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Ladenöffnungszeiten in GemündEinige Läden öffnen nur noch werktags

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Geschäftsfrau Steffi Hochgürtel (rechts) und ihre Mitarbeiterin Silke Altmann bedauern, dass sie sonntags geschlossen haben.

Schleiden-Gemünd – „Die Kunden bedauern das sehr, dass wir sonntags nicht mehr geöffnet haben“, sagt Stefanie Hochgürtel, Betreiberin von „Der Laden“ in der Dreiborner Straße. Vor zwölf Jahren eröffnete sie ihr Geschäft in Gemünd, und jeder Sonntag wurde für sie zum Alltag.

Denn samstags bis in den Nachmittag hinein und sonntags hielt sie den Laden geöffnet. Hochgürtel: „Zwar hatte ich dafür oft mittwochs frei, doch ein Mittwoch ist kein Sonntag.“

„Neue Perspektive“

Vor einigen Monaten wurde sie angezeigt, weil sie sonntags geöffnet hatte. Seither ist das Geschäft nur noch wochentags und samstags auf. Hochgürtel: „Für mich privat ist das eine neue Perspektive, den freien Sonntag genieße ich.“ Doch für den Umsatz ist die Situation schlecht. Allerdings, so erklärt die erfahrene Geschäftsfrau, möchte sie erst einmal ein Jahr lang abwarten, bevor sie ein endgültiges Urteil fällt. Was Stefanie Hochgürtel und ihre Mitarbeiterin Silke Altmann wissen: „Gemünd ist eine Touristenstadt, und den Touristen muss gerade am Wochenende etwas geboten werden.“

In Nideggen oder Monschau oder in Ortschaften wie Malmédy oder Eupen gleich hinter der Grenze werden die Geschäftszeiten eher locker gesehen. Und wenn Gemünd mit der Konkurrenz nicht mithält, dann gehen die Gäste eben langfristig woanders hin, befürchten die beiden Verkäuferinnen.

Bei Einkauf Kuchengutschein gratis

Ähnliches berichtet Doris Adam. Seit 47 Jahren führt sie in Gemünd das Damenoberbekleidungsgeschäft „City Moden“ in der Bahnhofstraße. Sie wurde vor knapp drei Jahren angezeigt. 43 Jahre lang hatte es niemanden gestört, dass sie sonntags ihr Geschäft öffnete.

Vor allem die Senioren, die gerne in Gemünd flanieren, wissen das Angebot von Doris Adam zu schätzen. Und es gab und gibt immer noch bei jedem Kauf ein Bonbon: „Wer einen Artikel kauft, der erhält einen Kaffee- und Kuchengutschein für ein örtliches Café gratis dazu.“

Gerade sonntags handelte es sich dabei um ein reizvolles Angebot. Doch nach der Anzeige war plötzlich alles anders. Adam: „Der Einkommensverlust war enorm, zeitweise dachte ich, dass ich das hier nicht überlebe.“ Auch die Belegschaft musste zittern. Doris Adam fand es damals sehr schade, dass ihr die Stadt Schleiden nicht den Rücken stärkte.

Geändertes Konsumverhalten

Ebenso wie Stefanie Hochgürtel vermutet sie, dass jemand aus dem Stadtgebiet derjenige war, der sich beim Ordnungsamt beschwerte und somit dafür sorgte, dass die Geschäfte wie die von Stefanie Hochgürtel und Doris Adam sonntags schließen mussten. Horst Klöcker, Mitarbeiter der Schleidener Stadtverwaltung, weiß um die Probleme. Klöcker: „Das Gesetz der Ladenöffnungszeiten steht inzwischen im Widerspruch zum Konsumverhalten. Doch beispielsweise die Kirchen fordern die geschlossenen Geschäfte an Sonntagen.“ Generell würden im Stadtgebiet Schleiden vier Sonntage freigegeben, an denen die Geschäfte öffnen können.

In Gemünd seien jedoch Mehröffnungszeiten möglich, die aus der speziellen Kurorte-Regelung herrühren. Klöcker: „In Kurorten dürfen Geschäfte mit ortskennzeichnenden Waren sonntags von 13 bis 21 Uhr öffnen.“ Kleidung wie Schuhe und Abendkleider gehören allerdings nicht in die Kategorie „ortskennzeichnende Waren“. Dazu würden Waren zum sofortigen Verzehr, Tabakwaren, Blumen, frische Früchte und Zeitungen gehören.

Weil die Stadtverwaltung allerdings nicht genug Personal habe, um ständig Streife zu laufen, sei man auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Würden derartige Hinweise eingehen, dann müsse man seitens der Verwaltung der Sache nachgehen. Zum 18. Mai 2013 ist bereits ein verschärftes Gesetz in Kraft getreten, was die Ladenöffnungszeiten angeht.

An normalen Samstagen darf nur noch bis 22 Uhr, und nicht wie bisher, bis 24 Uhr geöffnet werden. An vier Samstagen im Jahr ist dies für besondere Veranstaltungen jedoch immer noch erlaubt. Auch hat das Land die Bußgeldgrenze von bisher 500 auf jetzt 5000 Euro angehoben.