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Heute im Free-TVFür diese Rolle gewann Leonardo DiCaprio den Oscar

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Für seine strapaziöse Rolle im Western-Drama „The Revenant - Der Rückkehrer“ (Bild) erhielt Leonardo DiCaprio endlich den verdienten Oscar. (Bild: Fox)

Für seine strapaziöse Rolle im Western-Drama „The Revenant - Der Rückkehrer“ (Bild) erhielt Leonardo DiCaprio endlich den verdienten Oscar. (Bild: Fox)

Und dann gab es doch den Oscar: Für seine sehr körperliche Performance in einem ausgesprochen körperlichen Film gewann Leonardo DiCaprio vor zehn Jahren nach fünf erfolglosen Nominierungen endlich die begehrte Trophäe. Nun läuft das Western-Drama „The Revenant“ im Fernsehen.

Fast hatte man die Hoffnung aufgegeben, dass je er einen Oscar gewinnen würde: Würde Leonardo DiCaprio sich am Ende wirklich zum inoffiziellen Club der ewigen Oscar-Verliehrer gesellen müssen, dem so verdiente Schauspielgrößen wie Peter O'Toole oder Richard Burton angehören, die oft nominiert waren, aber nie den Preis erhalten haben?

2016 dann die Erlösung: Für das Survival-Western-Drama „The Revenent - Der Rückkehrer“ von Alejandro González Iñárritu erhielt DiCaprio endlich den ersehnten Occar, für den er zuvor fünfmal erfolglos nominiert gewesen war. Doch kaum hatte er den Preis gewonnen, regten sich die ersten Skeptiker, die den Erfolg trübten.

Denn, so das Argument der Kritiker: Hat DiCaprio den Oscar in dem Jahrgang wirklich verdient? Wurde er für sein Spiel in dem episch-brachialen Westerndrama ausgezeichnet, oder hat er den Preis doch eher für die qualvollen Strapazen erhalten, die er vor der Kamera in der unwirtlichen Naturkulisse hatte auf sich genommen?

In „The Revenant - Der Rückkehrer“ einen Trapper, der sich schwer verletzt ins Leben zurückkämpft. (Bild: 2015 Twentieth Century Fox)

In „The Revenant - Der Rückkehrer“ einen Trapper, der sich schwer verletzt ins Leben zurückkämpft. (Bild: 2015 Twentieth Century Fox)

Tatsächlich musste DiCaprio für seine Hauptrolle in der Romanverfilmung „The Revenant“ einiges durchmachen. Er spielt einen Mann, der leidet, und leidet dabei selbst gehörig. Sein Trapper und Jäger Hugh Glass erlebt Anfang des 19. Jahrhundert im weitgehend noch unerschlossenen Amerika ein Martyrium ungeheuren Ausmaßes.

Die wilde Natur und der noch wildere Mensch, sie verursachen die Qualen des Trappers. Erst wird Glass' Trupp bei einer Expedition durch einen Indianer-Angriff aufgerieben, dann wird der Jäger von einer Grizzlybärin angegriffen, bevor er sich halbtot durch Schnee und Schlamm durchkämpfen und dazu skrupelloser Gefährten erwehren muss.

Leonardo DiCaprios Martyrium

„The Revenant“ ist Körperkino pur. Iñárritu setzt ganz auf Realismus, schildert das Leben von damals in Amerika, wie es wirklich gewesen sein musste, als entbehrungsreichen, Seele und Körper lädierenden Überlebenskampf. Die Kamera von Emmanuel Lubezki ist immer nah dran an den Qualen der Menschen - so nah, dass deren Atem schon mal die Kameralinse beschlägt.

Bei der Oscar-Verleihung 2016 konnte Leonardo DiCaprio die begehrte Trophäe endlich in den Händen halten. (Bild: 2016 Getty Images/Jason Merritt)

Bei der Oscar-Verleihung 2016 konnte Leonardo DiCaprio die begehrte Trophäe endlich in den Händen halten. (Bild: 2016 Getty Images/Jason Merritt)

Körperlich ist auch DiCaprios Schauspiel. Der gibt immer alles für seine Rollen, und auch hier ging er aufs Ganze. Von einem Bären wird er zwar nicht wirklich um des Naturalismus willen angegriffen, der wurde digital erzeugt. Sonst aber wirft er sich mit Haut und Haar ins Geschehen, setzt sich kompromisslos den Elementen aus. DiCaprio spielt nicht, er lebt in „The Revenant“ das Martyrium seiner Figur.

Das Stöhnen, das Frieren, das vor Schmerzen verzerrte Gesicht - das alles ist echt, nicht dargestellt. Für eine Szene aß DiCaprio echte Bisonleber, für eine andere stieg er in den Bauch eines Tierkadavers. Für eine dritte stürzte er sich in einen eiskalten Fluss. „Persönlich“, sagte DiCaprio in einem Interview, „stieß ich unzählige Male an meine körperliche und seelische Grenze“.

Oscar für die beste „Atem-Performance“?

Das ist ehrenwert, doch rechtfertigt das einen Oscar? Die „SZ“ zeigte sich nach der Preisverleihung skeptisch. Das Urteil war vernichtend: Den Oscar habe DiCaprio für die beste „Atem-Performance“ bekommen, hieß es. „Viel mehr“ mache er „im Überlebenstrip von 'The Revenant'“ nicht - nicht mehr als „atmen, stöhnen, grunzen und sabbern“.

Das Urteil ist hart, trifft aber einen wunden Punkt der Academy. Denn die zeigte sich schon immer von Leistungen wie der DiCaprios begeistert. Von der Bereitschaft der Schauspieler, seelische und körperliche Opfer auf sich zu nehmen, die Grenzen zu verwischen zwischen Spielen und Spüren. Davon, wenn sie für eine Rolle hungern, sich mästen, eine Bisonleber verspeisen.

Trotzdem: Den Oscar hat DiCaprio allemal verdient. Dass er ein begnadeter Schauspieler ist, hat er hinlänglich bewiesen. Und sollte jemand verlangen, dass er den Preis zurückgibt, er dürfte die Forderung ruhigen Gewissens zurückweisen. Und niemand würde ihm das verübeln. Nicht einmal womöglich seine Konkurrenten um den Oscar seinerzeit, den der eine oder andere vielleicht wirklich eher verdient hätte.

„The Revenant - Der Rückkehrer“ läuft am 5. Januar, 20.15 Uhr auf ProSieben. (tsch)