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Landwirt schockiertRiesenmengen Heuballen in Hellenthal gestohlen

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Deutlich dezimiert sind die Heu-Vorräte des Hollerather Landwirts Ingo Pesch durch den Diebstahl.

Hellenthal-Hollerath – Landwirt Ingo Pesch ist aufgewühlt. Auch wenn er sich Mühe gibt, abgeklärt mit der Situation umzugehen, wird deutlich, dass er so etwas noch nicht erlebt hat. Rund 30 Rundballen Heu sind dem Hollerather in den vergangenen Tagen gestohlen worden. Von zwei verschiedenen Plätzen sind die Ballen verschwunden, bisher gibt es noch keine Erkenntnisse zu möglichen Tätern.

Die erste Nachricht kam am Montag, als ein Anwohner aus Ramscheiderhöhe bei Pesch anrief. Ob er denn Rundballen von der Wiese beim Haus weggeholt habe, habe der Anrufer wissen wollen. „Ich halte sonst mit ihm immer ein Schwätzchen“, erzählt Pesch. Wie viele Ballen dort waren, weiß er genau: „An der Rundballenpresse ist ein Zählwerk, daher weiß ich, wie viele ich gemacht habe.“ 13 Stück fehlen nun. Den Rest hat er von der Wiese geholt und lagert sie derzeit auf einer Fläche unweit seines Hofes.

Winterfutter ist knapp

Doch eine weitere böse Überraschung stand ihm wenig später bevor. Als er am Mittwoch eine Fläche am Hollerather Berg an der B265 kontrollierte, musste er auch hier feststellen, dass Ballen fehlten. Doch für diese Stelle fehlt ihm der genaue Überblick. „Die Ballen kommen von mehreren Wiesen, deshalb kann ich es nicht genau sagen“, so Pesch. Zwischen 15 und 20 Ballen, so schätzt er, dürften es sein.

Wie die Ballen fortgeschafft wurden, ist noch nicht geklärt. Mit einem Durchmesser von rund 1,30 Metern und einem Gewicht von rund 300 Kilo sind die Heuballen nicht gerade handlich. Auf den Wiesen, wo sie lagerten, sind Reifenspuren zu sehen. „Vielleicht wurde ein Transporter oder ein Anhänger verwendet“, vermutet Pesch.

Der Heumarkt

Massiv angezogen haben die Preise für Heu. Der extrem trockene Sommer hat oft verhindert, dass auf den Wiesen nach dem ersten Schnitt im Frühjahr viel nachgewachsen ist. Entsprechend wenig Heu ist aktuell auf dem Markt erhältlich. Teilweise werden Rundballen zum Preis von über 100 Euro angeboten, berichtet der Hollerather Landwirt Ingo Pesch.

Als übertrieben bezeichnet jedoch Helmut Dahmen von der Kreisbauernschaft solche Angebote. Nach seiner Kenntnis werden die Rundballen mit Preisen von rund 16 bis 18 Euro pro Doppelzentner gehandelt, also zwischen 48 und 60 Euro je Ballen, so Dahmen.

Der Branchendienst Proplanta errechnet beispielhaft für Hessen einen Durchschnittspreis von netto 17,67 Euro pro Doppelzentner. Vor einem Jahr lag er bei durchschnittlich 11,17 Euro, eine Steigerung von rund 58 Prozent. Vor einem Monat mussten noch durchschnittlich 16,07 Euro pro Doppelzentner bezahlt werden. (sev)

Für den Landwirt ist das ein heftiger Schlag. Denn gerade in diesem Jahr ist das Winterfutter knapp. „Das, was ich habe, wird nicht für den Winter reichen“, befürchtet er, während er die geretteten Ballen begutachtet. Rund 60 Stück Vieh hat er, die er durch den Winter bringen muss.

Mit dem Problem ist er nicht alleine. Überall in der Eifel sind noch Rinder und Kühe auf den Weiden. Zahlreiche Flächen konnten nach dem ersten Schnitt im Frühjahr nicht mehr gemäht werden. Zu trocken war es, es ist nicht viel nachgewachsen. Und selbst im Herbst war es noch trocken.

„Im Jahr 2003 war es auch extrem. Da hat es aber ab September wieder geregnet, so dass noch etwas gewachsen ist“, erinnert sich Pesch. Er selbst hatte sein Vieh noch bis Samstag draußen. So könne noch ein wenig Winterfutter eingespart werden. „Normalerweise holen wir die Tiere Allerheiligen in den Stall“, sagt er.

Weidesaison verlängert

„Das geht in diesem Jahr mit etwas Beifutter gut“, erklärt Helmut Dahmen, stellvertretender Vorsitzender der Kreisbauernschaft und Milchbauer aus Lorbach zur „Verlängerung“ der Weide-Saison. Denn der Oktober sei noch warm gewesen, so dass noch etwas Futter auf den Wiesen stehe. Auch seien die Weiden nicht zu nass, so dass die Tiere trocken liegen. „Da hatten wir schon viel unangenehmere Oktober“, sagt er. Der kurze Wintereinbruch vor einer Woche dagegen habe die Rinder nicht beeinträchtigt.

Weitere Fälle von Heuballendiebstahl sind Dahmen bisher nicht zu Ohren gekommen. Auch die Polizei bestätigt das. „Das ist bisher ein Einzelfall“, sagt Lothar Willems, Pressesprecher der Polizei Euskirchen. Durch den hohen Preis seien die Heuballen attraktiv für Diebe geworden, sagt er. Auch wenn bisher keine weiteren derartigen Fälle zur Anzeige gebracht worden wären, rät die Polizei den Landwirten, besonders wachsam zu sein.