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„Möchte zunächst zuhören“Landesregierung beruft Petra Ladenburger zur Beauftragten für Kinderschutz

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Petra Ladenburger (l), neue Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte, und Familienministerin Verena Schäffer (Bündnis 90/Die Grünen) stehen nach der Vorstellung in der Wandelhalle im Landtag.

Petra Ladenburger (l), neue Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte, und Familienministerin Verena Schäffer (Bündnis 90/Die Grünen) stehen nach der Vorstellung in der Wandelhalle im Landtag. 

Erstmals in der Landesgeschichte ernennt Nordrhein-Westfalen eine Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte.

Nordrhein-Westfalen beruft erstmals eine unabhängige Beauftragte für Kinderschutz und Kinderrechte. Petra Ladenburger, Fachanwältin für Familienrecht, nimmt ihr Amt zum 18. Februar auf und wurde für fünf Jahre ernannt. Damit setzt die schwarz-grüne Landesregierung ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag um. Die neugegründete Stelle ist eine Konsequenz aus den Missbrauchskomplexen in Lügde, Münster und Bergisch Gladbach, die das Land in den vergangenen Jahren erschütterten. 

„Ich möchte zunächst zuhören“, sagte Ladenburger am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Düsseldorfer Landtag. „Ich möchte nicht nur über Kinder und Jugendliche sprechen, sondern mit ihnen.“ Auch mit Menschen, die in ihrer Kindheit und Jugend Opfer von Gewalt wurden, wolle sie das Gespräch suchen. „Bei Ihnen hat der Kinderschutz versagt. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass die Betroffenen mit den Folgen dieses Versagens künftig nicht alleingelassen werden.“

Ladenburger bringt 35 Jahre Berufserfahrung in das Amt ein. Als Anwältin vertrat sie Betroffene von sexualisierter Gewalt in Strafverfahren, und bis zu ihrer Ernennung lehrte sie als Dozentin an der TU Köln zu Gewaltschutz und Kinder- und Jugendhilferecht. Zudem beriet sie für verschiedene Institutionen Betroffene von sexualisierter Gewalt und hörte als für die Unabhängige Kommission des Bundes zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs über 300 Betroffene an.

SPD: Ladenburger eine „ausgesprochen gute Wahl für das Amt“

In ihrer neuen Position sei sie Ansprechperson für Kinder, aber auch für Eltern und mittlerweile erwachsene Betroffene. „Ich würde mich als Lotsin in Hilfe- und Unterstützungssysteme bezeichnen“, sagte sie. Anliegen von Betroffenen wolle sie sammeln und daraus politische Forderungen in Gespräche einbringen.

Ladenburger ist in ihrer Arbeit nicht weisungsgebunden und „nur dem Gesetz unterworfen“, sagte NRW-Familienministerin Verena Schäffer. Sie sprach von einem „Meilenstein“ in Nordrhein-Westfalen und kündigte einen regelmäßigen Austausch mit Ladenburger an. Die Beauftragte beziehe ein Büro im Familienministerium und stelle ein Team aus sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Ladenburger wurde noch von Schäffers Vorgängerin Josefine Paul für das Amt vorgeschlagen, die vor einer Woche ihren Rücktritt verkündete. 

Die neue Stelle sei ein „gemeinsames Anliegen aller demokratischer Fraktionen im Landtag“, die das Amt zusammen ermöglicht hätten, so Schäffer. Auch die Oppositionsführerin SPD begrüßte die Berufung von Ladenburger: „Der Kinderschutz braucht in Nordrhein-Westfalen starke Stimmen“, sagt Dennis Melzer, Sprecher für Kinder, Jugend und Familie. Bei aktuellen Debatten wie der Kita-Reform werde diese Perspektive jedoch „zu wenig mitgedacht“, kritisiert er. Eine Kinderschutzbeauftragte habe die Chance, bei künftigen Reformen frühzeitig die Aufmerksamkeit auf diese Aspekte zu legen. Ladenburger sei mit ihrer Vita eine „ausgesprochen gute Wahl für das Amt“.