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OnlyFansLara ist Geldherrin auf der Erotikplattform

6 min
Die Prignitzerin verdient seit mehreren Jahren Geld mit Only Fans. .

Die Prignitzerin verdient seit mehreren Jahren Geld mit Only Fans. .

Vor drei Jahren trifft Lara eine Autoreparatur, die sie nicht bezahlen kann. Sie beschließt, sich bei einer Erotik-Plattform anzumelden.

Wenn Lara (Name von der Redaktion geändert) aus der Prignitz in Brandenburg essen oder ins Kino geht, hat dies nicht selten ein Kunde aus dem Internet bezahlt. Die 36-Jährige arbeitet als sogenannte Geldherrin und verdient online ihr Geld auf diversen Erotik-Plattformen, darunter Onlyfans. Die Wünsche ihrer Kunden sind dabei vielfältig: „Die Männer bedanken sich bei mir, dass sie mir ihr Geld geben dürfen“, sagt sie und schmunzelt.

Aus ihrer Tasche fischt sie ein Schlüsseletui der Luxusmarke Louis Vuitton: „Das hat mir zum Beispiel auch mal ein Mann geschenkt. Er hat das wohl gebraucht gekauft, aber warum nicht?“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. Designersachen kann sich Lara längst selbst leisten. „Es ist schon ein tolles Gefühl, dass ich mir um Geld mittlerweile wirklich keine Gedanken mehr machen muss.“ Zuletzt hat sie sich eine Designer-Winterjacke gegönnt, neben ihr thront eine teure Handtasche, darin ein Portemonnaie von Louis Vuitton.

Geld für Luxusmarken

„Meine iPhones zahle ich mittlerweile in bar. Früher habe ich die immer in Raten abgestottert.“ Es sei auch viel Arbeit, erklärt Lara, für die sie sich allerdings nun mehr Zeit nehmen könne. In ihrem Bürojob hat sie bereits aufgrund des Online-Erfolgs ihre Stunden reduzieren können.

Wie kam es zu diesem Nebenjob der besonderen Art? Begonnen habe alles im April 2023, kurz nach der Trennung von ihrem damaligen Partner. „Plötzlich ging mein Auto kaputt und die Reparatur hatte mich finanziell total überfordert. Ich dachte mir nur: ‚Wie kann das sein? Da habe ich ein abgeschlossenes Studium und einen Vollzeitjob und kann trotzdem diese Reparatur nicht bezahlen.‘“

Das Bild zeigt Alysha Newman, Gewinnerin der Bronzemedaille im Stabhochsprung der Frauen bei Olympia 2024 in Paris. Foto: IMAGO/ABACAPRESS

Ein Star auf der Plattform: Alysha Newman, Bronzemedailliengewinnerin im Stabhochsprung der Frauen bei Olympia 2024 in Paris.

Der Beginn einer Online-Karriere

Die Erotik-Plattform Onlyfans kennt Lara zu dem Zeitpunkt schon. „Ich hatte mir ein paar Videos angeschaut und dachte mir nur so: ‚Das kann ich doch auch!‘ Die Leute hatten mir eh schon immer gesagt, dass ich so eine herrische Art an mir habe, also warum sollte ich die nicht auch nutzen, um Geld zu verdienen?“ Gesagt, getan. Sie erstellt ihr eigenes Profil und verdient in den ersten zwei Tagen bereits 70 Euro. „Ich war völlig überrascht, dass das ohne Werbung und ohne Vorarbeit direkt so gut anläuft.“

Sie bleibt bei dem Business, erstellt immer weitere Profile auf anderen Plattformen. In Chats verschickt sie erotische Fotos, häufig sind es ihre Füße. „Die Männer bezahlen mich oft für einen Fuß-Call, also einen Videoanruf, in dem meine Füße zu sehen sind, oder dafür, dass ich sie beleidige.“

Über X, ehemals Twitter, verschickt sie direkte Nachrichten an Kunden: „Die Männer möchten sich unterwürfig fühlen. Ich bin in dem Moment die Herrin.“ Das reicht bis zu üblen Beschimpfungen, die ihre Kunden verlangen. „Du dreckiger Hurensohn oder Schlappschwanz, sage ich dann per Sprachnachricht oder via Direktnachricht“, berichtet Lara von ihrer Arbeit.

Arbeit bei Onlyfans: Vorurteile im Beruf

Die Beleidigungen, die aus ihrem Mund purzeln, scheinen im Widerspruch zu ihrer freundlichen Art zu stehen. Lara sitzt aufrecht am Tisch, ist konzentriert beim Gespräch. Sie ist sich bewusst, welche Vorurteile ihre Arbeit ständig hervorruft.

„Du bist dann schnell die Schlampe und die Leute tuscheln. Ich glaube, das liegt aber auch ein bisschen an unserer ländlichen Region hier in der Prignitz“, überlegt sie. „In Großstädten ist das Business viel verbreiteter. Die Leute hier hören Onlyfans und denken, ich drehe Pornos. Du wirst aber nie irgendwo einen Porno von mir sehen“, sagt sie bestimmt.

Diese Grenzen setzt Lara

In ihrem Nebenjob gibt es klare Grenzen: kein Körperkontakt, keine Treffen, kein Anal-Content. „Am liebsten sind mir die Österreicher, die sind schön weit weg.“ Manchmal versuchten Leute nämlich herauszufinden, wie ihr wirklicher Name laute oder wo sie wohne. „Wenn es darauf hinausläuft, blockiere ich sie. Es läuft eh alles über ein Abo-System, und dann verabschiede ich mich von denen.“ Ein Treffen im realen Leben käme ohnehin nie infrage. Das sei ein absolutes No-Go, sagt Lara.

Leben im Internet und der realen Welt

Aufgrund ihrer Festanstellung im Büro sei sie nicht darauf angewiesen, aber das zusätzliche Einkommen erfülle zahlreiche Extrawünsche. Lara blickt sich im vollen Restaurant, in dem wir verabredet sind, um, neigt sich nach vorn und beginnt leise zu sprechen: „Ganz ehrlich: Wenn ich mich hier umschaue, denke ich, dass alle hier mehr Sex haben als ich. Ich habe kein Problem damit, im Internet ein Nacktbild von mir zu verschicken, aber im realen Leben, lasse ich niemanden an meinen Körper. Ich tobe mich im Internet aus. In der Wirklichkeit schaue ich mir ganz genau an, wen ich an mich heranlasse.“

Das kosten Fotos, Slips und Socken

Die studierte Betriebswirtin hat verstanden: Männer, die auf Frauen stehen, sind bereit, viel Geld dafür auszugeben. „Wenn ich einen Fetisch habe, dann ist es der, dass ich es geil finde, wenn Leute Geld für ein Foto oder eine Nachricht von mir ausgeben. Das löst ein Glücksgefühl in mir aus.“ Im Internet gibt sie sich jünger aus, um höhere Preise zu erzielen. „Männer stehen auf junge Frauen, daher sage ich online immer, dass ich 28 und 29 Jahre alt bin.“

Neben Fotos und Nachrichten verkauft sie auch getragene Socken und Slips von sich. Zwischen 30 Euro und 100 Euro kostet das, je nach Tragezeit. Ob sie die Angaben strikt einhalte? „Ja klar, ich will ja, dass die Leute wiederkommen und wieder etwas bei mir kaufen“, sagt sie und schmunzelt. Lara ist eine selbstbewusste Frau, der Nebenjob ist dem zuträglich und schenkt Bestätigung. „Ich habe meinen Körper eh schon immer gerne gezeigt, ich musste mich nicht großartig überwinden.“

Das Bild zeigt eine Szene aus der ZDFNEO-Serie „Watch Me – Sex Sells.“ Foto: Tiana Lenz/ [m] Serviceplan/ZDF/dpa

Eine Szene aus der ZDFNEO-Serie „Watch Me – Sex Sells.“ Auch hier spielt OnlyFans eine Rolle.

Der Blick auf den eigenen Körper

Der Blick auf die Konkurrenz im Netz kann allerdings auch verunsichern: „Wenn ich mich links und rechts umschaue, sehe ich natürlich auch, dass viele Frauen Silikon in den Brüsten haben. Ich habe auch schon mal überlegt, ob ich das machen sollte, aber am Ende denke ich, dass es ja auch so funktioniert. Die Männer zahlen ja.“ Zwischen 20 und 100 Euro kosten Fotos.

Bilder auf Wunsch seien teurer. „Das verabrede ich dann mit den Männern persönlich im Chat und mache das auch von den Sympathien abhängig. Wenn mich jemand direkt eklig anschreiben würde, lehne ich das auch ab und verabschiede mich.“ Ein bis zwei Stunden Arbeit stecke sie täglich in ihren Nebenjob. Wochenenden gebe es nicht, sie beantworte auch an Sonntagen die Nachrichten.

Ans Aufhören denkt die 36-Jährige noch lange nicht. Im Gegenteil: „Wenn ich wieder in einer Beziehung wäre, müsste mein Partner das akzeptieren. Ich denke mir, dass er mir dann ja auch beim Fotomachen helfen könnte.“ Ihre Eltern und Freunde sind im Bilde. „Da hat sich niemand von mir abgewandt. Meine Mutter meinte, dass ich dafür doch zu schade sei, aber das Geld, das ich so verdiene, sehen sie natürlich auch und empfinden es als gut.“

Dieser Artikel erschien zuerst in der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ – Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland