Schleiden40-Jähriger soll sich für „Sohn Gottes“ gehalten und Menschen bedroht haben

Diese Plakate hingen im März 2019 an der damaligen Anschrift des Beschuldigten.
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Schleiden/Aachen – Wegen verschiedener Delikte und in insgesamt 25 Fällen muss sich seit Freitag ein 40-Jähriger aus der Stadt Schleiden vor dem Landgericht Aachen verantworten. Dem Mann, der laut Staatsanwaltschaft unter einer wahnhaften Störung leidet, werden Beleidigung, Bedrohung, Volksverhetzung, Urkundenfälschung und ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen.
In dem Prozess werden neben der ursprünglichen Antragsschrift der Staatsanwaltschaft Aachen zwei weitere Verfahren verhandelt, die vor dem Amtsgericht Schleiden anhängig sind. Das beschlossen die Prozessbeteiligten zu Beginn der Verhandlung.
Da die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass der Schleidener die Taten im Zustand der Schuldunfähigkeit verübt hat, handelt es sich um ein Sicherungsverfahren. Hierbei wird geprüft, ob von dem Beschuldigten eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht und er in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht werden muss.
Schleiden: Angeklagter leugnete mehrfach den Holocaust
Die Staatsanwältin brauchte am Freitagmorgen gut eine Stunde, um alle Anklagepunkte vorzutragen. Die Delikte soll der Mann von Juni 2018 bis Mai 2019 begangen haben. Unter anderem soll er mehrfach Plakate an seiner damaligen Anschrift angebracht haben, auf denen er den Holocaust geleugnet und Juden diffamiert hat.
Des Weiteren soll er Briefe und E-Mails an das Finanzamt Schleiden, das Jobcenter Kall, die Polizei in Schleiden, die Staatsanwaltschaft Aachen, mehrere Bundestags- und Landtagsabgeordnete, das Bundesverfassungsgericht, das ZDF, den WDR sowie eine Reihe Privatpersonen geschrieben haben, in denen er den jüdischen Glauben diffamiert, Juden an sich beleidigt, den Holocaust leugnet und Drohungen ausspricht.
Mehrfach soll er behauptet haben, er sei der „Sohn Gottes“ und werde „alle töten, die nicht parieren“, zitierte die Staatsanwältin aus den Schriftstücken. Immer wieder soll der Mann gefordert haben, ihn vor eine Kamera zu stellen und seine Äußerungen in die ganze Welt zu übertragen – oder während der Hauptnachrichten über ihn zu berichten. Auch mit einem Amoklauf soll er gedroht haben.
Angeklagter bastelte sechs Molotow-Cocktails
Ebenso hat der Beschuldigte laut Staatsanwaltschaft die Mitarbeiter der Kreis-Energie-Versorgung Schleiden (KEV) in einem Youtube-Video bedroht, nachdem diese seinen Stromanschluss gesperrt hatten. Er soll sie in dem Video beschimpft und ihnen mit dem Tod gedroht haben, wenn er nicht wieder Strom bekomme. In dem Video soll er zudem erneut Juden beleidigt und die Verbrechen der Nationalsozialisten an den Juden in Abrede gestellt haben. Auffällig war in den Ausführung der Staatsanwältin, dass Frauen in den Briefen und E-Mails des 40-Jährigen auf derbe Weise sexistisch beleidigt wurden und eine deutlich sexualisierte Sprache verwendet wurde.
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Daneben habe der Beschuldigte im Mai 2019 sechs Molotow-Cocktails gebastelt und besessen, so die Staatsanwältin weiter. Zudem soll er im Juni 2018 Autokennzeichen gestohlen und die Prüfplakette auf sein eigenes Nummernschild geklebt haben.
Der Beschuldigte, vertreten durch Rechtsanwalt Dietrich Steinmetz aus Kall, wirkte während der Verlesung der Anklagepunkte ruhig, er blätterte dann und wann in seinem Pass. Nachdem er vorübergehend wegen akuter Selbst- oder Fremdgefährdung in der Psychiatrie des Marien-Hospitals in Euskirchen untergebracht war, wohnt er zurzeit in der Nähe von Mainz. Auf die Vorwürfe wollte er sich am Freitag noch nicht einlassen. Der nächste Verhandlungstermin ist für Dienstag, 28. April, angesetzt.



