Während der Winter Deutschland weiter fest im Griff hat, träumt der ein oder andere von Strand, Sonne und Meer. All das bietet im östlichen Mittelmeer Zypern. Das ZDF begleitet in einer neuen Folge „Abenteuer Auswandern“ mehrere Menschen, die auf der Insel ihr Glück gefunden haben.
Dominik floh vor Rassismus in Deutschland - auf Zypern genießt er „das schönste Leben, definitiv“

Dass Zyperns Hauptstadt geteilt ist, sei für ihn unvorstellbar, sagt Dominik. (Bild: ZDF/Smilla Heckel)
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Dominik verließ Deutschland wegen seiner mentalen Gesundheit - und wegen des Alltagsrassismus, den er erfuhr. (Bild: ZDF)
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In Deutschland lässt sich die Sonne derzeit nur selten blicken und schlägt mit ihrer Abwesenheit dem ein oder anderen merkbar aufs Gemüt - nicht umsonst gibt es das Wort Winterdepression. Für Dominik war genau das einer der Gründe, seine bayerische Heimat hinter sich zu lassen und auf der Mittelmeerinsel Zypern neu anzufangen, wie er in einer neuen Ausgabe von „Abenteuer Auswandern“ im ZDF erklärt.
Doch nicht nur das Wetter machte Dominik mental zu schaffen. In seiner alten Heimat erlebte er aufgrund seines Aussehens Alltagsrassismus. Auf Zypern, sagt er, ist das ganz anders: „Ich wohne jetzt seit eineinhalb Jahren hier und es hat mich noch nie einer angesprochen auf meine Tattoos oder deswegen irgendwie anders behandelt, weil ich dunkler bin, weil ich nicht gerade wie die Norm ausschaue.“

Die deutschen Auswanderer sind sih in der ZDF-Reportage einig: Auf Zypern sind sie glücklich. (Bild: ZDF/Lara Schatz)
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Trotzdem will der Content-Creator auf das Problem aufmerksam machen und trägt deshalb seit Jahren immer einen weißen und einen schwarzen Schuh.
Zypern ist eine geteilte Insel - für deutschen Auswanderer ist das „unvorstellbar“

Katrin (Zweite von links) und Stefan (Mitte) haben nach mehreren Jahren auf Weltreise mit ihren Kindern auf Zypern ihr Zuhause gefunden. (Bild: ZDF/Lara Schatz)
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„Wenn du ehrlich und nett zu den Menschen bist und die merken, okay, du willst dich anpassen, du versuchst, die Sprache zu sprechen, dann hast du hier das schönste Leben, definitiv“, schwärmt Dominik. Das mit der Sprache ist jedoch nicht ganz so einfach, wie er selbst schmunzelnd zugeben muss: „Griechisch zu lernen, ist verdammt schwer.“ Auch Henning, der gemeinsam mit seiner Frau Patricia ausgewandert ist, liebt die Offenheit auf Zypern: „Hier kannst du auch ganz schnell Leute kennenlernen, kennst die Namen ganz schnell und, ja, gehörst auch sehr schnell dazu.“
Dennoch ist sich Dominik im Klaren darüber, dass auf der Insel nicht alles perfekt ist. In den sozialen Medien klärt er deshalb über das Leben dort auf: Wie viel kosten Lebensmittel, auf was muss man achten? „Die Schattenseiten an Zypern sind definitiv die Warenverfügbarkeit“, erklärt er im ZDF. Außerdem sind die Insel und ihre Hauptstadt Nikosia bis heute geteilt: Ein Teil gehört zu Zypern, der andere ist türkisch. In der unbewohnten „Pufferzone“ und im Grenzgebiet unterwegs zu sein, sei ein „beklemmendes Gefühl“ gibt Dominik zu: „Man weiß, was hier passiert ist.“ Dass die Teilung auch heute noch existiert, sei für ihn als Deutschen „unvorstellbar“.
Auswanderer erklärt: Steuersystem auf Zypern ist „gegenüber dem deutschen vorteilhaft“

Gemeinsam mit seiner Partnerin Evelyn gibt Matthias Tauchkurse und räumt mit seinen Schülerinnen und Schülern unter Wasser auf. (Bild: ZDF/Smilla Heckel)
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Außerhalb Nikosias herrscht hingegen zumindest scheinbar eine ruhige Idylle. Das Meer ist nie weiter als eine halbe Stunde Autofahrt weg. Das lieben auch Katrin und Stefan am Leben auf der Insel. Nach mehreren Jahren Weltreise ist Zypern für sie und ihre drei Kinder ein neues Zuhause.

Patricia und Henning lieben die Offenheit der Menschen auf Zypern. (Bild: ZDF/Lara Schatz)
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Neben dem Wetter war auch ein anderer Faktor für die Wahl ihrer neuen Heimat entscheidend, wie Stefan offen zugibt: „Es gehört auch dazu, dass das Steuersystem hier in Zypern gegenüber dem deutschen vorteilhaft ist.“ Doch man dürfe das „nicht isoliert betrachten“, erklärt er: „Weil natürlich andere Dinge hier um ein Vielfaches teurer sind. Aber im Gesamtpaket hat es sich für uns hier stimmig angefühlt.“
Das gilt nicht nur für die beiden Eltern, die ihr Geld mit Online-Fitnesskursen verdienen, sondern auch für die Kinder. Auf den langen Reisen ist die Familie oft nicht lang genug an einem Ort geblieben, um echte Freundschaften schließen zu können. Sie hätten jedoch gelernt, „schnell Kontakte zu knüpfen“, erklärt Mutter Katrin. Das ist auch weiterhin ein Vorteil für die drei, denn sie gehen auf keine öffentliche Schule, wo sie einfach auf Gleichaltrige treffen können, sondern lernen online.
„'Zeit ist Geld' - das gibt es hier nicht“
Doch das Meer und die Natur, die Katrin, Stefan und ihre Kinder so lieben, sind auch auf der Insel in Gefahr. Auswanderer Matthias kämpft deshalb mit seiner Tauchschule gegen Umweltverschmutzung. Gemeinsam mit seinen Kundinnen und Kunden räumt er daher im Meer Becher, Tüten und andere Dinge weg, die Leute beispielsweise von Partybooten ins Wasser schmeißen. „Das ist einfach eine Schande, wenn man sich unter Wasser begibt und man sieht überall den Müll rumliegen“, ärgert sich der Tauchlehrer in der Reportage.
Den Schritt ins Ausland habe er allerdings „nicht eine Sekunde“ bereut, sagt Matthias. „In Deutschland kennen wir alle das Sprichwort 'Zeit ist Geld' - das gibt es hier nicht“, erklärt er. (tsch)
