AbschussplanungJagd jetzt auch mit Zehntageskarte

Für den Abschuss eines solchen Hirsches müssen die Waidmänner schon einiges an Geld hinlegen.
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Nettersheim – Andere Wege wollen die Nettersheimer nun in der Verpachtung der Jagdreviere im gemeindeeigenen Wald gehen. Statt wie bisher nur langjährige Verträge mit den Jagdpächtern zu schließen, geht die Gemeinde nun zur „selbstverwalteten Eigenjagd“ über, wie Gemeindeförster Wolfgang Schmieder das nennt. Fortan werden auch Jagdberechtigungsscheine ausgegeben, deren Gültigkeit auf zehn Tage beschränkt ist. Im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ erläuterte Schmieder, welche Vorteile man sich davon für die Gemeinde, aber auch für die Jäger und die naturinteressierten Bürger verspricht.
Ein Hauptargument für die tageweise gültigen Jagdgenehmigungen ist der Umstand, dass die Abschussplanung und damit die sogenannte Wildschadensregulierung dann gezielt von der Gemeinde und ihrer Forsteinrichtung kontrolliert werden kann. Die oberste Leitung des neuen Regiejagdbetriebs hat der Bürgermeister, die fachliche Leitung obliegt dem Gemeindeförster, der von Amts wegen selber Jäger ist und weiß, an welchen Hochsitzen und zu welchen Zeiten eine Bejagung des Wilds sinnvoll ist.
Der Nettersheimer Forst ist in sieben sogenannte Eigenjagden unterteilt. Für vier davon (Marmagen Wald-West, Mürel, Tondorf Wald und Zingsheim Wald) bestehen langjährige Pachtverträge. Für das rund 400 Hektar große Revier Marmagen Wald-Ost hat Schmieder vier Begehungsscheine (gültig jeweils ein Jahr) ausgestellt. Für die Eigenjagd „Baumbusch“ (rund 90 Hektar) liegt ein Begehungsschein vor. Im Revier Nettersheim Wald können die Inhaber der neuen Zehntageskarte auf rund 375 Hektar Fläche jagen.
Um an zehn Tagen Hoch-, Schwarz- und Rehwild im Nettersheimer Forst jagen zu dürfen, werden 200 Euro fällig. Scheine, die den Waidmann nur zur Jagd auf Schwarz- und Rehwild berechtigen, kosten jeweils 100 Euro. Dazu kommt eine Abschussgebühr, nur der Abschuss von weiblichem Rehwild ist kostenfrei. So zahlt man für einen erlegten einjährigen Bock 25 Euro, bei einem mehrjährigen Bock sind es schon 200 Euro. Bei einem Hirsch der Klasse I richtet sich die Abschussgebühr nach dem Geweihgewicht – 3000 Euro und mehr muss der Jäger hierfür hinlegen. Will er das Fleisch selbst nutzen, so muss er erneut zahlen. Das Wildfleisch, das der Jäger nicht erwirbt, verkauft die Gemeinde an einen Wildhändler. Zudem gibt es drei Gaststätten, die ihr Wildfleisch von der Gemeinde beziehen.
Koordination durch Jagdführer
Der praktische Jagdbetrieb, also die Koordination der Jägerei vor Ort, wird dort von einem Jagdführer geleitet. Dazu wurde bereits eine hauptamtliche Fachkraft eingestellt. Der Jagdführer begleitet die Waidmänner je nach Einschätzung des Gemeindeförsters, um die notwendige Kontrolle über die ordnungsgemäße Durchführung der Jagd zu gewährleisten, wenn etwa der Abschuss eines kapitalen Hirsches ansteht.
Wenn ein Jäger einen Genehmigungsschein für zehn Tage erhält, muss er diese nicht am Stück in Anspruch nehmen. Ja nachdem, was er jagen will sowie gemäß der Einschätzung von Förster Schmieder kann sich der Genehmigungsnutzer auch an einzelnen Tagen über mehrere Wochen hinweg auf die Jagd begeben. So hat Schmieder wiederum die Möglichkeit, auch auf die Belange der Spaziergänger und Wanderer im Wald einzugehen. Schmieder: „Sonntagsnachmittags wird bei uns grundsätzlich keine Jagd stattfinden, da gehört der Wald der Bevölkerung.“
Bei der Steuerung der Jagd stehen natürlich auch die Belange des Wilds wie die des Forstbetriebs ganz oben auf der Prioritätenliste. Man will die artgemäße Sozialstruktur und das Wohlbefinden der Tiere beachten, muss aber auch die Forstschäden etwa durch Überpopulation des Rotwilds im Blick haben. Der sogenannte Verbiss der Baumsprösslinge durch die Tiere und andere Probleme forstwirtschaftlicher Natur stehen auch in Nettersheim seit Jahren auf der Agenda.
Als einen Nachteil des neuen Jagdmanagements nennt Schmieder den weitaus höheren Verwaltungsaufwand für die Gemeinde. Doch die Kontrollmöglichkeiten, die man dadurch hat und die bei einer auf mehrere Jahre angelegten Verpachtung der Jagdreviere nicht gegeben sind, sollen diesen Nachteil aufheben. „Ich kenne das System aus meiner Ausbildungszeit im ehemaligen Forstamt Büren bei Paderborn“, erläutert Schmieder. Auch in anderen Gegenden Nordrhein-Westfalens sei das gang und gäbe. Auch im Staatswald werde das so praktiziert.
Etliche Anfragen
Da man es in der Eifel mit lange gewachsenen Strukturen in der Jagd zu tun habe, stoße das neue Pachtsystem nicht nur auf Gegenliebe. Manch ein Jägersmann empfindet es als Gängelung, sich seine Jagdziele vorschreiben zu lassen oder gar von einem Jagdführer begleitet zu werden. Andererseits hat Schmieder schon etliche Anfragen von Jägern, die für die jahrelange Anpachtung eines Reviers nicht das nötige Kleingeld haben und auf diese Weise auch endlich einmal zum Schuss und zu einer nennenswerten Jagdtrophäe kommen können.
