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„Keinerlei Scham“Obama kritisiert Trumps Affen-Video und Abschiebe-Einsätze

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Der ehemalige US-Präsident Barack Obama spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung (Archivbild).

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung (Archivbild).

Ex-US-Präsident Obama verurteilt Trumps Affen-Video über sich und seine Frau – und sieht eine Politik ohne Anstand.

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals über ein von Amtsinhaber Donald Trump veröffentlichtes Video geäußert, das ihn und seine Ehefrau Michelle als Affen verunglimpfte. Obama beklagte dabei am Samstag in einem Interview mit Youtuber und Podcast-Host Brian Tyler Cohen fehlende „Scham“ und fehlenden „Anstand“ in der Politik. Die meisten US-Bürger würden ein solches Verhalten als „zutiefst verstörend“ empfinden.

„Es gibt so eine Art Clown-Show auf den sozialen Netzwerken und im Fernsehen“, sagte Obama, ohne Trump beim Namen zu nennen. „Es scheint keinerlei Scham mehr darüber bei Menschen zu geben, die einst dachten, dass es Anstand, einen Sinn für Anständigkeit und Respekt für das Amt geben sollte, richtig? Das ist verloren gegangen.“

Empörung über rassistisches Video auf Truth Social

Der Demokrat sagte voraus, dass ein solches Verhalten Trumps Republikanern bei den Kongress-Zwischenwahlen im November schaden werde. „Letztlich wird die Antwort vom amerikanischen Volk kommen“, sagte der US-Präsident der Jahre 2009 bis 2017.

Das fragliche Video war am 5. Februar auf Trumps Nutzerkonto bei seiner Onlineplattform Truth Social veröffentlicht worden. In dem Video ging es um vermeintliche Beweise für Manipulation bei der Präsidentschaftswahl 2020, die Trump gegen den Demokraten Joe Biden verloren hatte.

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, nannte die Empörung über das Video „gespielt“. (Archivbild)

Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, nannte die Empörung über das Video „gespielt“. (Archivbild)

Am Ende des Videos sind kurz die lachenden Köpfe von Michelle und Barack Obama auf Affenkörpern zu sehen. Der erste afroamerikanische Präsident der US-Geschichte und seine Ehefrau tanzten darin vor einer Dschungel-Kulisse.

Das Video sorgte für einen Aufschrei der Empörung, Trump wurde Rassismus vorgeworfen. Auch Parteifreunde des rechtspopulistischen Präsidenten kritisierten das Video scharf.

Trumps Sprecherin Karoline Leavitt sprach zunächst von „gespielter Empörung“, bevor das Weiße Haus das Video entfernte und erklärte, ein Mitarbeiter habe den Beitrag „irrtümlich veröffentlicht“. Trump beteuerte später, er habe „nur den ersten Teil angesehen und nicht das ganze Video“.

Kritik an ICE-Razzien in Minneapolis – Hoffnung auf Widerstand der Bürger

Ex-Präsident Obama äußerte sich erneut auch mit scharfen Worten zu den Abschiebe-Razzien der Trump-Regierung in der Großstadt Minneapolis. Das Vorgehen von Einsatzkräften der US-Einwanderungsbehörde ICE und des Grenzschutzes erinnere ihn an „autoritäre Länder“ und „Diktaturen“. „Das schurkenhafte Verhalten von Agenten der Bundesregierung ist zutiefst besorgniserregend und gefährlich.“

USA, Minneapolis: Aktivisten werden von Bundesbeamten mit gezogener Waffe angesprochen, weil sie den Fahrzeugen des Beamten gefolgt sind. (Archvibild)

USA, Minneapolis: Aktivisten werden von Bundesbeamten mit gezogener Waffe angesprochen, weil sie den Fahrzeugen des Beamten gefolgt sind. (Archvibild)

Mut mache ihm aber der organisierte Widerstand von Bürgern gegen die Abschiebe-Razzien, sagte Obama. Die Bürger würden „systematisch, organisiert“ sagen: „Das ist nicht das Amerika, an das wir glauben, und wir werden zurückkämpfen, wir werden dagegenhalten mit der Wahrheit und mit Kameras und mit friedlichen Protesten.“

Trump hatte tausende Einsatzkräfte in die von den Demokraten regierte Stadt Minneapolis geschickt, um Migranten ohne gültige Papiere festzunehmen und abzuschieben. Das rabiate Vorgehen von ICE und dem US-Grenzschutz sorgte für massive Proteste – insbesondere, nachdem Einsatzkräfte im Januar die US-Bürger Renee Good und Alex Pretti erschossen. Am Donnerstag sagte Trumps Grenzbeauftragter Tom Homan, der Einsatz in Minneapolis werde beendet.

Allerdings bedeutet das keineswegs ein Ende der landesweiten Massenabschiebungen, an denen Trump weiter festhält. Der Streit um das Vorgehen von ICE hat inzwischen zu einer Haushaltssperre für das Heimatschutzministerium geführt, dem die Einwanderungsbehörde unterstellt ist. Die oppositionellen Demokraten fordern strengere Regeln für ICE-Einsatzkräfte. (afp)