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„Wollte nur mal schauen“Jens Lehmann irritiert zum Prozessauftakt und spielt Kettensägen-Vorfall herunter

Lesezeit 3 Minuten
Der wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung angeklagte ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann (r) steht vor Prozessbeginn mit seinem Anwalt Christoph Rückel im Amtsgericht im Gerichtssaal.

Steht nicht zum ersten Mal vor Gericht: WM-Held Jens Lehmann (r.) mit seinem Anwalt Christoph Rückel im Amtsgericht von Starnberg.

Gleich mehrere Straftaten werden dem ehemaligen Nationaltorwart in München vorgeworfen. Eine skurrile Kettensägen-Aktion ist auch dabei.

Mit großem Medieninteresse hat am Freitag (8. Dezember) der Prozess gegen Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann in Starnberg bei München begonnen. Zum Prozessauftakt tummelten sich zahlreiche Journalisten und TV-Sender vor dem Starnberger Amtsgericht. 

Jens Lehmann trug einen dunklen Anzug mit blauer Krawatte. Als die Staatsanwaltschaft am Freitagmorgen die Anklage verlas, schloss der ehemalige Profi-Torhüter überraschend seine Augen. Das berichtet dpa.

Prozess gegen Jens Lehmann: Kettensäge, Beleidigungen und versuchter Betrug

Anschließend übernahm der 54-jährige Angeklagte das Wort. In seiner langen Ausführungen präsentierte er sich als Opfer von falschen Verdächtigungen und spricht von Rufmord. „Ich bin einfach mal reingegangen, um zu schauen, was er da eigentlich macht“, rechtfertigte er vor dem Amtsgericht Starnberg seinen Ausflug zu der damals im Bau befindliche Garage. „Was ist schlimmer? Mord oder Rufmord?“, fragte er provozierend. 

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Die Kettensäge habe er nur dabei gehabt, weil er zuvor die Hecke seines Nachbarn geschnitten habe - auf dessen Wunsch. Der Vorwurf des Hausfriedensbruchs, den die Staatsanwaltschaft ihm macht, treffe darum nicht zu, sagte der WM-Held von 2006, der als aktuellen Beruf „arbeitsloser Fußballtrainer“ angab.

Jens Lehmann spricht von „Rufmord“ und begründet Kettensägen-Einsatz

Um was für eine Hecke es sich dabei handle, fragte daraufhin Staatsanwalt Stefan Kreutzer. Denn: „Ich habe noch nie eine Person gesehen, die mit einer Motor-Kettensäge eine Hecke stutzt.“

Jens Lehmann soll vor rund eineinhalb Jahren mit einer Kettensäge auf das Grundstück seines Nachbarn eingedrungen zu sein, um sich freie Sicht auf den Starnberger See zu verschaffen. Dabei habe der Ex-Keeper eine junge Birke seines Nachbarn gefällt.

Bevor Lehmann mit der Kettensäge auf die Garage und den Baum losging, soll er laut Staatsanwaltschaft noch das Stromkabel einer Überwachungskamera durchtrennt haben – um bei der mutmaßlichen Tat nicht gefilmt zu werden. Dank einer Batterie lief die Kamera jedoch weiter. So konnte Lehmanns skurrile Aktion für die Nachwelt festgehalten werden. 

Kettensägen-Vorfall: Jens Lehmann soll auch zwei Polizisten beleidigt haben 

Dadurch machte die sogenannte „Kettensägeaktion“ des WM-Helden von 2006 bundesweit auch Schlagzeilen. Ähnlich viel Aufmerksamkeit zog Lehmanns mutmaßlich illegales Handeln am Münchner Flughafen auf sich.

Dem ehemaligen Fußballprofi von Borussia Dortmund und Schalke 04 wird versuchter Betrug vorgeworfen, weil er versucht haben soll, Parkgebühren am Münchner Flughafen zu umgehen. Außerdem wird ihm Beleidigung von zwei Polizeibeamten vorgeworfen.

Lehmanns Anwalt Christoph Rückel wollte sich vor Beginn des Prozesses auf Anfrage nicht äußern, kündigte aber eine Stellungnahme im Gerichtssaal zu Beginn der Verhandlung an. „Die gegen mich erhobenen Vorwürfe treffen so nicht zu“, schrieb Lehmann im Sommer auf Instagram, nachdem Anklage gegen ihn erhoben worden war. „Der Schaden ist wie immer die enorme Rufschädigung und die Missachtung der Privatsphäre.“ Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.

Vor sieben Jahren wurde Jens Lehmann übrigens an gleicher Stelle bereits wegen Beihilfe zu einer Unfallflucht zu einem Strafbefehl in Höhe von 42.500 Euro verurteilt. 

Dank „Elfmeter-Zettel“ wurde Jens Lehmann zum WM-Helfen

2006 war Jens Lehmann zum gefeierten Torwart der Heim-WM, des „Sommermärchens“, geworden – vor allem durch seine Glanzleistung beim Elfmeterschießen gegen Argentinien im Viertelfinale. Sein berühmte „Elfmeter-Zettel“ wurde später sogar für eine Million Euro versteigert. 

In seiner aktiven Zeit spielte er unter anderem für den FC Schalke 04, Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart in der Bundesliga. Seinen größten Erfolg feierte er jedoch mit dem FC Arsenal, mit dem er unter Trainer Arsene Wenger 2004 ohne Niederlage englischer Meister in der Premier League wurde.

Zwei Verhandlungstage hat das Amtsgericht für den Prozess gegen Jens Lehmann angesetzt. Insgesamt ist ein Dutzend Zeugen für das Verfahren geladen. Das Urteil könnte kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember, fallen. (mbr/dpa)

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