aus der Geschichte bekannt vor. Manfred Fünger Köln

