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ZDF-“Traumschiff“-Folge löst heftige Reaktionen aus„An Respektlosigkeit kaum zu übertreffen“

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Die Neujahrsfolge des ZDF-“Traumschiff“ hat bei Zuschauerinnen und Zuschauern zu Diskussionen geführt. Grund war ein Tabubruch in der Handlung. (Bild: ZDF/ Dirk Bartling)

Die Neujahrsfolge des ZDF-“Traumschiff“ hat bei Zuschauerinnen und Zuschauern zu Diskussionen geführt. Grund war ein Tabubruch in der Handlung. (Bild: ZDF/ Dirk Bartling)

„Das Traumschiff“ gehört für viele Menschen in Deutschland zu Weihnachten und an Neujahr fest ins Programm. Die neuste Episode hat jedoch für jede Menge Diskussionen und Gesprächsstoff geführt. Denn die Folge griff ein sehr sensibles Thema auf.

„Das Traumschiff“ steht seit Jahrzehnten für eine unbeschwerte, heile Welt, in der es stets zu einem Happy End kommt. Die Folgen rund um Weihnachten und Neujahr werden von den Fans stets mit Spannung erwartet. Doch die Handlungsstränge der Neujahrs-Episode stießen einigen Zuschauern und Zuschauerinnen nun bitter auf. Die Reaktionen im Netz ließen nicht lange auf sich warten.

Denn im Mittelpunkt der Folge „Afrika: Madikwe“ stand ein äußerst sensibles Thema: Suizid. „Ich kann mich nicht erinnern, dass so eine Geschichte auf dem Traumschiff schon mal erzählt wurde“, erklärte Florian Silbereisen gegenüber „Bild“ zu der neuen Folge.

Tatsächlich kommt es auf Kreuzfahrtschiffen immer wieder zu Suizidfällen, bei denen Menschen sich dazu entschließen, freiwillig von Bord zu springen. Dass solch ein ernstes Thema nun auch auf dem „Traumschiff“ aufgegriffen wird, ist jedoch neu. Im Mittelpunkt der Folge stehen die Passagiere Emilia Gronewald (Nadine Wrietz) und Oliver Stiller (Götz Schubert). Sie treffen zufällig aufeinander, finden dann jedoch heraus, dass sie beide planen, von Bord zu springen. Im Laufe der Folge will sich ihnen auch ein Kellner (Lutz van der Horst) anschließen. Besonders bedenklich: der lockere, fast schon humorvolle Umgang der Figuren mit dem Thema in Form von Witzen und schwarzem Humor.

Heftige Kritik nach Tabu-Bruch beim „Traumschiff“

Silbereisen erklärt: „Es ist eine Geschichte, die neue Sichtweisen vermittelt: Zwei Menschen erleben miteinander in Afrika Situationen und Gespräche, die ihnen zeigen, dass das Leben schön ist und viel mehr bietet, als sie sich vorgestellt haben“, sagt Silbereisen. „Das Denken wechselt sozusagen die Richtung und die beiden bekommen neue Perspektiven.“

Tatsächlich kommt es am Ende zu keinem Todesfall. Die Folge endet mit einem Happy End, in dem sich alle drei plötzlich gegen den Freitod entscheiden. Vom ZDF heißt es dazu gegenüber „Bild“: „'Das Traumschiff' zeigt das Leben in all seinen Facetten. Es werden Geschichten erzählt, die unterhalten, berühren, bewegen und manchmal auch nachdenklich machen. Am Ende bleibt allerdings eine positive Botschaft, denn bei 'Das Traumschiff' verdient jede Geschichte ihr eigenes Happy End.“

Doch genau diese plötzliche glückliche Wendung wird nun von vielen Zuschauern und Zuschauerinnen stark kritisiert. Ein Vorwurf, der häufig zu lesen ist: Das Thema Suizid werde dadurch extrem verharmlost, die Komplexität der Krankheit Depression nicht richtig widergespiegelt und stattdessen eine vermeintliche „Wunderheilung“ präsentiert.

ZDF zeigt Hinweis mit Hilfsangeboten erst nach „Traumschiff“-Folge

So heißt es unter dem Instagram-Beitrag einer „Traumschiff“-Fanpage etwa: „Wie hier Suizidgedanken derart lächerlich und geschmacklos dargestellt wurden, ist unfassbar. (...) Meiner Meinung nach sollte diese Folge zurückgezogen werden. Sie ist an Respektlosigkeit gegenüber Betroffenen kaum zu übertreffen.“ Ein weiterer User pflichtet bei: „Wie kann man ein für viele Betroffene so schweres, schmerzhaftes Thema nur dermaßen erbärmlich ins Lächerliche ziehen?“

Andere kritisieren, dass es sich nicht mehr um eine „Familiensendung“ gehandelt habe und dass keine Triggerwarnung vor die Sendung gesetzt wurde. Das ZDF spielte erst am Ende der Episode einen entsprechenden Hinweis mit Telefonnummern der Seelsorge aus: „Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, Suizidgedanken haben, stehen Hilfsangebote zur Verfügung. Sie sind nicht allein“, hieß es dort. Eine Warnung zu Beginn gab es jedoch nicht. Eine Zuschauerin betont dazu: „Das Traumschiff soll doch eigentlich für Unterhaltung sorgen, aber mit Suizid macht man keine Späße. Eine Warnung vor der Ausstrahlung wäre hilfreich gewesen.“

(Wenn Sie selbst depressiv sind, Selbstmord-Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.) (tsch)