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„Deutschland verdankt ihr viel“Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot – Merz nimmt Abschied

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Rita Süssmuth (CDU), ehemalige Bundestagspräsidentin und Frauenministerin, ist gestorben.

Rita Süssmuth (CDU), ehemalige Bundestagspräsidentin und Frauenministerin, ist gestorben.

Auch Armin Laschet und die Kölner CDU-Vorsitzende Serap Güler reagierten bestürzt über den Tod von Süssmuth.

Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Sie starb am Sonntag (1. Februar), wie der Deutsche Bundestag mitteilte. Süssmuth wurde 88 Jahre alt. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) würdigte sie als „eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik“.

Die Nachricht vom Tod der langjährigen Bundestagspräsidentin Süssmuth habe sie tief bewegt, so Klöckner weiter. „Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung.“

Friedrich Merz über Rita Süssmuth: „Deutschland verdankt ihr viel“

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz reagierte bestürzt über den Tod der CDU-Politikerin. Sie sei eine „große Politikerin und ein Leitstern“ für das demokratische Gemeinwesen gewesen. Als Bundesministerin und Bundestagspräsidentin habe sie für Gleichberechtigung, Toleranz und eine offene Gesellschaft gekämpft.

„Deutschland verdankt ihr viel“, so Kanzler Merz am Sonntag in einem Beitrag in den sozialen Netzwerken.

Auch Serap Güler, die Vorsitzende der Kölner CDU, zeigte sich vom Tod von Rita Süssmuth erschüttert. „Mit ihrem großen Herzen und ihrer Furchtlosigkeit, sich den politischen Auseinandersetzungen zu stellen, bleibt sie unvergessen“, so Güler auf X.

Süssmuth sei eine Vorkämpferin und Vordenkerin gewesen. Güler fügte hinzu, nicht nur Deutschland, auch sie selbst persönlich habe ihr viel zu verdanken.

Armin Laschet reagiert mit persönlichen Erinnerungen an Rita Süssmuth

Armin Laschet reagierte am Sonntag nach Bekanntwerden des Todesfalls mit persönlichen Erinnerungen an Rita Süssmuth. Es sei „ein sehr trauriger Tag“, so Laschet. Als junger Redenschreiber habe er sie bereits vor fast 40 Jahren kennengelernt.

„Sie hat gekämpft für eine menschliche Gesellschaft und Versöhnung. Sie war fröhlich, voller Gottvertrauen und streitbar. Und sie hat gegen Widerstände unendlich viel bewegt“, teilte Armin Laschet mit. Und fügte hinzu: „Sie ist ein Vorbild und war eine gute Freundin. Sie wird schmerzhaft fehlen.“

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst würdigte Rita Süssmuth als Wegbereiterin für Toleranz, Gerechtigkeit und Fortschritt. „Sie stand ein für unabhängiges Denken, für leidenschaftliche und sachliche Diskussionen & eine klare wertegeleitete Haltung“, so Wüst.

Rita Süssmuth verliert Kampf gegen den Krebs

Im Juni 2024 hatte Rita Süssmuth eine schwere Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Trotz Chemotherapie nehme sie aber weiter Termine wahr, sagte sie der „Bild“-Zeitung: Sie wolle weiter dazu beitragen, dass es der Gesellschaft besser gehe. „Dafür gebe ich alles.“ Angst vor dem Sterben habe sie nicht, betonte die Katholikin damals. Jetzt hat sie den Kampf gegen den Krebs verloren.

„Ich hatte nie vor, in die aktive Politik zu gehen. Ich war glücklich als Erziehungswissenschaftlerin“, hatte Süssmuth im Rückblick resümiert. „Aber ich habe in den ganz großen politischen Auseinandersetzungen erfahren, dass Veränderung in der Politik möglich ist.“

Rita Süssmuth war lange das moderne Gesicht im Kabinett Kohl

Süssmuth war lange das moderne Gesicht der CDU: Von 1987 bis 2002 war sie Abgeordnete im Bundestag, dabei von 1988 bis 1998 als Bundestagspräsidentin. 1985 berief Helmut Kohl sie als Familien- und Gesundheitsministerin ins Kabinett, 1986 wurde sie auch erste Frauenministerin.

L-R: Ingeborg Schäuble, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) verfolgen die konstituierende Sitzung des neuen Bundestages 2021 von der Ehrentribüne aus.

L-R: Ingeborg Schäuble, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) verfolgen die konstituierende Sitzung des neuen Bundestages 2021 von der Ehrentribüne aus.

Auch in der Migrationspolitik setzte die Politikerin Schwerpunkte: Bereits Mitte der 90er Jahre war sie die erste prominente CDU-Politikerin, die ein Bekenntnis zu Deutschland als Einwanderungsland forderte. Ab 2000 leitete sie die von der rot-grünen Bundesregierung eingesetzte Zuwanderungskommission. Von 2002 bis 2004 übernahm sie den Vorsitz des Sachverständigenrates für Zuwanderung und Integration.

Als ein Lebensmotto zitierte sie den Schriftsteller Samuel Beckett: „Scheitern, weitermachen, nochmal scheitern, besser scheitern, weitermachen“.

Klöckner über Rita Süssmuth: „Zahllose Menschen inspiriert“

Mit ihrem Mentor Kohl stand sie schließlich auf Kriegsfuß: 1989 gehörte sie zu denen, die den Parteivorsitzenden auf dem Bremer Parteitag stürzen wollten. In ihren Memoiren ging Süssmuth streng ins Gericht mit dem „System Kohl“. Auch nach ihrer politischen Karriere übernahm sie weiterhin zahlreiche öffentliche Ämter. Seit 2005 war sie Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts, dessen Ehrenpräsidentin sie zuletzt war. Ebenso war Rita Süssmuth über 27 Jahre die Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes.

„Ihr Elan und ihre Beharrlichkeit haben zahllose Menschen in Deutschland beeindruckt – und auch inspiriert!“, so Julia Klöckner zu ihrem Gedenken. „Unser Gespräch kurz nach meiner Wahl zur Präsidentin des Deutsches Bundestages gehört zu den besonderen und intensiven Begegnungen, die mir immer in Erinnerung bleiben.“ mit afp/kna)