Josefsheim in NettersheimEin Betreuer für jeden Flüchtling
Nettersheim – Auf große Resonanz stieß im Josefsheim in Nettersheim ein Kennenlerntreffen zwischen Flüchtlingen und Ehrenamtlichen. „Wir hätten gar nicht gedacht, dass so viele kommen“, freute sich Heide Harney, die ehrenamtlich die Flüchtlinge unterstützt. 32 Gäste waren erschienen, wobei sich die Zahl der Einheimischen und die der Neuankömmlinge aus aller Herren Länder die Waage hielt.
Damit wollte die Flüchtlingsinitiative den Einheimischen, die sich gerne für die Neuankömmlinge engagieren wollen, bei einer Tasse Kaffee Gelegenheit geben, die Flüchtlinge unkompliziert kennenzulernen. Und der Ansatz funktionierte: Gesprächsgruppen fanden sich ohne Probleme zusammen, sodass auch neue Bekanntschaften entstehen konnten.
Als unproblematisch schilderten einträchtig Jochen Starke, der sich ehrenamtlich engagiert, und Rainer Breinig, der zuständige Sachbearbeiter der Gemeinde, die Entwicklung bei der Unterbringung der Asylbewerber. „Ich bin umgeben von aufgeschlossenen Menschen“, freute sich Breinig über den Zuspruch der Nettersheimer und das Interesse der Flüchtlinge. Diese würden bereits am dritten Tag fragen, ob es nicht Arbeit gebe. Doch die Gesetzgebung lässt da nur wenig Lücken. Gemeinnützige Arbeit dürfen sie leisten, also werden sie von Mitarbeitern des Bauhofs dazu angeleitet, die Flüchtlingsheime, in denen sie leben, in Ordnung zu halten.
„Augenblicklich sind bei uns 51 Flüchtlinge untergebracht, die an sechs verschiedenen Stellen leben“, berichtete Breinig. Er ist nicht nur von Amts wegen mit den Flüchtlingen befasst, sondern auch als Mitglied des Pfarrgemeinderats Nettersheim. Ihn belastet derzeit noch ein ganz anderes Problem: Wenn die Asylsuchenden endlich ihre Anerkennung haben, dann fallen sie aus der Betreuung der Gemeinde heraus.
Von jetzt auf gleich müssen sie die Flüchtlingsheime verlassen und sich beim Jobcenter melden, um dort Unterstützung zu beantragen. „Ich bin eigentlich gezwungen, die Leute aus der Unterkunft verweisen“, erklärte Breinig und fügte gleich hinzu, dass er sich jedoch weigere, so zu verfahren. „Sonst kommen sie als Obdachlose wieder“, schilderte er das Problem. Derzeit herrscht ein Mangel an geeigneten Wohnungen für anerkannte Asylanten.
„Wir würden uns wünschen, dass sich mehr Vermieter melden, denn für diese besteht kein wirtschaftliches Risiko“, machte er deutlich. Regelmäßige Betreuung sei gewährleistet, erzählte Breinig. Seine Kollegin Andrea Pulscher gehe über ihre dienstliche Tätigkeit hinaus auch ehrenamtlich in die Unterkünfte und mache die Flüchtlinge mit den Dingen des täglichen Lebens vertraut. Zum Beispiel mit der Bedienung einer Waschmaschine.
Für die Unterstützung durch die Ehrenamtler ist Breinig sehr dankbar. „Das ist von einem Sozialamt nicht zu leisten“, meinte er. Bedarf sehe er vor allem in der Begleitung der Flüchtlinge. Vor allem Frauen würden sich oft scheuen, zum Arzt zu gehen. Auch sei der Gang zum Ausländeramt mit Ängsten verbunden.
Kommenden Montag wird Heide Harney mit ihrem Deutschunterricht starten. „Ich bin Lehrerin mit Leib und Seele“, freute sie sich über die 13 Flüchtlinge, die sich bei dem Treffen für den Anfängerkursus angemeldet hatten. Weiterhin sind Spaziergänge geplant, bei denen die Neuankömmlinge erfahren, wie sie einen Taxibus benutzen oder einkaufen können. „Wir planen, jedem Flüchtling einen Paten an die Seite zu stellen, der ihm helfen soll, sein Leben zu organisieren“, tat Jochen Starke einen Blick in die Zukunft. Als fester Verein wolle sich die Flüchtlingshilfe aber nicht organisieren.
