Im abgelaufenen Jahr haben die Marineaktivitäten Russlands auf der Ostsee deutlich zugenommen. Das belegen neueste Zahlen.
OstseeFahrten der russischen Marine vor Deutschland haben deutlich zugenommen

Die deutsche Marine bekommt es in der Ostsee immer häufiger mit russischen Schiffen zu tun. Auf dem Bild zu sehen ist die Fregatte „Hamburg“ (F 220) bei der Einfahrt in den Hafen von Wilhelmshaven (Symbolbild),
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Die russische Marine war 2025 so aktiv wie nie zuvor auf der Ostsee. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der Schiffsbewegungen der russischen Seestreitkräfte im Fehmarnbelt um 30 Prozent. Der Fehmarnbelt trennt die deutsche Halbinsel Fehmarn und die dänische Insel Lolland und soll ab Anfang der 2030er-Jahre von dem Milliarden-Projekt Fehmarnbelttunnel unterquert werden.
Die „Kieler Nachrichten“ sprechen von mindestens 105 Passagen russischer Marineschiffe und von der Marine beauftragter Frachter, die laut Recherchen der Zeitung den genannten Bereich passiert hätten. Das seien 35 mehr als 2024. Offiziell bestätigt wurden die Zahlen weder von der dänischen, noch der deutschen Marine. Dennoch ist ein Großteil der Fahrten belegt – etwa durch Beiträge in Onlineforen oder durch Schiffsfotografen.
Unabhängig von der Anzahl der Schiffe kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Der Direktor des dänischen Verteidigungsnachrichtendienstes, sagte auf einer Pressekonferenz, dass es immer wieder zu Vorfällen in den Meerengen des skandinavischen Landes kommen sei, bei denen „Hubschrauber der dänischen Luftwaffe und Marineschiffe von russischen Kriegsschiffen mit Ortungsradargeräten ins Visier genommen und physisch mit Waffen beschossen wurden.“
Sicherheit-Experte sieht Zusammenhang mit Schattenflotte
Zu den mutmaßlichen Gründen, für die gestiegene Anzahl der Marinebewegungen sagte, äußerte sich der Sicherheits-Experte Prof. Joachim Krause und ehemaliger Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik der Uni Kiel, gegenüber der Zeitung wie folgt:„Ich vermute bei dem Anstieg der Marinebewegungen einen Zusammenhang zwischen der erhöhten Aufmerksamkeit Russlands und den Aktivitäten der russischen Schattenflotte“, so Krause. Er vermutet, dass die Präsenz der russischen Einheiten abschreckend wirken und die Behörden der EU vom Zugriff auf die Schiffe eben jener Schattenflotte abhalten soll.

Der manövrierunfähige Tanker „Eventin“ liegt zwischen Binz und Sassnitz auf der Reede Sassnitz. Der mit rund 99.000 Tonnen Öl beladene Tanker, der, der russischen Schattenflotte zugerechnet wird, soll so lange dort bleiben, bis über das weitere Vorgehen entschieden ist.
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Eine Kriegsgefahr gehe von den Schiffen derzeit nicht unbedingt aus, so der Sicherheits-Experte. „Die Bedrohung durch Russland bleibt aber bestehen. Russland produziert derzeit mehr Panzer als die Nato.“Der Seeweg für Ölexperte ist auch deshalb so wichtig für Russland. Auch aus diesem Grund sei etwa der Zerstörer „Vice-Admiral Kulakov“ in die Ostsee erlegt worden. Bei dem siebenmonatigen Einsatz legte das große Kampfschiff 30.000 Seemeilen zurück, wie der Pressedienst der russischen Marine mitteilte.
Russische Schiffe verschiedener Gattungen verstärkt unterwegs
Zwölfmal habe der Zerstörer dabei Fehmarn passiert, berichten die „Kieler Nachrichten“. Zeitweise ankerte das Schiff auch tagelang westlich der Insel am Kiel-Ostsee-Weg. Nicht nur die Zerstörer-Passagen stiegen von zwei im Jahr 2024 auf 16 im Jahr 2025. Auch bei den Fregatten und Korvetten stieg die Anzahl der Fahrten in den Gewässern vor der Insel von 20 auf 22, bei Landungsschiffen von fünf auf zwölf und bei U-Booten von vier auf sechs Passagen. Insbesondere die beiden Marinemanöver „July Storm“ und „Zapad 25“ führten zu weiteren Verlegungsfahrten.
Die USA hingegen wenden sich anderen Regionen zu, das wirkt sich auch auf die Präsenz von der US-Marine in der Ostsee aus. Im ergangenen Jahr waren mit der Zerstörern „Paul Ignatius“, „Bainbridge“ und der „Bulkeley” nur drei Schiffe dieser Klasse in der Ostsee unterwegs – und das nur im Juli und September für lediglich je zwei Wochen. Über der Ostsee kreuzen gegenwärtig lediglich Seefernaufklärer und Drohnen der USA. Die dauerhafte Präsenz von US-Marineschiffen wurde im September beendet. (kgoo)

