Missgeschick in Hellenthal„Anna“ und „Alex“ heben Bus

Zwei starke Kräne waren nötig, um den Bus zu bergen. Die Landstraße L 159 war bis in den Abend gesperrt.
Copyright: Lizenz
Hellenthal – Es war das Ende einer Dienstfahrt – allerdings ganz anders als im Roman von Heinrich Böll. In Hellenthal machte sich am Mittwochabend gegen 17.30 Uhr ein Linienbus selbstständig und rollte eine rund 15 Meter tiefe Böschung hinunter. Der Fahrer hatte den Bus auf einen Parkplatz am Ortsausgang an die Aachener Straße gestellt und offenbar nicht ausreichend abgesichert.
So geriet der Linienbus in Bewegung, rollte ein Stück die stark abschüssige Straße herunter, durchbrach die Leitplanke und landete schließlich im Vorgarten des Fahrers – knapp neben seinem Haus. Menschen kamen nicht zu Schaden.
„Es war menschliches Versagen“, sagte Christoph Lehner, Eigentümer des betroffenen Unternehmens. Die Höhe des Sachschaden konnte er noch nicht beziffern, bezeichnete ihn aber als „erheblich“. Der Fahrer habe am Donnerstagmorgen nach Monschau fahren wollen, wo der Bus eingesetzt werden sollte. Deshalb habe er sein Fahrzeug auch bergauf geparkt, um direkt losfahren zu können. Doch daraus wurde nichts.
Mächtig überrascht waren die Arbeiter der Straßenmeisterei, als sie am Donnerstagmorgen zur Arbeit kamen. „Der stand gestern noch nicht hier“, sagte einer von ihnen verwundert, als er einen Meter neben seiner Baustelle den Bus entdeckte – in höchst ungewöhnlicher Position quer in der steilen Böschung.
Die Männer hatten an dieser Stelle an einem Entwässerungsschacht gearbeitet. Zum Zeitpunkt des Unfalls hatten sie allerdings bereits Feierabend, so dass sie nicht in Gefahr gerieten. Probleme bereitete die Bergung. Ab 14 Uhr war am Donnerstag die L159 bis in die Abendstunden gesperrt. Um den 15 Meter langen und rund 15 Tonnen schweren Bus auf die Straße zu heben, musste der Bergungsunternehmer Marcel Kurth mit zwei Kränen zur Unfallstelle nach Hellenthal ausrücken.
„Alex“, mit 60 Tonnen Hebekraft der kleinere der beiden Geräte, sollte die Vorderachse heben. „Anna“, mit 120 Tonnen Tragkraft ausgestattet, das Heck des Busses. Die Schräglage des großen Gefährts machte die Sache schwierig. „Wir haben den Bus mit einer Seilwinde abgesichert, damit er nicht abrutscht, wenn er angehoben wird“, beschrieb Kurth das Vorgehen. An einem Baum hatten seine Männer eine Umlenkrolle befestigt und darüber ein Stahlseil an die Vorderseite des Busses geführt.
An den Rädern wurden Metallhalter befestigt, das Krause-System, mit dem Beschädigungen bei der Bergung verhindert werden sollen. „Das ist reine Glücksache. Bei so einer Bergung kann alles passieren“, sagte Matthias „Mäppi“ Müller, Kranführer von „Anna“, der trotz des schwierigen Auftrags ganz entspannt in der Führerkanzel saß.
Seit 18 Jahren mache er den Job, verriet er, während er auf das Signal zum Anheben wartete: „Ich habe schon alles am Haken gehabt.“ Wenige Minuten später schwebte der Linienbus, gehalten von den Kränen und von der Seilwinde des Abschleppers gezogen, über die Landstraße. Doch für Kurth war der Arbeitstag nicht zu Ende. „Bei dem Bus ist ein Bremszylinder abgerissen, so dass wir ihn nicht abschleppen können“, erklärte er. So galt es für seine Leute und die Mechaniker des Omnibusbetriebs , Überstunden einzulegen, bis der Bus in die Werkstatt geschleppt werden konnte.
