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Demo gegen OlympiaMolotow-Cocktails fliegen in Mailand – Meloni spricht von „Feinden Italiens“

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In der Olympiastadt gibt es seit Tagen Proteste gegen die US-Einwanderungspolizei ICE. Am Samstag flogen auch Molotow-Cocktails und Rauchbomben.

Bei einer Demonstration am Rande der Olympischen Winterspiele ist es in Mailand zu Krawallen gekommen. Nach einem Protestmarsch von mehr als 3.000 Menschen in Richtung des olympischen Dorfes warfen einige Teilnehmer Rauchbomben und Molotow-Cocktails in Richtung Sicherheitskräfte. Die Polizei setzte Schlagstöcke, Wasserwerfer und Tränengas ein. Es gab sechs Festnahmen. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äußerte anschließend harte Kritik an den Demonstrierenden.

In den sozialen Medien kursieren Videos, die gewalttätige Szenen zeigen: Polizisten, die mit Schlagstöcken auf Demonstrierende einschlagen und sie zurückdrängen. Ebenso ist heftiger Beschuss mit Feuerwerkskörpern auf die Einsatzkräfte aus der Menge der Demonstranten heraus zu sehen. Die Videos wurden von der Antifa verbreitet. Es ist die Rede von „stundenlangen Auseinandersetzungen“. Die Echtheit der Clips lässt sich nicht unabhängig überprüfen.

Der Protest richtete sich unter anderem gegen die Anwesenheit von Beamten der US-Einwanderungspolizei ICE bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo. Die Polizei sprach von etwa 3.000 Teilnehmern. Nach anderen Schätzungen waren es etwa 5.000.

Milano Today“ schreibt von insgesamt 10.000 Menschen, die an den Protesten teilgenommen hätten. Die Prozession startete kurz nach 15 Uhr von der Piazza Medaglie d'Oro in Richtung Corvetto und führte über fast vier Kilometer durch die Stadt.

Plakate wie „ICE out“ und „ICE=SS“

Bei dem Demonstrationszug waren wieder Plakate wie „ICE out“ („ICE raus“) oder „ICE=SS“ zu sehen. Die US-Einwanderungspolizei steht in der Kritik wegen ihres teils brutalen Vorgehens gegen Migranten in den Vereinigten Staaten, bei dem auch zwei Menschen getötet wurden. In der US-Delegation sollen sich ICE-Beamte um den Schutz von Offiziellen wie US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio kümmern.

Italiens rechte Regierung betonte mehrfach, dass die ICE-Angehörigen auf den Straßen nicht zum Einsatz kämen. Bereits in den vergangenen Tagen war es in Italien immer wieder zu Demonstrationen gegen die Olympischen Spiele gekommen. Vor einer Woche waren bei einer Kundgebung von Autonomen in der früheren Olympiastadt Turin mehr als 100 Menschen verletzt worden.

Bei der Eröffnungsfeier waren Vance und seine Frau Usha im Mailänder San-Siro-Stadion ausgebuht worden, als beim Einzug des US-Teams der Vizepräsident auf den Videowänden zu sehen war. Vance hielt sich bereits seit Donnerstag in Italien auf und hatte auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni getroffen.

Zunächst friedlicher Protest in Mailand, dann Ausschreitungen

Bei den Protesten in Italien geht es aber nicht nur um den Einsatz von ICE-Beamten. Es gehen auch nicht ausschließlich Menschen auf die Straße, die dem radikal linken Spektrum zuzuordnen sind. Die von einem breiten Bündnis organisierte Kundgebung am Samstag richtete sich unter anderem gegen explodierende Mieten und wachsende soziale Ungleichheit, die durch Olympia weiter befeuert werde. Ebenso demonstrierten Umweltschützer. Sie kritisieren den ausufernden Einsatz von Ressourcen für die Großveranstaltung und die Umweltzerstörung.

Die Demonstration startete am Samstag mit einem Flashmob, wie „Milano Today“ berichtet. Es wurden „Bäume“ aus Pappe hochgehalten – Symbol für die Baumfällungen beim Bau der Bobbahn in Cortina.

Der Marsch mit den gewaltbereiten Demonstranten hatte sich nach Angaben von italienischen Medien wie Sky Italia vom Haupt-Protestzug im Stadtteil Corvetto getrennt und bewegte sich an der Porta Romana in Richtung Olympisches Dorf im Osten der Stadt. Einige Demonstranten kletterten auch auf das Dach der Markthalle in Corvetto und ließen von dort Transparente herab, um auf die Wohnungsnot in Mailand aufmerksam zu machen. Kurz darauf kam es zu Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei.

Meloni beschimpft Demonstranten

Meloni kritisierte die Demonstrierenden in sozialen Netzwerken später scharf. Zu einem Video von Fox News, welches die Krawalle zeigt, schreibt die Politikerin der Fratelli d'Italia auf ihrem Instagram-Kanal, tausende Italiener würden hart dafür arbeiten, dass ihre Nation bei Olympia einen guten Eindruck mache. „Dann gibt es sie: die Feinde Italiens und der Italiener, die ‚gegen Olympia‘ demonstrieren und dafür sorgen, dass diese Bilder in den Fernsehsendern der halben Welt zu sehen sind“, schreibt die Regierungschefin weiter.

Meloni nimmt auch Bezug auf mögliche Sabotageakte an Italiens Bahnnetz. An drei Stellen des Bahnnetzes waren am Samstag Beschädigungen entdeckt worden, was für erhebliche Behinderungen sorgte. Auf der Strecke zwischen Bologna und Padua wurde nach Angaben der Sicherheitsbehörden ein „rudimentärer Sprengkörper“ auf einer Weiche gefunden. Auf derselben Strecke wurde entdeckt, dass Stromkabel in einem Schacht durchtrennt wurden. Zwischen Bologna und Ancona geriet in der Nähe des Bahnhofs von Pesaro ein Stromkasten in Brand.

Große Sicherheitsvorkehrungen in Mailand

Insgesamt sind die Sicherheitsvorkehrungen bei Olympia hoch, besonders am Eröffnungstag am 6. Februar. Rund 6.000 Einsatzkräfte sind im Einsatz, darunter Polizei, Carabinieri, Guardia di Finanza, Armee und örtliche Polizei. Zusätzlich wurden 170 Fahrzeuge bereitgestellt, Hubschrauber und Drohnen waren vor Ort, und um die wichtigsten olympischen Wettkampfstätten wurden Sicherheitszonen eingerichtet. 

Bürgerinnen und Bürger Mailands werden von den Sicherheitsvorkehrungen in ihrem täglichen Leben eingeschränkt: So wurden in den Sicherheitszonen Schulen geschlossen, größere Menschenansammlungen wurden untersagt. Am Eröffnungstag gab es eine Flugverbotszone. Es war die Rede von einer „abgeriegelten Stadt“.

Auch von den großen Demonstrationen und besonders den Ausschreitungen zeigten sich Anwohner Mailands genervt. Ein lokales TV-Team interviewte am Rande der Proteste einen Rentner, der sagte: „Ich bin ein ganz normaler Bürger, ein Rentner. Wir können so etwas hier nicht hinnehmen, das ist unzivilisiert.“ (mit dpa)