„Heino ist nicht frauenfeindlich“Schlagersänger Heino setzt auf Ballermann und „Zehn nackte Friseusen“

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Ein Redakteur hört das neue Album von Heino.

Konzentriert zuhören und Bilder im Kopf ausblenden: Heino macht jetzt Ballermann-Musik.

Heino, Volksbarde mit Wohnsitz in Bad Münstereifel, hat am Freitag eine Platte mit Neuinterpretationen von Ballermann-Hits veröffentlicht.

Wacken ist Geschichte. Heino singt jetzt Ballermann-Hits. Auf seinem neuen Album „Lieder meiner Heimat“ interpretiert er nun unter anderem Mickie Krause, Lorenz Büffel, Almklausi & Specktakel und die Zipfelbuben.

Vor zehn Jahren, bei seinem „Metal“-Album „Mit freundlichen Grüßen“, waren es immerhin noch Die Ärzte, Peter Fox, Die Fantastischen Vier und auf der Bonus-Edition sogar intellektuelle Independent-Rocker wie Tocotronic gewesen. Und Rammstein, die ihn dann eben mitgenommen haben nach Wacken, wo Heino mit nietenbesetzter Lederjacke und Totenkopfringen an den Fingern auftrat.

Heino: Frauen in Dessous tanzen um den fast 85-Jährigen herum

Jetzt sitzt der fast 85-Jährige auf einem Frisierstuhl. Um ihn herum tanzen Frauen in Dessous. Im Video taucht sogar ein langhaariger Mann auf, mit nacktem Oberkörper. Ein Kontrastpunkt. Darüber singt Heino Textzeilen wie „Es gibt 50.000 Weiber, die haben einwandfreie Leiber“ oder „Es gibt 100.000 Schnitten, die haben wunderschöne Augen“. Der Ballermann-Reisende erkennt Mickie Krauses „Zehn nackte Friseusen“ sofort.

Dass Heino Zeilen singt wie „Geh mal Bier holen, du wirst schon wieder hässlich“ oder die Songs über die Puffmutter Layla und Olivia, die mit jedem in die Kiste steigt, sieht sein Manager nicht als problematisch an. „Heino ist alles andere als frauenfeindlich“, sagt Helmut Werner. Die Themen seien, im Gegensatz beispielsweise zu den Songs des Rappers Apache 207, auch nicht sexistisch.

„Aber da sagt keiner was“, so der Österreicher gegenüber der Redaktion, während er mit Heino, der schweigt, im Auto unterwegs ist zum Frankfurter Oktoberfest, wo der Barde auftritt. Das Veröffentlichungsdatum der Platte war eben bewusst gewählt und fiel nicht von ungefähr auf den Start der Münchener Wiesn.

Leute, die sich daran stoßen, haben vermutlich im eigenen Leben keinen Spaß. Das ist ein kleiner erbärmlicher Haufen.
Helmut Werner

Natürlich hat Werner die Debatte um „Layla“ Mitte 2022 verfolgt und kommt zu dem Schluss: „Die Gesellschaft ist krank. Es gibt einen Krieg in der Ukraine, es gibt Kinder- und Altersarmut.“ Stattdessen diskutiere man über ein Lied, dessen einziger Sinn es sei, Spaß zu bringen. „Leute, die sich daran stoßen, haben vermutlich im eigenen Leben keinen Spaß. Das ist ein kleiner, erbärmlicher Haufen. Aber das ist nur eine Randgruppe“, so Helmut Werner.

Einmal losgelegt, ist der Manager nicht zu stoppen. Heino werde auch weiter vom Zigeunerleben singen. „Das lässt er sich nicht verbieten“, sagt Werner. Rassistisch sei das nicht. Im Gegensatz zur Bezeichnung „alter weißer Mann“, mit der Heino tituliert werde.

Heino will auf das deutsche Volkslied aufmerksam machen

Heino bediene sich der Sprache der Jugend und singe Lieder der Jugend. „Mit dem Rockalbum hat er sein Publikum mit einem Schlag um 40 Jahre verjüngt. Jetzt schreiben ihm 12- bis 14-Jährige, was für eine coole Socke er ist.“

Auch der Name der Platte sei bewusst gewählt. „Lieder meiner Heimat“ beziehe sich auch auf das Volkslied. „Wo kann man denn noch das Ännchen von Tharau hören? In der Schule im Musikunterricht nicht mehr, nur noch bei Heino“, so Werner. Und das ist es, was man mit dem Album eben auch bezwecke: Man will auf das deutsche Volkslied aufmerksam machen.

Auch „Lieder meiner Heimat“ von Heino ist ein Projektalbum

Und dann greift Helmut Werner hoch. Auch die von Heino nun interpretierten Ballermann-Hits hätten das Zeug dazu, Volkslieder zu werden. Heino selbst habe die Lieder mit ausgewählt. Man habe über die Titel diskutiert – Heino, er als Manager und Produzent Christian Geller, der schon 2013 bei „Mit freundlichen Grüßen“ an den Reglern stand. Beide Platten seien laut Werner „Projektalben“.

Auftritte am Ballermann seien derzeit nicht geplant. Aber das war ein Auftritt bei Wacken auch nicht. Vielmehr macht Heino nach den Oktoberfesten etwas vollkommen anderes: Er geht auf Kirchentournee. Titel: „Die Himmel rühmen.“


Heino: „Lieder meiner Heimat“

Knapp 55 Minuten dauert das neue Heino-Album „Lieder meiner Heimat“ und erscheint als Stream, Download, auf CD und als Doppel-LP. 15 Songs beinhaltet die Platte, die vornehmlich aus Interpretationen von Ballermann-Hits besteht.

Die Tracklist: 1. Geh mal Bier holen, 2. Zehn nackte Friseusen, 3. Dicht im Flieger, 4. Johnny Däpp (Ich will Mallorca zurück), 5. Layla, 6. Mama Laudaaa, 7. Cordula Grün, 8. Finger im Po-Mexiko! Paris-Athen – auf Wiedersehen, 9. Hulapalu, 10. Sie hatte nur noch Schuhe an, 11. Olivia, 12. Das rote Pferd, 13. Schatzi schenk mir ein Foto, 14. Ich bin solo, 15. Lieder meiner Heimat. (ets)

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