In einem Interview spricht Schauspieler Peter Schneider darüber, wie er die Wende als Jugendlicher im Osten erlebte und welche Vorteile es hat, ein Ostdeutscher zu sein.
„Damit muss man erst mal klarkommen“Schauspieler Peter Schneider über die Wende

Zum letzten Mal ermittelt Peter Schneider als „Polizeiruf 110“-Kommissar Michael Lehmann gemeinsam mit Peter Kurth in Halle. (Bild: MDR/Felix Abraham)
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„Wir haben einen Behauptungsdruck“, erklärt der Schauspieler Peter Schneider (“Polizeiruf 110“) jetzt in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur teleschau mit Blick auf den Osten des Landes. Der 51-jährige Leipziger, bekannt aus dem „Polizeiruf 110“, spricht über die Erfahrungen seiner Generation. Als die Mauer fiel, war er 14 Jahre alt. „Wir oder unsere Eltern mussten ihr Leben an die Umstände anpassen“, erinnert er sich. Viele seiner Generation seien in den Westen gezogen, und nicht wenige hätten sogar versucht, ihren Dialekt abzulegen, „um erst gar nicht durchscheinen zu lassen, woher sie kommen“.

Henry Koitzsch (Peter Kurth, links) und Michael Lehmann (Peter Schneider) denken über den Todesfall einer alten Frau nach, der nach Unfall aussieht, der aber auch ein Mord sein könnte. (Bild: MDR/Felix Abraham)
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Schneider betont die Nachwirkungen der Wende im Gespräch so: „Man muss sich klarmachen: Nach der Wende war für die Ostdeutschen plötzlich alles falsch, was sie erlernt hatten. Damit muss man erst mal klarkommen.“ Besonders für Ältere sei diese Umstellung schwer vorstellbar gewesen, sagt der Schauspieler. Er findet, dass man „die Auswirkungen dieser Psychologie“ auch jetzt noch überall findet.
„Leben in der Diktatur“
Im Interview mit der teleschau spricht Peter Schneider auch über die Vorteile, die man als Ostdeutscher mitbringt. „Leute ab meinem Alter können sich an ein Leben in der Diktatur erinnern“, erklärt er. Dieses Wissen, dieser Erfahrungsschatz, unterscheide Ost- von Westdeutschen. „Momentan diskutiert man überall, ob die Demokratie am Ende ist, weil sie die großen Probleme unserer Zeit wie den Klimawandel nicht lösen kann“, sagt der Schauspieler. Er betont, dass vieles in einer Diktatur zwar schneller und ohne Widerstand angegangen werden könne. „Man sollte aber nicht meinen, ältere Ostdeutsche wünschten sich die Diktatur zurück. Deshalb reagierte man vor allem im Osten auch so heftig auf Eingriffe ins Eigentumsrecht wie Habecks Wärmepumpen-Gesetz.“
Im „Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen“ (Sonntag, 15. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste) aus Halle spielt Peter Schneider ein drittes und letztes Mal an der Seite Peter Kurths den Ost-Kommissar Michael Lehmann. (tsch)
