Asyl in SchleidenStadt reaktiviert Flüchtlingsheim im ehemaligen Mobau
Schleiden – Die Krisen in aller Welt erreichen auch die Eifel. Die Zahl der Flüchtlinge, die der Stadt Schleiden zugewiesen werden, sprengt den Rahmen des Wohnungsmarktes bei Weitem. Die Stadtverwaltung prüfte daher größere Bauwerke, mit dem Ziel, sie für die Flüchtlingsunterbringung anzumieten. Am Ende erwies sich die vor Jahren in Zeiten geringen Zustroms von Flüchtlingen aufgegebene Großunterkunft an der Gemünder Straße als mutmaßlich bestes Objekt. Es handelt sich um das Gebäude, in dem ursprünglich der Baustoffhändler Mobau seinen Handel hatte. Der Erste Beigeordnete Marcel Wolter wollte diese Woche den Mietvertrag für vorerst anderthalb Jahre unterzeichnen.
„In Spitzenzeiten“, so erinnert sich der Hausmeister des Vermieters, Ernst Peters, der schon in den 1990er Jahren für die Hausverwaltung zuständig war, „hatten wir hier einmal Angehörige von 14 Nationen unter einem Dach.“ Im Großen und Ganzen sei das problemlos gewesen. Gegensätze, die in den Herkunftsländern der Flüchtlinge in Gewalt zwischen Volks- oder Religionsgemeinschaften ausarten, seien in der gemeinsamen Unterkunft bald erkaltet. „Allerdings“, so Peters, „versucht man natürlich, die Leute möglichst passend zusammenzubringen.“
In den vergangenen Monaten kamen in Schleiden Staatsangehörige aus aller Herren Länder an, berichtete Michael Jansen, der bei der Stadt für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig ist. „Wir haben Iraner und Iraker, Menschen aus Guinea und Eritrea und vielen anderen Ländern. Aktuell kommen besonders viele aus Afrika“, zählt er auf. Die Stadtverwaltung registriert die Herkunftsländer der Ankömmlinge in ihren Akten. Aber da wird es langsam verwirrend, wie Jansen berichtet: „Früher kannten wir die wenigen Länder-Schlüsselzahlen. Heute müssen wir nachsehen.“
Die Tinte unter dem Mietvertrag war noch nicht trocken, da begann die Mannschaft des städtischen Bauhofs schon mit den Renovierungsarbeiten. Wenn man das Innere des Hauses betritt, erkennt man unschwer, dass an diesem Bauwerk großer Wert auf den Brandschutz gelegt wird. Vorerst noch provisorisch abgestellt, sieht man da ein knappes Dutzend Wandfeuerlöscher. Die Halterungen sind bereits neben den meisten Wohnungstüren angebracht. Hier sollen sich demnächst bis zu 100 Menschen 1430 Quadratmeter Fläche unter einem Dach teilen.
Das Haus ist dafür zweckmäßig gebaut. Vielfach findet man Gemeinschaftseinrichtungen, die sich die Bewohner teilen müssen: Sanitärbereiche, natürlich getrennt für Männer und Frauen, die Küche und ein größerer Mehrzweckraum. Hinzu kommen ein großräumiger Flur und das breite Treppenhaus, die Sanitärbereiche sind renoviert worden.
Daneben gibt es weitere 24 Wohnräume. Darin sollen maximal vier Menschen im Familienverband untergebracht werden, etwa, wenn zwei Erwachsene mit zwei Kindern ankommen. Sollten größere Familien kommen, so sagt Ernst Peters, könne man auch über die Verteilung auf zwei benachbarte Wohnräume nachdenken. Das möglichst flexible Eingehen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse in jedem Einzelfall scheint auch Peters Erfolgsrezept in der früheren Nutzungsphase als Flüchtlingsunterkunft gewesen zu sein.
Viele Flüchtlinge sprechen oder verstehen zumindest Englisch oder Französisch. Im Zweifelsfall guckt Peters dann auch mal im Internet-Wörterbuch nach, um mit seinen Schützlingen zu kommunizieren.
