Nur drei bleiben beim „Turbo-Abi“Gymnasien in NRW wollen fast alle zu G9 zurück

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Die Umstellung auf G9 ist mit hohen Kosten verbunden.

Köln/Düsseldorf – Fast alle Gymnasien in Nordrhein-Westfalen kehren zum Abitur nach neun Jahren (G9) zurück. Das teilte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch im Schulausschuss des Landtages mit. Von 600 Gymnasien blieben nur drei beim umstrittenen G8.

Damit wurden die Erwartungen des Ministeriums sogar noch übertroffen, wo man mit einer Rückkehrerquote von über 90 Prozent gerechnet hatte. Ein öffentliches und zwei als Ersatzschulen geführte Gymnasien haben sich mit dem notwendigen Beschluss der Schulkonferenz für einen Verbleib beim sogenannten „Turbo-Abi“ entschieden.

Im Sommer 2018 entschieden

„Die Debatte über G8 wurde über Jahre hinweg sehr intensiv geführt“, sagte Ministerin Gebauer am Mittwoch im Schulausschuss des Landtages. „Insofern überrascht es nicht, dass fast alle Schulen in Nordrhein-Westfalen zum Abitur nach 13 Jahren zurückkehren werden.“ Es sei richtig gewesen, dass die Landesregierung mit dem G9-Gesetz die Leitentscheidung für die landesweite Umstellung auf einen neunjährigen Bildungsgang an den Gymnasien getroffen habe.

Im Sommer 2018 hatte der Landtag mit den Stimmen von CDU und FDP die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren beschlossen. Sie ist für alle Gymnasien verbindlich, sofern sich nicht eine Zwei-Drittel-Mehrheit plus einer Stimme in einer Schulkonferenz dagegen entscheiden würde.

Zwei Bielefelder Schulen, das öffentliche Max-Planck-Gymnasium und die Georg-Müller-Schule, bleiben im G8-Modus wie auch das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Hilden. Dort begründete man den Verbleib bei G8 mit den hohen Anmeldezahlen im letzten Schuljahr, wodurch die eigene Haltung bestätigt werde. „Wir haben vor einigen Jahren ein G8/G9-Kooperationsmodell mit der evangelischen Gesamtschule entwickelt, was sehr große Resonanz bei den Erziehungsberechtigten gefunden hat und gut funktioniert“, heißt es auf der Homepage der Schule. Eine nachträgliche Veränderung hin zu G9 würde der Schule als Vertrauensbruch erscheinen.

Erstes G9-Abitur 2027

Die Umstellung auf das neue G9 erfolgt zum kommenden Schuljahr für die Klassen 5 und 6 an nahezu allen Gymnasien in Nordrhein-Westfalen. Der erste reguläre G9-Jahrgang macht im Jahr 2027 Abitur. Die Umstellung ist mit hohen Kosten verbunden. Mehr als eine halbe Milliarde Euro sollen die Kommunen vom Land dafür erstattet bekommen. Da die Zahl der Schüler durch das zusätzliche Jahr zunimmt, steigt auch der Raumbedarf der Schulen. Mittlerweile liegen die Kernlernpläne für das neue G9 vor. Für die Umstellung müssen zudem neue Schulbücher und Arbeitshefte angeschafft werden. Auch die Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sekundarstufe I musste für die Umstellung zum G9 geändert werden.

Auf die Schüler warten zudem einige Veränderungen, so werden die Schulfächer Wirtschaft und digitale Bildung stärker berücksichtigt. Besonders leistungsstarke Schüler sollen auch auf G9-Gymnasien nach acht Jahren die allgemeine Hochschulreife erlangen können.

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