Baudenkmal in HellenthalGerberei könnte Museum werden

Hinter der löchrigen Eternitfassade verbirgt sich die einzige erhaltene Lohgerberei des Rheinlandes. Die Gemeinde hat schon Zuschüsse für den Umbau beantragt.
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Hellenthal – Noch immer scheinen die Ratsvertreter in Hellenthal sich nicht ganz sicher zu sein, ob sie das unverhoffte Geschenk an ihrem Ortsrand als Fluch oder Segen betrachten sollen. Dort steht an der Straße zum Wildfreigehege eine Ruine, die den Planern schon seit langem ein Dorn im Auge ist. Seit bekannt geworden ist, dass es sich dabei um ein historisch einmaliges Baudenkmal handelt, haben die Hellenthaler ein Problem. Denn große Investitionen lässt der Gemeindehaushalt nicht zu.
Im Januar hatte die Denkmalpflegerin Dr. Monika Herzog den Gemeindevertretern mitgeteilt, dass sich hinter den eternitverkleideten Mauern des Hauses Kremer die einzige erhaltene Lohgerberei des Rheinlandes aus dem 19. Jahrhundert verbirgt. Und im Gegensatz zu einigen ähnlichen Gebäuden ist die Anlage noch komplett im Ursprungszustand erhalten.
„Diese Art Gebäude gibt es nicht mehr“, fasste Architekt Johannes Prickartz zusammen. Ihm ist zu verdanken, dass das Haus Kremer nicht abgerissen wurde. Er stellte in der Sitzung neue Erkenntnisse und den Entwurf eines Nutzungskonzeptes vor.
Ausstellung über Lederherstellung
Gebaut wurde das Haus wahrscheinlich im Jahr 1817, wie man aus den verwendeten Holzbalken schließen kann. „Laut Herrn Kremer gibt es einen Werkhof, der mit Kieselsteinen gepflastert war“, sagte Prickartz. Der sei jedoch mit Erde zugeschüttet worden. Sein Konzept sieht vor, die Umgebung des Hauses auszuschachten, um die ursprüngliche Höhe wiederherzustellen. Im Gebäude könnte eine Ausstellung über Lederherstellung gezeigt werden. „Denkbar ist auch, hier ein Museum für die Industriegeschichte des Schleidener Tals zu installieren“, sagte er.
Anhand erster Kostenschätzungen des Architekten für einen Komplettumbau hat die Gemeinde einen Förderantrag über 590 000 Euro aus dem Städtebauprogramm des Landes gestellt. Dabei würde allerdings ein Eigenanteil von rund 176 000 Euro bei der Gemeinde verbleiben. Diesen will Bürgermeister Rudolf Westerburg durch Spenden von Institutionen wie der NRW-Stiftung verringern. „Da gibt es Türen, an die man klopfen kann“, sagte er.
Nicht in Wohnhaus umwandeln
„Wie kann das Haus tragfähig betrieben werden?“, fragte Karl Reger (Bündnis 90/Grüne). Er schlug vor, die Tourist-Information in das Haus Kremer zu verlegen, damit dort eine feste Anlaufstelle für Touristen entsteht. Ähnlich argumentierte Manfred Schmitz (SPD), der eine Verbindung mit dem künftigen Wohnmobilhafen an der Grenzlandhalle anregte. „Wenn das Denkmal tatsächlich einzigartig ist, dann sollte es im Ursprungszustand erhalten werden“, meinte Barbara Wand (CDU).
Eine Umwandlung in ein Wohnhaus lehnte sie ab, da dann die Einzigartigkeit verloren gehe. Sie erkundigte sich nach der tatsächlichen Höhe der Kosten, die für eine denkmalgerechte Sanierung entstehen würden. Diese können allerdings laut Westerburg erst berechnet werden, wenn der baufällige Innenraum entfernt ist.
Diese Arbeiten sollen im Januar 2015 beginnen. Dafür wurde eine Förderung von 21 200 Euro beim Landschaftsverband Rheinland beantragt.
