Ohne Punktverlust steigt Bessenich im Frühjahr in die Bezirksliga auf. Es folgen drei Pokal-Niederlagen und die Trennung von sieben Spielern.
Sportlerwahl 2022Bezirksliga-Aufsteiger Bessenich erlebt erfolgreiches und unruhiges Jahr

Einigkeit bei der Rhenania herrschte zum Beginn der Bezirksliga-Saison augenscheinlich noch.
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Das Jahr 2022 aus der Perspektive des SV Bessenich als turbulent zu bezeichnen, grenzt schon fast an eine Untertreibung. So richtig zur Ruhe kamen die handelnden Personen im Laufe der zwölf Monate nie – und dies aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Trainer Artur Mezler übernahm den Tabellenführer der Kreisliga A Anfang Januar und setzte die beeindruckende Siegesserie aus der ersten Saisonhälfte fort. Als die aufgrund der Corona-Pandemie auf 14 Partien reduzierte Meisterschaft – alle Vereine traten erstmalig in der Geschichte nur einmal gegeneinander an – am 18. April abgepfiffen wurde, hatte die Rhenania das ausgegebene Ziel mit Bravour erreicht: Ohne jeden Punktverlust und mit einem Torverhältnis von 63:6 Treffern stieg sie in die Bezirksliga auf.
Nach dem Aufstieg folgen drei Pleiten im Pokal
Unter dem Strich nicht ganz so erfolgreich lief es für den SV anschließend im Kreispokal, der – dies war bedingt durch die Flutkatastrophe 2021 ein Novum – gleich doppelt ausgetragen wurde. Der erste Durchgang fand von Anfang Mai bis Anfang Juni statt, Auflage Nummer zwei wie gewohnt in der Vorbereitungsphase auf die laufende Spielzeit. Zwar zogen die Bessenicher zweimal ins Endspiel ein, zogen dort aber sowohl gegen den Lokalrivalen TuS Zülpich (1:2) als auch gegen den favorisierten Landesligisten Erftstadt-Lechenich (3:6 nach Verlängerung) knapp den Kürzeren. Besonders bitter war die Niederlage in Lechenich, als man früh mit 2:0 führte, aber den Vorsprung nicht über die Zeit bringen konnte. „Wir waren uns zu sicher, dass wir das Spiel gewinnen“, bedauert Mezler rückblickend.
Ein ähnliches Schicksal widerfuhr dem Aufsteiger im FVM-Cup: Bis zur 90. Minute lag man gegen Mittelrheinligist Borussia Freialdenhoven nach bärenstarker Leistung 3:2 vorne, ehe der Ausgleich die Verlängerung nötig machte, in der sich der Favorit durchsetzte.
Die Rhenania überwintert auf respektablem achten Platz
Vielversprechend war dagegen der Start in die Meisterschaft, in der die Rhenania zur Winterpause einen respektablen achten Platz belegt. „Es hätten durchaus fünf oder sechs Punkte mehr sein können, aber insgesamt war die Hinrunde ganz in Ordnung“, resümiert Mezler.
Trotz des sportlichen Erfolgs blieb es im Umfeld ungemütlich, Teile der Mannschaft und der Trainer funkten nicht mehr auf einer Wellenlänge, bis sich der Verein klar positionierte und sich von sieben Akteuren – darunter die Toptorschützen Athanasios „Saki“ Noutsos und Valon Maloku – trennte. „Ich brauche Spieler, die brennen, denn Verbesserung ist nur möglich, wenn man das auch will. Dabei ist mir Teamwork viel wichtiger als individuelle Klasse“, erklärt Mezler, dessen Team in der Rückrunde kaum wiederzuerkennen sein wird. Denn neben Spielgestalter Noutsos ist auch Willi Kückelhaus weg, sodass das Mittelfeld ein neues Gesicht erhält und die zahlreichen Neuzugänge wichtige Posten besetzen müssen. „Ich habe ein gutes Gefühl, was die neuen Leute betrifft, weil sie die richtige Einstellung mitbringen. Einige von ihnen werden noch etwas Zeit brauchen, um sich an das Niveau zu gewöhnen, während uns andere sofort einen deutlichen Qualitätsschub geben“, glaubt Mezler.
Marvin Iskra kommt von Fortuna Köln II nach Bessenich
Dabei denkt er in erster Linie an die namhafteste Verpflichtung Marvin Iskra, der von Fortuna Köln II zum Bezirksligisten gekommen ist und dort genau da weitermachen soll, wo er in der Domstadt aufgehört hat – mit dem Toreschießen. Der 29-Jährige erzielte 2022 saisonübergreifend 18 Treffer in der Mittelrheinliga, wobei vor allem die Rückserie der vergangenen Spielzeit (14 Tore in 15 Einsätzen) herausragend war.
Über für die Liga außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt auch Moritz Hartmann, der bei seinen wenigen Einsätzen entscheidende Akzente setzen konnte. „Ich kenne niemanden in der Klasse, der Bundesliga gespielt hat. Moritz bringt uns mit seiner Ruhe am Ball und seiner Erfahrung enorm weiter“, weiß der Mezler, der hofft, dass der 36-Jährige nun verletzungsfrei bleibt und mit gelungenen Aktionen dazu beiträgt, dass es bei der Rhenania im Jahr 2023 nicht nur erfolgreich, sondern auch harmonisch zugeht.

