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Heute im Free-TVMit diesem Gangster-Thriller gewann Meisterregisseur Scorsese den überfälligen Oscar

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Frank Costello (Jack Nicholson, links) schleust Colin Sullivan (Matt Damon) bei der State Police ein, um an wichtige Informationen zu gelangen. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Frank Costello (Jack Nicholson, links) schleust Colin Sullivan (Matt Damon) bei der State Police ein, um an wichtige Informationen zu gelangen. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Mit dem furiosen Gangster-Thriller sprengte Martin Scorsese die Grenzen des Genres - und hatte endlich bei der Oscarverleihung Glück.

Sergeant Bryce Dignam (Mark Wahlberg, links) traut Kollege Sullivan (Matt Damon) nicht über den Weg. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Sergeant Bryce Dignam (Mark Wahlberg, links) traut Kollege Sullivan (Matt Damon) nicht über den Weg. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Es wurde irgendwie Zeit für diesen Triumphmarsch im Kodak Theatre von Los Angeles: Nach zuvor sieben erfolglosen Nominierungen erhielt Martin Scorsese 2007 „seinen“ Oscar. Neben der Trophäe für die Beste Regie wurde sein furioser Gangster-Thriller „Departed - Unter Feinden“ auch als Bester Film sowie für Drehbuch und Schnitt ausgezeichnet. Nach mehrjähriger Pause - „Casino“ entstand 1995 - war Scorsese mit sichtbarer Lust auf sein angestammtes Terrain zurückgekehrt und hatte sich einmal mehr seines Lieblingsgenres angenommen. Mit „Departed - Unter Feinden“ (2006), den ProSieben am Samstag, 14. Februar um 23.15 Uhr zeigt, sprengte der Regisseur allerdings die Grenzen des Gangsterfilms.

Nach und nach kann Billy Costigan (Leonardo DiCaprio, links) das Vertrauen von Unterweltboss Frank Costello (Jack Nicholson) gewinnen.  (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Nach und nach kann Billy Costigan (Leonardo DiCaprio, links) das Vertrauen von Unterweltboss Frank Costello (Jack Nicholson) gewinnen. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Stammschauspieler Leonardo DiCaprio, der im Verbund mit Scorsese in diesem Jahr den Thriller „Shutter Island“ nachlegte, spielt in der virtuosen Neubearbeitung des viel gepriesenen Hongkong-Hits „Infernal Affairs“ (2002) mit nervöser Energie den ehrgeizigen Undercover-Cop Costigan. Der wird ins Bostoner Syndikat eingeschleust, um den mächtigen, irisch-stämmigen Boss Frank Costello (Jack Nicholson) zu Fall zu bringen. Seinen Widerpart Sullivan verkörpert Matt Damon. Der Polizist versorgt seinerseits gegen reichlich Dollars die Ganoven mit Insiderinformationen. Was zu schlimmsten Verwicklungen und argem Blutvergießen führt - und beim Zuschauer bald die Frage aufwirft, wem man letztendlich glauben darf.

Erlösung im Kugelhagel

Im Süden Bostons hat der Kriminelle Costello das Sagen, weshalb Undercover-Cop Billy (Leonardo DiCaprio) auf ihn angesetzt wird.  (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Im Süden Bostons hat der Kriminelle Costello das Sagen, weshalb Undercover-Cop Billy (Leonardo DiCaprio) auf ihn angesetzt wird. (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Versuchen Gangsterboss Costello das Handwerk zu legen und geraten dadurch in große Gefahr: Billy Costigan (Leonardo DiCaprio, links) und Captain Queenan (Martin Sheen).  (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Versuchen Gangsterboss Costello das Handwerk zu legen und geraten dadurch in große Gefahr: Billy Costigan (Leonardo DiCaprio, links) und Captain Queenan (Martin Sheen). (Bild: Warner Bros. Entertainment Inc.)

Waren früher die Grenzen noch klar gezogen, ist zwischen Gut und Böse heute fast nicht mehr zu unterscheiden. Alle Dinge haben zwei Seiten, können so oder so betrachtet werden. Scorsese besetzt einige Schlüsselrollen gar „doppelt“. So gibt es neben den beiden Antagonisten etwa gute und böse Vorgesetzte - Martin Sheen und Mark Wahlberg werfen sich in bekannter „good cop vs. bad cop“-Manier die Bälle zu. Oder die zwiegesichtige Geliebte Sullivans, die Polizeipsychologin Madolyn (Vera Farmiga), die durchaus mehr als berufliches Interesse für ihren Patienten Costigan hegt. Nur Jack Nicholson als Zähne fletschender, Baseballschläger schwingender Dämon geht geradlinig-grausam seinen Geschäften nach - und teilt sein Bett bevorzugt mit zwei Gespielinnen.

Den „Hexenkessel“ New York hat Martin Scorsese hier ausnahmsweise verlassen. Um den tagtäglichen Überlebenskampf seiner (Anti-)Helden im Sumpf der Großstadt und deren metaphysisch überhöhte Sehnsucht nach Erlösung geht es dennoch. Der Filmemacher ist (und bleibt) Chronist und Katholik - ein Katholik im Kugelhagel, dem es immer wieder um Schuld und Sühne geht. (tsch)